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Unsere Untertitel bei Nippon Connection Online!

„The Wandering Plants“

Nächste Woche ist es soweit: Am Dienstag, 9. Juni, startet das Filmfestival Nippon Connection – diesmal wegen der Corona-Pandemie in einer online-Ausgabe. Das ist schade, da wir auf leckeres Essen, phantastische Workshops vor Ort und die Begegnungen mit Regisseur/innen verzichten müssen. Zugleich ist es aber auch eine einmalige Chance: Von zuhause können wir ganz gemütlich eine große Auswahl an brandneuen japanischen Filmen schauen, und müssen nicht bangen, ob wir noch ein Ticket bekommen!

Mit dabei ist dieses Jahr auch wieder ein Film, den unsere Studierenden untertitelt haben. Seit Beginn des Semesters hat eine tapfere Gruppe unter Anleitung unserer Partner von der Japan Visualmedia Translation Academy (JVTA) an der Übersetzung gearbeitet. Wie schon 2017 und 2018 waren wir Teil des Global Universities Subtitling Project, das von JVTA in Zusammenarbeit mit Nippon Connection organisiert wird. Wir freuen uns besonders, dass wir diesmal einen Film einer weiblichen Regisseurin präsentieren dürfen: „The Wandering Plants“ (散歩する植物, 2019) von Yurina KANEKO (Hier im Programm zu finden). Nippon Connection geht diesmal mit dem Schwerpunkt FEMALE FUTURES? der Frage nach, wie die Rolle der Frauen im Kino der Gegenwart die Frauenbilder der Zukunft prägt.

Der Film: The Wandering Plants (Text: Pia Film Festival)

Soko, who wants to be a plant, has met Ko in a botanical garden. Gradually Ko started growing his root… their curious friendship becomes something more than the human relationship which is based on language.
Director’s profile: Born in 1995, Tokyo. Entering Ritsumeikan University, she joined in the film club and started film making. She participated as one of the directors of the omnibus movie, “21st Century Girl” presented in festivals in the world.

Update zum Seminarangebot: Filmuntertitelung

Es gibt Neuigkeiten zu unserem Untertitelungs-Seminar! Da das Seminar sowieso über Video angeboten wird, kann es wie geplant stattfinden. Die Studierenden treffen sich nur nicht vor Ort an der Uni, sondern wählen sich von zuhause ein. Alle, die sich für das Seminar angemeldet haben, erhalten hierzu noch weitere Informationen. Wir stocken auch die Plätze für das Seminar noch ein wenig auf – Sie können also noch kurzfristig einsteigen! Bitte melden Sie sich bei Interesse schnellstmöglich im LSF an. Alle Infos zum Seminar finden Sie unten im Beitrag. Ob und wann das Filmfestival Nippon Connection dieses Jahr stattfinden kann ist derzeit noch unklar.

Im Sommersemester haben wir wieder ein ganz besonderes Angebot: Mit unseren Partnern von der Japan Visualmedia Translation Academy (JVTA) untertiteln wir in einem Blockseminar einen japanischen Kurzfilm! Die englischen Untertitel werden wir dann beim japanischen Filmfestival Nippon Connection in Frankfurt präsentieren. Um welchen Film es sich handelt, wird noch nicht verraten – nur so viel, dass es sich diesmal um das Werk einer RegisseurIN handelt, womit das Filmfestival die Arbeit weiblicher Filmschaffender besonders hervorheben und fördern möchte.

JVTA unterstützt uns professionell bei der Übersetzung selbst und bei der technischen Umsetzung. Damit der Film bis zum Festival fertig wird, muss in den ersten Wochen des Semesters fleißig an dem Film gearbeitet werden. Bedingung für den Erhalt des BN ist daher auch, dass Sie an vier der fünf online-Blocksitzungen teilnehmen und jede Woche Ihren Teil übersetzen.

Noch sind einige Plätze in dem Seminar frei (Anmeldung über LSF). Es können nur Personen mit fortgeschrittenen japanischen Sprachkenntnissen teilnehmen. Melden Sie sich bitte nur an, falls Sie mit den genannten Bedingungen einverstanden sind und an folgenden Terminen Zeit haben (jeweils Montag von ca. 9.30–12 Uhr): 6. April, 20. April, 27. April, 18. Mai, 25. Mai

Das Seminar kann für BA und MA im Wahlpflichtbereich angerechnet werden, oder im BA auch im Modul Sprache und Praxis. Falls Sie das Seminar für das Modul Sprache und Praxis anrechnen lassen wollen erhalten Sie eine Zusatzaufgabe.

Das Seminar findet anders als zunächst geplant wegen der Corona-Pandemie nur online statt. Es können sich noch leichte Änderungen bei den Terminen und Uhrzeiten ergeben. Angemeldete Studierende erhalten vor dem Start auf jeden Fall noch einmal Informationen per Mail.

Praktikum beim Filmfestival Nippon Connection

NC_Logo_Pink_01_RGB KopieDas Filmfestival Nippon Connection sucht Praktikant/innen für die Gästekoordination. Eine tolle Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen des japanischen Filmfestes zu schauen! Das Praktikum geht vom 14. April bis zum 26. Juni, der Standort ist Frankfurt. Zu den Aufgaben gehören:

• Planung und Koordination von Reiseabläufen der Gäste
• Koordination der Gästebetreuer während des Festivals
• Akquirierung und Betreuung von Privatunterkünften
• Koordination der Hotelunterkünfte für Festivalgäste
• Zusammenstellung von Informationsmaterial für Festivalgäste
• Allgemeine administrative Tätigkeiten im Rahmen des Büro-Tagesgeschäfts.

Alle weiteren Informationen gibt es hier.

 

 

Filmfestival Nippon Connection

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Kino pur – vom 16. bis zum 29. Mai werden auf der „Nippon Connection“ in Frankfurt wieder rund 100 Filme gezeigt.

Zum 5. Jahrestag der Katastrophe vom 11.3.2011 gibt es sowohl Spielfilme als auch Dokumentationen rund um Fukushima zu sehen. Einen weiteren Schwerpunkt des Festivals bilden Animes unterschiedlicher Genres und Studios. In der Reihe „Nippon Retro“ stehen dieses Jahr Geister und yōkai im Mittelpunkt. Zur Einfühung hält Elisabeth Scherer einen Vortrag, am Freitag, den 27. Mai um 16 Uhr: „Haunting Female Otherness: Ghost Narratives in Japanese Cinema“.

Auf der Nippon Connection werden auch wieder verschiedene Gäste begrüst, z.B.  die Regisseure Yukisada Isao und Imaizumi Rikiya. Zudem sind die beiden Hauptdarsteller der Serie Hibana anwesend, von der 10 Folgen als Weltpremiere gezeigt werden. Den Nippon Honor Award nimmt dieses Jahr der Horrorfilm-Regisseur Kurosawa Kiyoshi persönlich entgegen.

Nicht nur Filme, auch Live-Musik ist am 27. und 28. Mai ab 22 Uhr geboten. Damit das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt gibt es am 26. Mai  ein Filmdinner mit einem Bentō und Sake zum Film The Birth of Sake.

Neben zahlreichen weiteren Filmen gibt es mehrere Preisverleihungen für den Publikumsliebling. Außerdem werden viele verschiedene Workshops angeboten.

Das gesamte Programm gibt es hier zu finden.

Anfang Juni: Volles Programm in Frankfurt!

NC15_postcard_web_jpAnfang Juni ist in Frankfurt so einiges geboten – vor allem an Film Interessierte kommen auf ihre Kosten!

Die Veranstaltung „Schrift & Film und Film & Schrift“ widmet sich unter anderem dem großen japanischen Regisseur Ozu Yasujirô. Am 1. Juni 2015 gibt es verschiedene Vorträge zum Kino an der Uni Frankfurt, Campus Westend. Abends wird Ozus Film Sanma no aji (An Autumn Afternoon) im Pupille-Kino gezeigt. Am 2. Juni wird die Veranstaltung fortgesetzt mit Performance und Workshop im Klingspor-Museum in Offenbach. Das gesamte Programm ist hier zu finden.

Vom 2. bis 7. Juni bietet in Frankfurt das japanische Filmfestival „Nippon Connection“ wieder einen umfangreichen Einblick in das japanische Gegenwartskino. Rund 100 neue Produktionen aus allen Genres werden zu sehen sein, u.a. neue Filme von Miike Takashi und SABU sowie Psycho-Pass: The Movie. Darüber hinaus gibt es ein abwechslungsreiches Kulturprogramm, japanisches Essen und der berühmte Schauspieler Asano Tadanobu ist zu Gast. Das Programm gibt es hier.

Zeitgleich mit Nippon Connection findet Freitag und Samstag, 5. und 6. Juni 2015, auch die Kinema Club Konferenz an der Uni Frankfurt statt, ein Treffen international rennomierter Filmwissenschaftler mit spannenden Vorträgen. Das Thema ist: „Film and Moving Images from Japan NOW – Film in the New Media Ecology“. Alle weiteren Informationen dazu finden Sie hier.

japoZudem bietet das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt am Samstag, 6. Juni, ein Symposium zum Thema „160 Jahre Japonismus“, bei dem spannende Vorträge zu Themen wie japanischer Farbholzschnitt, Japonismus in der Typographie und Murakami Takashi auf dem Programm stehen. Hierfür ist eine Anmeldung notwendig, die Informationen gibt es hier.

Antiatom Uranium Filmfestival

Der Sayonara- Genpatsu Düsseldorf e.V. lädt zum Antiatom Uranium Filmfestival im Bambi Filmkunstkino ein.

Gezeigt wird eine Auswahl preisgekrönter Filme, die die Atomkatastrophen thematisieren:
„Die Frauen aus Fukushima“
„Abita, Die Kinder von Fukushima“
„Das Schönauer Gefühl“
„Eine Friedensbotschaft aus Nagasaki“ Weiterlesen

Ein Fukushima-Film von Iwai Shunji: „Friends after 3.11“

„Friends after 3.11“ von dem bekannten Independent-Regisseur Iwai Shunji ist eigentlich kein Film für die große Leinwand. Hauptsächlich zeigt er „talking heads“, das heißt Menschen die Fragen stellen – in diesem Fall sind das der Regisseur selbst und die Schauspielerin Matsuda Miyuki – und Menschen, die darauf antworten. Weil sich „Friends after 3.11“ aber mit der Katastrophe in Japan beschäftigt und der Film damit eine große Aktualität und Brisanz besitzt, hat es die Dokumentation dennoch auf die Berlinale geschafft. In Japan wurde der Film in einer anderen Version im Fernsehen gezeigt, ab 10. März lauft er auch im Kino.

Es ist ein sehr breites Themenspektrum, das Iwai Shunji mit den Interviews anspricht, die er gemeinsam mit Matsuda Miyuki geführt hat, denn die Gesprächspartner könnten diverser nicht sein: Ein Teenie-Star in Schuluniform, der gegen Atomkraft protestiert, Professoren, den Vorsitzenen einer NGO, die sich gegen Selbstmord einsetzt, der Schauspieler Yamamoto Tarô, Journalisten und Regisseure. Viele sind enge Freunde des Regisseurs, der Film war Iwai ein großes Anliegen. Trotz dieser Vielfalt und Motivation bleibt der Ertrag jedoch leider oft dünn und bewegt sich im Bereich von Allgemeinplätzen.

Mitfühlen kann man immerhin mit Kitagawa Eriko, einer Drehbuchautorin, die ihre Sorgen als Mutter äußert und schildert, wie sie sich seit Fukushima fühlt, wenn sie Essen geht: „Ich überlege dann, wo die Zutaten wohl herkommen mögen. Wenn ich aber den ersten Bissen nehme, dann schmeckt es einfach nur lecker.“ Genau diese Unsichtbarkeit der Gefahr, die von der atomaren Verseuchung ausgeht, ist immer wieder Thema der Gespräche. Alles sieht so normal aus.

Skurril wirkt der Auftritt von Professor Takeda Kunihiko, der dazu aufruft, mehr CO2 auszustoßen und eine baldige Eiszeit ankündigt. Immerhin spricht er, der bei Asahi Kasei für Forschung zur Urananreicherung zuständig war, sich mittlerweile klar gegen Atomkraft aus.  Ein anderer Professor, Koide Hiroaki (Universität Kyôto), entschuldigt sich, dass er nichts gegen die Katastrophe tun konnte. Seit langem forscht er im Bereich Nuklearenergie und ist mit wachsender Erkenntnis zu einem entschiedenen Gegner der Technik geworden. Viele verstünden den Ernst der Lage nicht: „Die Situation jetzt gerade ist schlimmer als Krieg“, ist sein Fazit zu Fukushima.

Einige aufschlussreiche Momente also hat der Film, was ihm aber im Vergleich zu dem bewegenden Dokument „Nuclear Nation“ weitgehend fehlt ist Unmittelbarkeit und Emotionalität. Auch wenn einige Aufnahmen aus dem Katastrophengebiet eingestreut sind, es ist doch hauptsächlich ein „Sprechen über“ und kein „Zeigen“, das in „Friends after 3.11“ geschieht. So beklagt die Regisseurin Kamanaka Hitomi, dass umliegende Gemeinden in der Vergangenheit von den Fukushima-Reaktoren profitierten und die Menschen dafür die Schönheit ihrer Dörfer opferten – und blendet dabei die Hintergründe ebenso aus wie die Tatsache, dass die Reaktoren vor allem für Tokyo und andere große Städte (und damit für alle) gebaut wurden.

Als emotionaler Höhe- und Schlusspunkt mit Musikuntermalung muss schließlich herhalten, wie Fujinami Kokoro, das Teenie-Sternchen, beim Besuch in den vom Tsunami zerstörten Gebieten in Tränen ausbricht. Iwai Shunji wollte in seinem Film viel zusammenbringen; es wäre wohl besser gewesen, sich zu beschränken.

Als Film mag „Friends after 3.11“ mehr oder weniger gescheitert sein, als Projekt hat Iwai Shunjis Engagement aber jetzt schon einen großen Erfolg zu verzeichnen. „Friends after 3.11“ zeigt, dass es in Japan viele Intellektuelle, Stars und auch Sternchen gibt, die sich sehr kritisch äußern und ihre Bekanntheit nutzen, um auf Ihr Anliegen – einen anderen Umgang mit der Katastrophe und den Ausstieg aus der Atomkraft – aufmerksam zu machen.

Teile von „Friends after 3.11“ können auf der Webseite von Shunji Iwai angesehen werden. Gemeinsam mit Matsuda Miyuki und anderen veranstaltet Iwai die sogenannten ロックの会, die dem Austausch zu Katastrophe und Kernenergie dienen. Informationen dazu gibt es auf einer Webseite und bei facebook.

Gesprächsrunde zur japanischen Filmwoche

Im Rahmen der 6. japanischen Filmwoche vom 3. bis 13. Februar im Filmmuseum Düsseldorf findet am Freitag, den 10. Februar eine Gesprächsrunde mit Studierenden des Faches Modernes Japan zum Thema „Anime – alles nur Spiel? Die Faszination der Zeichentrickfilme aus Japan“ statt. Diese Gesprächsrunde wird in Kooperation mit dem Institut für Modernes Japan der Heinrich Heine Universität Düsseldorf veranstaltet und soll die Beliebtheit von japanischen Zeichentrickfilmen, insbesondere bei jungen Menschen, beleuchten. Moderiert wird die Gesprächsrunde von Prof. Dr. Michiko Mae.

Vor der Gesprächsrunde wird um 17 Uhr der Film Kakurenbo: Hide and Seek vorgeführt und in Anschluss an die Diskussion wird um 20 Uhr Nausicaä aus dem Tal der Winde gezeigt. Weiterlesen

Berlinale-Nachlese: Kazoku X („Household X“)

Kazoku X ist einer der Filme, die den ungeübten Berlinale-Zuschauer auf die Geduldsprobe stellen: Man sieht, wie eine Frau die Wohnung sauber macht, die Platzsets auf dem Tisch akkurat ausrichtet, sich ein Glas Wasser einschenkt. Ein Mann im Anzug sitzt spät abends im Café und studiert Computer-Bücher. Ein junger Mann arbeitet nachts auf einer Baustelle und muss sich sagen lassen, dass er die Kehrbewegungen falsch ausführt. Die Kamera lässt sich sehr viel Zeit, eine dreiköpfige japanische Familie bei ihren täglichen Verrichtungen zu beobachen. Es gibt kaum Dialoge und keine Musik, die das alltägliche Nebeneinander der drei Menschen untermalen würde.


Wie Kurosawa Kiyoshis Tokyo Sonata (2008) ist Kazoku X ein Film, der sehr deutlich zeigt, welche Auswirkungen mangelnde Kommunikation auf das Leben in einer Familie haben kann. Während sich in Tokyo Sonata die Familienmitglieder aber zumindest noch zum Essen an einen Tisch setzen, um sich anzuschweigen, kommt es in Kazoku X nicht ein einziges Mal dazu, dass Vater, Mutter und Sohn zusammen essen. Der Esstisch – eigentlich das Zentrum des Familienlebens – wird nur noch von der Mutter genutzt, die als Gesellschaft lediglich den Fernseher hat. Ihrem Mann und ihrem Sohn bietet sie immer wieder etwas zu Essen an, das heißt im übertragenen Sinne ihre mütterliche Zuneigung. Die beiden sind jedoch in ihren eigenen Problemen gefangen und lehnen diese Fürsorge ab.

In Ihrem Ringen um Aufmerksamkeit durchbricht die Mutter schließlich die tägliche Routine. Im Supermarkt kauft sie, die sonst eine Wissenschaft aus dem Kochen gemacht hat, sich große Mengen Fertiggerichte – und schaut sich beim Einladen der Waren in ihren Einkaufskorb wie eine Verbrecherin um. Die Platzsets liegen nicht mehr im rechten Winkel auf dem Esstisch, die Blumen vertrocknen … die Veränderungen deuten sich subtil an.

Autogramm des Regisseurs Yoshida Kôki

In einer wunderschönen Plansequenz zeigt der Regisseur Yoshida Kôki, wie die Mutter mit prallgefüllten Supermarkttüten durch ihre Wohnsiedlung mit den elend gleichen Häusern läuft. Die Menschen auf der Straße sind laut, fröhlich, beschäftigt. Die Mutter aber läuft, als gehe sie das alles nicht an, sie geht am Leben vorbei und das Leben an ihr.

Kazoku X wirkt wie eine bitterböse Obduktion des klassischen Mittelschichts-Familienmodells. Das Elend eines Salaryman-Lebens wird ebenso deutlich gezeigt wie die Abgründe, die eine Hausfrau erwarten können. Durch den Sohn kommen auch noch die Probleme von jungen Menschen ins Spiel, die sich in prekären Arbeitsverhältnissen befinden und keine Zukunftsperspektiven sehen. Der 30-jährige Regisseur erklärte allerdings bei der Berlinale, dass sein Hauptanliegen weniger Gesellschaftskritik gewesen sei als das Verarbeiten persönlicher Ängste. Er selbst werde vielleicht bald eine Familie gründen und habe Angst, dass es ihm so gehen könnte wie der „Familie X“ in seinem Film: „Das X könnte auch für Yoshida stehen, was Sie gesehen haben könnte einmal meine eigene Gegenwart werden.“

Yoshida sieht die Mutter in seinem Film auch als Sklavin des sogenannten sekentei 世間体, des äußeren Scheines, der gegenüber dem Umfeld, der Nachbarschaft, gewahrt werden muss. So achtet sie peinlichst genau darauf, dass ihre Mülltüten ordentlich verschlossen sind, damit die Nachbarin die Überreste der „sündigen“ Fertiggerichte nicht sehen kann. Neben der gesellschaftlichen Kontrolle quält die Mutter auch das eigene Haus, das so sehr den Konventionen entspricht. „Das Haus ist für mich ebenso ein Protagonist wie die anderen Figuren“, erklärte Yoshida.

Yoshida arbeitete für den Film mit einem Stipendium des Pia Film Festivals, das er 2008 mit seinem Film Shôrei X („Symptom X“) gewonnen hat. Es gelingt ihm in Kazoku X, die Eintönigkeit und Tristesse des Familienlebens sehr eindrucksvoll in Bilder zu bannen. Für manche Berlinale-Zuschauer wohl etwas zu lebensnah, denn nicht wenige verließen den Saal vorzeitig oder fluchten anschließend über den Film.

Hingehen!: Tokyo Film Festival

Für all die Glücklichen, die gerade in Japan weilen, gibt es Ende Oktober eine tolle Gelegenheit: Beim Tokyo International Film Festival werden von 23. bis 31. Oktober Filme frisch vom Schneidetisch vorgestellt und meist kann man dabei sogar Regisseure oder Schauspieler kennenlernen. Für fast alle Veranstaltungen kann man ganz einfach Tickets im コンビニ (Lawson) erwerben.

Der japanische Wettbewerbsbeitrag stammt in diesem Jahr von einem wahren Regie-Urgestein: Sage und schreibe 98 Jahre ist Shindô Kaneto, der für Filme wie Onibaba (1964) und Kuroneko (1968) berühmt werde, inzwischen alt – und 一枚のハガキ („Postcard“) soll nach Eigenaussage sein letzter Film sein.

Neben einer großen Auswahl aktueller japanischer Mainstream-Filme gibt es zum Beispiel auch Dokumentarfilme, die man bei uns wohl nie zu sehen bekommen wird, Werkstattgespräche mit Regisseuren („Filmmaker’s Angle“) und Werke von Nachwuchsregisseuren in Zusammenarbeit mit dem Pia Film Festival.

Berichte von Festivalbesuchern veröffentlichen wir gerne hier im Blog! Bei Interesse einfach bei Elisabeth Scherer melden.