Studierendenberichte

Praktikum beim japanischen Filmfestival Nippon Connection – Ein Bericht von Celine Perrone

Wer hätte gedacht, dass das größte japanische Filmfestival außerhalb Japans ausgerechnet in Deutschland stattfindet, in Frankfurt? Ich zumindest nicht und war sehr überrascht, als ich die Stellenausschreibung bei Nippon Connection über unseren Institutsblog gefunden habe. Da ich mich sehr für interkulturelle Events interessiere, habe ich mich auf die Praktikumsstelle beworben. Ich habe mir erhofft, einen Einblick in die Eventorganisation zu erhalten und dabei meine praktischen Fähigkeiten zu erweitern. Außerdem wollte ich durch das Praktikum erste Schritte in die Berufswelt wagen und mich persönlich vernetzen.

Nippon Connection

Seit April 2000 findet das Filmfestival Nippon Connection jährlich zwischen Mai und Juli in Frankfurt am Main statt. Während der sechs Festivaltage werden über 100 japanische Kurz- und Langfilme aus verschiedenen Genres gezeigt. Damit ist das Festival die weltweit größte Plattform für japanisches Kino. Das Programm wird durch ein großes Angebot an Kulturveranstaltungen, sowie japanische Essens- und Verkaufsstände ergänzt. Das Festival wird überwiegend von einem Team aus Ehrenamtlichen organisiert.

Bewerbungsprozess

Es waren mehrere unterschiedliche Stellen ausgeschrieben: 2 Stellen in der Festivalorganisation, 2 Stellen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 1 Stelle in der Gästekoordination und 1 Stelle in der Filmkoordination. Die Bewerbung war dabei in zwei Phasen aufgeteilt: In der ersten Phase habe ich meinen Lebenslauf zusammen mit einem Motivationsschreiben per E-Mail eingereicht und online einen Fragebogen ausgefüllt. Darin wurde u.a. nach den Sprachkenntnissen (Deutsch, Englisch, Japanisch) und nach der bisherigen Erfahrung mit ehrenamtlichen Teams gefragt. Außerdem konnte man auswählen, für welchen Bereich man sich bewerben möchte. Es war möglich, mehrere davon auszuwählen, daher habe ich mich für die Bereiche „Festivalorganisation“ und „Gästekoordination“ gleichzeitig beworben. In der zweiten Phase wurde ich dann zu einem online Bewerbungsgespräch mit der Leitung des Festivalbüros eingeladen. Die Stimmung bei dem Gespräch war entgegen meiner Befürchtungen sehr locker und ich habe mich sofort gut mit den Teamleiter*innen verstanden. Nach knapp einer Woche hatte ich dann die Zusage für die Stelle im Festivalbüro. Weil das Praktikum schon Mitte März beginnen sollte, fing ich auch direkt mit den Vorbereitungen an.

Unterkunft und Finanzierung

Die Praktika finden alle in Frankfurt am Main statt, also musste ich mich um eine Unterkunft in der Nähe kümmern. Das Festivalteam hat mir Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung angeboten, aber ich hatte Glück und wurde von Verwandten in Trebur aufgenommen. Die längere Anreise war kein großes Problem, da ich eine gute Verbindung hatte und mein Arbeitstag immer erst ab 9 Uhr anfing.

Weil Nippon Connection e.V. ein ehrenamtlicher Verein ist, kann das Praktikum nur mit einer monatlichen Aufwandsentschädigung vergütet werden. Eine Finanzierung durch einen Nebenjob ist bei den Vollzeit-Praktika eher schwierig und für Praktika im Inland gibt es leider wenig Stipendien. Das Deutschlandstipendium kann bei guten Noten eine Option sein. Ich selbst konnte das Praktikum aus eigenen Ersparnissen finanzieren.

Arbeitsalltag

In der ersten Woche wurde ich den Teams vor Ort vorgestellt und bekam eine Einführung in meine Arbeitsbereiche. Als Teil des Festivalbüros war ich für viele verschiedene Aufgaben zuständig, z.B. für die Koordination von Merchandise-Bestellungen, das Organisieren des Team-Caterings während des Festivals oder die Verteilung des Festivaltrailers an Kinos in der Region. Der Arbeitsalltag war dadurch sehr abwechslungsreich und ich konnte auch einen Einblick in die anderen Teams bekommen. Zum Beispiel habe ich die Redaktion bei der Korrektur des Programmhefts unterstützt und dabei mehr über die damit verbundenen Abläufe gelernt. Zwischendurch kamen manchmal kurzfristig neue Aufgaben hinzu und es war wichtig, die richtige Priorität zu setzen und flexibel zu bleiben. Wenn ich aber mal Fragen oder Probleme hatte, haben mir die anderen im Team gerne geholfen. Die Stimmung im Büro war allgemein sehr positiv und ich habe mich gut aufgenommen gefühlt.

Eigene Projekte

Neben den allgemeinen administrativen Aufgaben war ich auch für einige größere Projekte zuständig. Eines war die sogenannte „Versandaktion“, bei der innerhalb von einer Woche verschiedene Werbematerialien und die Einladungen für die Eröffnung und Preisverleihung an wichtige Kontakte des Festivals verteilt werden. Dazu gehörte auch die Korrespondenz mit den Kulturämtern und Institutionen in der Region.

Ein weiteres wichtiges Projekt war die Planung und Koordination der Preisverleihung. Weil viele unterschiedliche Personen und Teams daran beteiligt waren, war ich die zentrale Ansprechperson. Es war meine Aufgabe, Absprachen zu koordinieren und Informationen weiterzuleiten, damit am Ende alle genau über die Abläufe informiert waren. Das war eine Herausforderung, aber ich hatte genug Unterstützung und es war sehr erfüllend am Ende die gelungene Preisverleihung zu sehen.

Ich konnte auch meine Kreativität einbringen, zum Beispiel bei der Gestaltung der Festival-Gutscheine und bei den Dekorationen. Japanischkenntnisse sind für das Praktikum in der Festivalorganisation zwar keine Notwendigkeit, trotzdem habe ich sie bei der Recherche nach japanischen Kontakten nutzen können. Außerdem habe ich mich mit den Ausstellern während des Festivals auf Japanisch austauschen können und war Ansprechperson für japanische Gäste.

Besonders an dem Festival ist, dass die Filmschaffenden und Industrievertreter vor Ort sind und sich miteinander, sowie auch mit dem Publikum austauschen. Es gibt wissenschaftliche Vorträge und Diskussionsrunden zu japanischer Kultur und Fragerunden mit den Filmschaffenden nach den präsentierten Filmen. Die Mitarbeit bei dem Festival trägt somit auch zu dem kulturellen Austausch zwischen Japan und Deutschland bei.

Insgesamt war das Praktikum für mich zugegebenermaßen fordernd, aber dafür auch fördernd. Ich habe einen guten Einblick in die Organisation eines internationalen Filmfestivals erhalten, konnte mir neues Wissen aneignen und meine Fähigkeiten festigen. Während des Praktikums war es mir auch möglich, mich gut zu vernetzen und es hat mit bei der beruflichen Orientierung geholfen. Ich kann das Praktikum jedem empfehlen, der Interesse an japanischer Filmkultur hat und gerne eine einmalige Erfahrung in diesem Bereich machen möchte.

Ein Bericht von Celine Perrone.