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Ein Seminar zu aktuellen Tendenzen der japanischen Schullandschaft

3aViele aktuelle Informationen zu Schule in Japan und zum Japanischlernen in Deutschland gab es vom 8. bis 10. Juni 2018 beim 30. VJS-Fortbildungsseminar im Arbeitnehmerzentrum Königswinter. Unsere Masterstudentin Celeste Yau war dabei und berichtet hier von ihren Eindrücken und Erfahrungen.

Der VJS, Verein der Japanischlehrkräfte an weiterführenden Schulen im deutschsprachigen Raum e.V. (ドイツ語圏中等教育日本語教師会) verschreibt sich dem Aufbau freundschaftlicher Beziehungen zwischen Schülern aus dem deutschsprachigen Raum und Japan. Das Fortbildungsseminar findet jedes Jahr in Deutschland statt, um aktuelle Themen des japanischen Sprachunterrichts zu diskutieren, die Japanisch-Lehrer fortzubilden und um zukünftigen Japanisch-Lehrern zu helfen. Das Thema des dreitägigen Seminars war dieses Mal „Aktuelle Tendenzen in der japanischen Schullandschaft“. Dabei wurden Aspekte wie Lehrmaterial für den Japanischunterricht, die gegenwärtige Situation an Schulen in Japan, sowie Informationen zum Japanisch-Lehramt in Deutschland präsentiert und diskutiert. Ca. 30 Japanisch-Lehrer (von denen der größte Teil am Gymnasium unterrichtet) und Lehramtsstudierende nahmen an diesem Seminar teil. Das Seminar war in zwei Teile gegliedert, einen informativen Teil und einen praktischen Teil. Am ersten und zweiten Tag gab es vormittags Vorträge und Referate, und anschließend fand ein Workshop statt.

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Eine Auswahl an Japanisch-Lehrbüchern

Am ersten Tag wurden verschiedene japanische Lehrbücher vorgestellt, wobei die Japanisch-Lehrer Vor-und Nachteile der Lehrbücher anführten. Laut der Lehrer verwenden die meisten deutschen Schüler/innen und Studierende „Minna no nihongo“ für Grammatik und Vokabeln sowie „Tamago“ für Kanji. Das Buch „Daichi“, das in Deutschland noch unbekannt ist, ist mir dabei persönlich aufgefallen. Laut einer japanischen Lehrerin sei „Daichi“ ähnlich wie „Minna no nihongo“ strukturiert, allerdings seien die Texte im Buch im Vergleich zu „Minna no nihongo“ mehr muttersprachlich formuliert. Z.B. kann man das an dem Ausdruck „~にします。 “ sehen, der während der Bestellung in einem Restaurant verwendet wird. In den meisten Lehrbüchern wird in der gleichen Situation der Ausdruck „~を飲みたい・食べたいです。“ verwendet, obwohl dieser Ausdruck in dieser Situation eher unnatürlich klingt. Japaner/innen benutzen bei einer Bestellung für gewöhnlich tatsächlich „~にします。 “ , d.h. die Form, die auch in dem Buch „Daichi“ empfohlen wird. Weiterlesen

Persönliche Eindrücke aus Shimane

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Nachdem wir in den letzten Wochen schon etwas über Kagura und die Situation von ländlichen Schulen in der Präfektur Shimane erfahren haben, schildert Caroline Ruhl nun die persönliche Seite der Exkursion nach Shimane, bei der die Studierenden in engen Kontakt mit der lokalen Bevölkerung gekommen sind. 

Hikimi

Das Ehepaar M begrüßte uns am ersten Abend der Exkursion gemeinsam mit den anderen freiwilligen Helfern im Bürgerzentrum von Hikimi. Über lokalen Köstlichkeiten wie tsukemono, süßem Wasabi und Nigiri wurden die ersten schüchternen – und nach einer über 20-stündigen Reise und weiteren Stunden straffen Programms zugegebenermaßen erschöpften – aisatsu ausgetauscht. Doch viel Zeit blieb nicht, um sich in Ruhe zu unterhalten, denn trotz der an jedem Tisch begonnen Gespräche erwartete uns ein letzter Programmpunkt für diesen Tag und so musste unser weiteres Kennenlernen auf später verschoben werden. Nach einer sehr eindrucksvollen Kagura-Aufführung und dem sich anschließenden Interviewtrubel mit lokalen Nachrichtensendern und Reportern von NHK World, begann der Menschenknäuel sich schließlich aufzulösen und die einzelnen Grüppchen aus Gastgebern und Studierenden verteilten sich auf die Fahrzeuge, die auf dem Parkplatz vor dem Bürgerzentrum bereitstanden.

Berfinaz, Denise und ich stiegen gemeinsam mit Herr und Frau M in einen weißen kastigen Toyota. Nach und nach winkten wir einzelnen Autos zu, die an unversehens auftauchenden Häusern hielten und uns mit Lichthupen in die Nacht verabschiedeten. Wir hingegen fuhren immer weiter den Berg hinauf, an sich windenden Schneemauern vorbei und immer weiter in die Dunkelheit hinein. Mir fiel es derweil immer schwerer die Augen offen zu halten, da machte Herr M unversehens einen Schlenker nach links und brachte den Wagen zum Halten. Wir schienen irgendwo im Nirgendwo angekommen zu sein, deshalb stiegen wir aus und standen nun inmitten der Dunkelheit und Kälte.   Weiterlesen

Unterricht zu sechst? Ein Besuch an den Schulen von Hikimi

 

Wir setzen heute unsere Serie über die Exkursion nach Shimane fort, die MA-Studierende in den letzten Semesterferien zusammen mit Prof. Shingo Shimada unternommen haben. Denise Schieberl berichtet über Besuche an zwei Schulen, die den demographischen Wandel für die Teilnehmer/innen deutlich greifbar gemacht haben. 

Im Rahmen unserer Shimane-Exkursion besuchten wir am zweiten Tag die Grundschule sowie die Mittelschule von Hikimi und erhielten so interessante Einblicke in den Alltag der Schülerinnen und Schüler, der sichtlich von den Konsequenzen des Bevölkerungsschwundes in der Region beeinflusst ist – denn Hikimi gilt als ein Ort in Japan, für den der Begriff kaso (zu deutsch: Entvölkerung) besonders charakteristisch ist.

Zuerst fuhren wir zur Grundschule von Hikimi und wurden dort vom Direktor herzlich begrüßt. In einer kurzen Einführung erfuhren wir erste spannende Dinge über die Besonderheiten der Institution, in welcher aktuell insgesamt nur 22 Schülerinnen und Schüler aus eigentlich sechs Jahrgangsstufen unterrichtet werden – eigentlich. Denn an der Schule gibt es mittlerweile so wenige Schülerinnen und Schüler, dass Klassen zusammengefasst werden mussten. So werden jeweils Erst- und Zweitklässler, Dritt- und Viertklässler, sowie Fünft- und Sechstklässler gemeinsam unterrichtet – und statt der wie für japanische Grundschulen sonst üblichen sechs Klassen gibt es in Hikimi eben nur noch drei. Andernfalls säßen in der zweiten Klasse beispielsweise nur zwei Schüler; zusammengefasst mit den Schülern der ersten Klasse sind sie aber immerhin zu sechst.  Weiterlesen

Das Ekô-Haus Düsseldorf – Zentrum buddhistischer Rituale

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Blick aus der Priesterwohnung am Ekô-Haus

Von Lisa-Marie Schönefeld und Viktorija Wirt

2012 gehörten laut offizieller Statistik ca. 85 Millionen Japaner/innen dem Buddhismus an. Damit ist er eine der am weitesten verbreiteten Religionen in Japan und hat großen Einfluss auf den Alltag der japanischen Bevölkerung. Um herauszufinden, wie er sowohl zu Hause als auch in einem buddhistischen Tempel praktiziert wird, sind wir am 22. Dezember im Rahmen unseres Seminars „Rituale in Japan“  ins Ekô-Haus in Düsseldorf-Niederkassel gefahren, um dort einen ausgebildeten Priester der buddhistischen Schule Jôdo Shinshû, Jan-Marc Nottelmann-Feil, zu treffen. Er führte uns durch verschiedene Räume des Ekô-Hauses, unter anderen die Wohnung eines Priesters und die Veranstaltungs- und die Haupthalle des Tempels, und gab uns dabei einen interessanten Einblick in die verschiedenen Bereiche der buddhistischen Rituale. Weiterlesen

Sutren, Tee und Diskussionskultur: Ein Wochenende mit dem Shin-Buddhismus im Ekô-Haus

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Erinnerungsfoto: Die Teilnehmer/innen des buddhistischen Seminars im Ekô-Tempel. Foto: Ekô-Haus

Buddhistische Sutren rezitieren, ausgezeichneten grünen Tee trinken und über Gut und Böse diskutieren – das Wochenende vom 1. bis 3. Dezember war für einige Teilnehmer/innen des Seminars „Rituale in Japan“ von Elisabeth Scherer mit nicht ganz alltäglichen Beschäftigungen ausgefüllt. Die Studierenden waren zu Gast beim Seminar der Ekô-Gemeinschaft der europäischen Shin-Buddhisten im Düsseldorfer Ekô-Haus, in dessen Rahmen auch das sogenannte Hôonkô-Fest begangen wurde. Dieses Fest wird zu Ehren von Shinran, dem Gründer der buddhistischen Jôdo Shinshû, gefeiert und gilt als das wichtigste Ereignis des Jahres in dieser Schule. In diesem Beitrag schildern einige die dort waren ihre Eindrücke, und Katharina Gröner und Charlotte Henschel berichten weiter unten ausführlich von dem Ritual, das im Zentrum des Wochenendes stand.

Eine (für manche) schlechte Nachricht vorab: Eine Erleuchtung in diesem Leben ist nicht zu erwarten. Die Erlösung tritt nach Shin-buddhistischer Lehre erst nach dem Tod ein, wenn man auf die Hilfe durch Amida Buddha vertraut. Auch Prof. Arai Toshikazu (auf dem Foto oben in der ersten Reihe im grauen Gewand), der das Seminar der Shin-Buddhisten leitete, sieht sich selbst weiterhin als bombu, als gewöhnlichen Menschen mit allen damit verbundenen Leiden und Fehlern. Arai war eigens aus Japan angereist, um mit den Teilnehmer/innen über Gut und Böse im Shin-Buddhistmus zu reflektieren. Die Lehren der Jôdo Shinshû verdeutlichte er mit Geschichten, die von dem indischen König Ajatashatru bis zu Gefangenen in japanischen Todeszellen reichten. Die Atmosphäre im Seminar lässt sich am besten mit den Worten der Teilnehmer/innen beschreiben: Weiterlesen

Erlebnisbericht: Im Rampenlicht bei Nippon Connection


Anfang des Semesters haben einige unserer Studierenden (wie bereits berichtet) sehr fleißig an den Untertiteln für einen 30-minütigen japanischen Film gearbeitet. Ende Mai wurde dieser Film beim Filmfestival Nippon Connection gezeigt, und drei Studentinnen waren für unser Institut in Frankfurt, um das Werk dort vorzustellen. Caroline Fest, Jana Klacanska und Nadine Schmidt berichten nun hier von ihren Erlebnissen beim Filmfestival. Für alle, die neugierig auf den Film und die Arbeit der Studierenden geworden sind, gibt es am 15. Juli eine tolle Gelegenheit: Um 17 Uhr wird der Film bei unserem Instiuts-Event mit Berufsinfotag und Preisverleihung für die besten BA- und MA-Abschlüsse gezeigt. Nun aber zum Bericht: 

Vom 23.05. bis 28.05. fand in Frankfurt am Main die 17. Nippon Connection statt. Dieses Mal leistete unser Institut in Kooperation mit der Japan Visualmedia Translation Academy (JVTA) im Rahmen eines Untertitel-Workshops einen Beitrag zu dem Filmfestival, das sich von der Idee einiger Filmwissenschaftsstudenten zu einer der größten Plattformen für aktuelle japanische Filme entwickelt hat. In Gruppen erstellten Studierende englische Untertitel für den Kurzfilm 自販機の光にふらふら歩み寄りごめんなさいってつぶやいていた (Murmuring Breathless Apologies in the Light of Vending Machines) von Sugita Kyôshi, der am Donnerstag, 25. Mai, als Vorfilm von Innocent 15 gezeigt wurde. Vor Ort waren drei Teilnehmerinnen des Workshops, die im Folgenden ihre Erfahrungen teilen werden.

Caro:
Gleich vorweg war es eine schöne Erfahrung, zwei Tage auf der Nippon-Connection in Frankfurt zu sein. Ich war zum ersten Mal dort und hatte mich im Vorfeld über die Lage der Veranstaltungsgebäude auf der Homepage informiert. Da sowohl die Filmvorführungen, als auch die Workshops zum Teil in unterschiedlichen Gebäuden stattfinden sollten, hatte ich zunächst ein wenig Bedenken, auf Anhieb den Weg zu finden. Vor Ort war es dann jedoch überhaupt kein Problem. Die Veranstaltungsorte lagen sehr nah beieinander und waren auch sehr leicht zu finden. Weniger als 5 Minuten von der U-Bahn-Haltestelle zu Fuß und schon war man im Geschehen, das auch durch die zugehörigen Plakate ausgeschildert war. Weiterlesen

„Entschuldigung, wir sind von EA und…“

Wir freuen uns über einen Gastbeitrag von Melissa Sophie Sohlich, die Master-Studentin an unserem Institut ist. Ihr Interesse für Videospiele hat sie im August auf die gamescom in Köln, die größte Messe für Unterhaltungselektronik in Europa, geführt, wo sie als Reporterin für den Spieleentwickler Electronic Arts unterwegs war. Vielen Dank an Melissa Sohlich für ihren Erfahrungsbericht!

Die gamescom 2010 aus der Sicht einer temporären Reporterin

Es lohnt sich doch tatsächlich, immer mal wieder über den Rand der Cup-Nudeln hinauszuschauen. Mit diesem Gedanken bewarb ich mich Anfang Juli bei einem der größten Publisher im Bereich der Unterhaltungssoftware: Electronic Arts, kurz EA. Dort suchte man Leute, die hauptsächlich für die Gamer-Community von der gamescom 2010 berichten sollten. Dies hat bei EA bereits eine ziemlich lange Tradition: Jedes Jahr werden junge Fotografen und Reporter gesucht, die direkt aus der Community kommen.

Mit der Hoffnung etwas abseits des Studium zu tun und gleichzeitig meinem großen Hobby, dem Schreiben, nachkommen zu können, bewarb ich mich also und bekam Anfang August dann den Anruf, der mich für fünf Tage zur Reporterin machen sollte. Einige meiner Freunde bezeichneten mich ab diesem Punkt nur noch als Freak und ich war mir anfangs auch recht unsicher, was mich auf einer Messe wie der gamescom erwarten würde. Im letzten Jahr war ich dort normale Besucherin und es ist wirklich nicht schwer, die Messe nach einem flüchtigen Blick als „Freak-Sammelstelle“ zu bezeichnen. Doch nun hatte ich ein Fachbesucher-Ticket, würde in der Business- Area ein und ausgehen können und fünf Tage als ernst genommene Erwachsene über die Messe laufen.

Melissa Sohlich beim Interview mit James und Oliver Phelp

Kaum hatte ich die Business Lounge von EA in Halle 5 am 18.08. dann endlich gefunden, ging es auch gleich mit Vollgas in meine Feuertaufe: Um 10 Uhr durfte ich James und Oliver Phelp interviewen. Harry Potter-Fans kennen sie vielleicht als die Brüder von Ron Weasley. Zeit, um aufgeregt zu sein, blieb nicht und nachdem ich den Rest vom Team kennen gelernt hatte, ging es bereits in den kleinen Interviewbereich und ich stellte querbeet alle möglichen Fragen. Nach rund zehn Minuten war der Spuk dann auch schon vorbei und ich hatte mein erstes, selbst geführtes Interview hinter mich gebracht.

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Trip to Japan

(Ein Beitrag von Christoph Winnefeld)

Freunde der klassischen Musik werden wohl der Überschrift dieses (Reise-)Berichts eine Anlehnung an eine Dokumentation der Berliner Philharmoniker, deren „Trip to Asia“, entlesen. Wie es Sir Simon Rattle darin eingangs formuliert, ist es die Suche nach dem Einklang, die das Orchester treibt – namhaft in die Ferne –, um sich schließlich selbst zu finden. Es ließe sich demnach an dieser Stelle gleichsam beschreiben, wie ich meiner selbst, in der Ferne, habhaft wurde, doch das ist eine Geschichte, die Sie nicht zu lesen und ich nicht zu schreiben gewillt bin.

Erlauben Sie mir stattdessen, Sie, in medias res, zum Moment der Abnabelung, der Bewusstwerdung, zu führen, als ich mich mit kleinem Gepäck und großen Erwartungen am Gate eines Flughafens wiederfand. Eben wie Japan, während der vorausgegangenen Jahre meines japanologischen Studiums, eine Idee oder besser ein Konstrukt aus gesammeltem Wissen gewesen war, so war es auch der Gedanke, in Japan zu leben, zu studieren, den ich zu begreifen hatte. Und tatsächlich war es eine taktile Erfahrung, nach der ich mich sehnte. Gelebte Kultur vollzieht sich meist unartikuliert, wie nach einem Skript, das wir alle kennen. Es stellt sich uns schlicht nicht die Frage, wie, das heißt nach welchem Prozedere, wir morgens dem Bäcker die Brötchen entringen können. Sobald es jedoch heißt, Kultur zu repräsentieren oder beispielsweise einem “Fremden” zugänglich zu machen, wird diese wort- und prestigeträchtig.

Einmal angekommen, musste ich feststellen, dass sich mir die “Kultur Japans” im Handumdrehen zu artikulieren begann: J-Pac (Japan Programm at Chiba). Die Universität Chiba bietet dem internationalen Studenten die Möglichkeit, sich, durch eine Auswahl an englischsprachigen Kursen, Zugang zur japanischen Kultur zu verschaffen. Neben Einführungen in Architektur und cuisine, bieten sich für praxisorientierte Studenten gleichwohl Einblicke in Japans wirtschaftliche Rolle innerhalb globaler Märkte, doch Berührungen mit japanischen Studenten bleiben rar. Der Komfort des Austauschprogramms ist verführerisch, notwendige credit points lassen sich dort, wo sich eine helfende und im Umgang mit internationalen Studenten geschulte Hand stets in greifbarer Nähe befindet, sammeln und somit unsichere Gewässer umschiffen. Dementsprechend fühlt sich dagegen meine erste Vorlesung auf Japanisch tatsächlich nach kaltem Wasser an. Jedes unsanfte Erwachen durch einen kalten Guss, den ich während meiner Zeit an der Universität Chiba erleben musste, war wohl zweifellos durch sprachliche Inkompetenzen meinerseits begründet. Es waren jedoch beispielsweise Schlummerstunden in jenen Hörsälen, wie sie sonst nur japanische Studenten erleben dürfen, die mir Berührungspunkte waren, und liebe Erinnerungen sind. Der Komfort der Universität, den man als internationaler Austauschstudent erleben darf, so muss ich an dieser Stelle bemerken, begründet sich jedoch auf dem unermüdlichen Engagement vieler großartiger Persönlichkeiten.

Raten will ich Ihnen nun, sollten Sie sich mit dem Gedanken tragen, Japan für sich begreifbar zu machen, zur Unbehaglichkeit – wenn man so will zur Abwegigkeit. Der Winter führt mich in die Berge, die ich auf schmalen Landstraßen und proportional schmalen Sitzplätzen ländlicher Reisebusse passiere, und schließlich ist es an einem Busbahnhof, bzw. bei einem Kaffee – den ich zunächst per Ticket (shokken) lösen musste – das ich eine Realität der Reise bemerke: irgendwo unterwegs, ging nun auch mir das Skript verloren. Egal wie sehr ich versuche, dieses ersehnte taktile Rendezvous mit Fingerspitzengefühl zu versehen, muss ich doch feststellen, dass sich jeder Zusammenstoß wie ein Gewahrwerden der eigenen Unbeholfenheit anfühlt. Ich habe das Gefühl, meine Identität, und somit die Zugänglich- bzw. Unzugänglichkeit zu japanischem Leben, auf der Haut zu tragen. Ich werde gelesen, denke ich, als der Andere. Meine Sehnsucht hatte sich, ohne dass ich es bemerkt hätte, artikuliert, hatte sich zu einem Verstehen-wollen ausgewachsen, fußte wohl auf jenen großen Erwartungen, die ich im Gepäck hatte, und nahm mir nun die Sicht.

Tiefer in den Bergen, wahrscheinlich auf der Suche nach einem Perspektivenwechsel, finde ich ein altes ryokan. Die Füße, die gerade noch durch frisch gefallenen Schnee gestoben waren, tauchen nun in heißes Wasser, treffen schließlich rauen Stein und ruhen. Gegen den Nachthimmel zeichnen sich Silhouetten schwarzer, schattenhafter Bäume, formen einen Wald. Habe ich mich nun selbst gefunden, oder eben nur das wonach ich gesucht habe? Langsam durchdringen Schneeflocken die, aus dem heißen Wasser aufsteigenden, Dampfsäulen, bevor sie hörbar mit der Wasseroberfläche verschmelzen und ich bin sicher, auf Japanisch gibt es eine Lautmalerei für diesen einen Klang.

MUJI–Erfahrungen am 28.06.2010

Das Allzweck-Kaufhaus MUJI (mujirushiryôhin, etwa: Produkte ohne Marke in guter Qualität) ist nicht nur in Japan eine feste Größe, sondern hat sich auch in Deutschland – und hier natürlich zuerst in Düsseldorf 😉 – etabliert.

Unsere Absolventin Anna Hesse hat den Sprung zu MUJI vollzogen und berichtet auf dem nächsten Berufsinformationsabend von ihren Erfahrungen als Administratorin. Am 28.06. ab 18 Uhr c.t. im bekannten Raum 23.02.02.81 gibt sie Einblicke in den Arbeitsalltag und beantwortet Eure Fragen!

Impressionen aus Ôsaka: Das Danjiri-Matsuri

Horie-San ist ja bekannt für sportliche Höchstleistungen und daher verwundert es wenig, wenn er heute vom だんじり (まつ)り berichtet – und sich unter den umstürzenden Festwagen gerade noch retten konnte!

©Modernes Japan

©Modernes Japan

学期 (がっき) (はじ)まってしまうとなかなか (いそが)しくなってしまって、毎週のようにブログをかけなくて (もう) (わけ)ありません。

今週の (ぼく)記事 (きじ)は、 (じつ)は10月に書こうと (おも)っていたものです。9月20日に大阪 (おおさか)へ行ったとき、ついでに最近 (さいきん)テレビなどで有名になった「だんじり (まつ)り」を見に行きました。

9月20日、日曜日 (にちようび)。朝早くおきて大阪 (おおさか)から電車 (でんしゃ)で40分ぐらいのところにある「岸和田 (きしわだ)」という (まち)へ行きました。「だんじり」といわれる山車 (だし) (まち)の中をカーブを (はや)速度 (そくど) (はし)っていくお (まつ)りを見るためです。岸和田市のホームページにもだんじりについて書かれています。

農業 (のうぎょう)収穫 (しゅうかく) (いの)るためのお (まつ)りとして、江戸時代 (えどじだい) (なか)ば(1706年)に (はじ)まったお (まつ)りだそうです。デュッセルドルフだったら、Benrath, Bilk, Wersten….というように、この岸和田市 (きしわだし)の中の地区 (ちず)を作ってだんじりをします。

駅を ()りると、もう地区 (ちず)ごとに人々 (ひとびと)がみんなで半被 (はっぴ) ()てご (はん)を食べたり、しゃべったりしていました。

©Modernes Japan

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9時ごろになると、「だんじり (まわ)し」が (はじ)まりました。 (せま)道路 (どうろ)のカーブの (あぶ)ないところで (ぼく)は見ていましたが、とても (あぶ)なかったです。信号 (しんごう) ()がってしまったり、 (いえ) (かべ) (こわ)れてしまったのもみました。一つのだんじりを数百人 (すうひゃくにん)の人で ()くのですが、 (わか)い男の人たちだけでなく、女性 (じょせい)子供達 (こどもたち)参加 (さんか)していました。すごいと (おも)ったのは、だんじりの上で (おど)っている男の人です。 (みな)さん ()ちなければいいんですが、、、。

(まち)の人の会話 (かいわ) (みみ)に入ってきます。「、、、地区 (ちず)のだんじりは下手だ、あぶないから ()をつけろ! とか、ここの地区 (ちず)ははやっぱりうまいあ!」、、、。

つぎの2つの写真はだんじりでこわれてしまった家の (かべ) (はしら)です。

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この一週間後 (いっしゅうかん)千葉 (ちば )実家 (じっか) (かえ)った時、 (おっと)結婚式 (けっこんしき)がありました。その (あと) (はなし)で、 (おく)さんが千葉県佐原市 (ちばけんさわらし)という、 (まつ)りで有名なところの出身 (しゅっしん)だということがわかりました。彼女 (かのじょ)のお (にい)さんや、親戚 (しんせき)のおじさんとずっとお (まつ)りの (はなし)になりました。

「ああ、 (まつ)りがないと ()きているっていう (かん)じがしないね。」

(ぼく)最初 (さいきん)、みんなの言うことがよくわかりませんでした。

(まつ)りが (さか)んな (まち)男性 (だんせい)は、高校生 (こうこうせい)ぐらいになると、年齢 (ねんれい)などによって「青年団 (せいねんだん)」「若者頭 (わかものがしら)」「団長 (だんちょう)」などのグループに入ったり、役職 (やくしょく)につくそうです。そうして、お (さけ) (つよ)くなっていったり、 (まつ)りで女性 (じょせい) () ()ったり、 (<rtまち)で有名になったり、 (まわ)りからの信頼 (しんらい) ()たりしていくそうです。

ですから、 (まち)結束 (けっそく) (つよ)いので、 (へん)事件 (じけん) ()こすような若者 (わかもの)はほとんどいないそうです。

「一年がお (まつ)りを中心 (ちゅうしん)に動いている」そうです。ですので、 (おく)さんも「かっこいい男の人」が好きな人のタイプだそうです( (ぼく) (おとうと)はどうか ()りませんが)。

岸和田 (きしわだ)のだんじり (まつ)りもきっと (おな)じように運営 (うんえい)されているのでしょう。ぼくは、お (まつ)りを見ているとき、参加 (さんか)している人がすごくうらやましかったです。日本らしいものを見たような ()がしました。

単語リスト

山車 (だし) geschmückter Festwagen
収穫 (しゅうかく) Ernte
半被 (はっぴ) traditionelle Arbeitsjacke
佐原市 (さわらし) Stadt Sawara, in der Nähe des Flughafen Narita
(さか)ん lebhaft, belebt
青年団 (せいねんだん) Jugendorganisation
若者頭 (わかものがしら) Anführer der Jugendgruppe
役職 (やくしょく) Verwaltungsposten
信頼 (しんらい) ()る Vertrauen gewinnen
結束 (けっそく) Zusammenhalt
運営 (うんえい) Leitung, Verwaltung