Nippon Connection 2026
In Frankfurt findet jedes Jahr für eine Woche das japanische Filmfestival – die Nippon Connection – statt. In diesem Jahr war sie zwischen dem 1. und 7. Juni. Sowie auch letztes Jahr hatten die Studierenden im Rahmen des Untertitelungskurses bei Frau Dr. Michaela Oberwinkler die Möglichkeit das Filmfestival als eingeladene Gäste zu besuchen. Im Untertitelungskurs übersetzen Studierende gemeinsam mit professionellen Übersetzer*innen verschiedene Kurzfilme, die dann auf der Nippon Connection gezeigt werden. Dieses Sommersemester durften wir in Zusammenarbeit mit JVTA (Japan Visualmedia Translation Academy) den Filmen The Wannabeetle (jp. Boku wa gatarou) und Take off Your Mask, Ms. Miyazawa! (jp. Miyazawa san wa hagasasenai!), in jeweils vier Teams, englische Untertitel hinzufügen. Die Schwierigkeiten und Erfahrungen im Bezug zum Untertitelungsprozess galt es in Form einer Plenumsdiskussion am letzten Tag der Nippon Connection dem Publikum nahezubringen. Aber mehr dazu später. Außer mir als Repräsentantin unserer Universität kam noch ein weiterer Vertreter der Universität Gent dazu. Die belgische Universität arbeitete nämlich ebenfalls mit JVTA zusammen und untertitelte den Film The Crimson Sky (jp. Kurenai no sora), welcher zusammen mit unseren Filmen gezeigt wurde.


Ablauf des Tages
Durch den bevorstehenden E-Mail-Kontakt mit Florian Höhr, einer der vielen Organisator*innen des Filmfestivals, wurde sich bereits um jegliche Kosten hinsichtlich der Unterkunft und Anreise gekümmert und ein Zeit- und Treffpunkt ausgemacht. Simon, der Student aus Belgien, und ich trafen uns also mit Florian etwa eine Stunde vor der Vorstellung unserer Filme im Festivalzentrum dem Künstler*innenhaus „Mousonturm“, um sich noch entsprechend vorzubereiten und kennenzulernen. Die Nippon Connection ist nämlich über mehrere Gebäude in Frankfurt Bornheim und weiteren Bezirken Frankfurts verteilt. Auch wenn es nicht unbedingt einfach war, Florian im Hauptgebäude zu finden, konnten wir uns schlussendlich alle kennenlernen und den Ablauf besprechen. Überraschenderweise waren Simon und ich nicht die einzigen Gäste für die Vorstellung, sondern noch vier weitere, teilweise aus Japan angereiste Personen. Zusätzlich lernten wir eine JVTA-Mitarbeiterin, eine Dolmetscherin für Japanisch und Englisch und die Regisseurin des Filmes von The Wannabeetle, Hono Kubochi, in Begleitung mit einer Schauspielerin des Kurzfilms kennen. Es herrschte eine sehr freundliche, aber auch professionelle Atmosphäre, in welcher wir uns alle auf unterschiedlichsten Sprachen verständigen konnten, bevor es zum „Naxos Kino“ ging, in welchem die Filme vorgestellt wurden.



Nach einer Anmoderation von Florian, in welcher wir kurz ein zwei Sätze zu uns und den Filmen mitteilen sollten, wurden die drei Filme der Reihe nach abgespielt. Besonders die visuell sehr ansprechende Animation des Vorspanns der Nippon Connection und die Reaktionen des Publikums auf die lustigen Momente unserer Filme haben mir sehr gefallen. Die Plenumsdiskussion war für nach der Vorstellung angesetzt, wofür alle Gäste nochmals nach vorne gebeten wurden. Zu diesem Zeitpunkt hat sich ein Großteil des Publikums bereits auf den Weg gemacht den Saal zu verlassen, da die Diskussion wohl nicht von ihrem Interesse war, was ich einerseits irgendwo auch nachvollziehen konnte, es aber andererseits doch ein wenig ernüchternd war. Trotzdem hat Florian uns individuell einige Fragen zu den jeweiligen Filmen gestellt, sodass der Teil des Publikums, der noch geblieben ist, ein weiteres Verständnis hinsichtlich der Filme und der Erfahrungen mit den Untertiteln gewinnen konnte. Die Fragen betrafen generell die Zusammenarbeit mit JVTA, den Ablauf der Untertitelung mit den anderen Kommiliton*innen und den Schwierigkeiten, die damit einhergingen. Ich berichtete davon, wie unseren Teams innerhalb des Seminars besonders die begrenzte Anzahl der möglichen Zeichen beim Untertiteln Schwierigkeiten bereitete, wir aber mit der Zeit immer selbstbewusster geworden sind. Außerdem entstand ein kleines Gespräch mit der Regisseurin von The Wannabeetle, da wir den Zuschauer*innen näherbringen wollten, wie es zu der Auswahl des Titels kam. Das Publikum interessierte sich besonders für die anwesende Regisseurin und sprach großes Lob für ihren Film und auch ihren Kleidungsstil aus (sie trug einen Jumpsuit, der mit Bienen bedruckt war. Ironischerweise sehr passend zu ihrem Film, da dieser vor allem auch Insekten thematisiert), was für viel Lachen sorgte. Sehr begeistert war ich von der Dolmetscherin, die wirklich sehr professionell und vor allem schnell den Inhalt unserer Diskussionen sowohl auf Englisch als auch auf Japanisch wiedergeben konnte.
Am Ende der Vorstellung trafen sich die Gäste nochmal draußen zusammen für Fotos und weitere Gespräche, was wirklich sehr viel Spaß gemacht hat, da jede*r so zuvorkommend und sympathisch war. Als Repräsentant*innen unserer Unis haben Simon und ich viel Lob bekommen für die Untertitel, die wir in den jeweiligen Seminaren erstellt haben. Die Dolmetscherin bat uns sogar noch um ein kleines Interview, in Bezug darauf, wie wir die internationale Popularität Japans wahrnehmen und was uns so an Japan interessiert bzw. fasziniert. Nach der Verabschiedung von Florian und den anderen Mitgliedern der Organisation, haben Simon und ich noch eine sehr nette Stunde mit der Regisseurin und Schauspielerin verbracht bevor wir uns am Nachmittag trennten, um unseren eigenen Aktivitäten nachzugehen. Für mich bestand dies daraus mir einen weiteren Eindruck über das Filmfestival zu schaffen, indem ich das Gelände erkundete und mir einen wirklich sehr interessanten Film, Two Seasons, Two Strangers, im Hauptgebäude ansah. Die Angebote hinsichtlich japanischer Kultur, japanischem Essen und japanischen Firmen in Form von vielen verschiedenen Ständen und Vorstellungen bzw. Workshops war sehr schön anzusehen, vor allem, da wirklich einige Besucher*innen vor Ort waren an diesem Tag.


Bereicherung
Die Möglichkeit, an der Nippon Connection als Gast teilzunehmen, hat mich und mein Studium auf jeden Fall sehr bereichert. Es hat mir einen Einblick in viele japanspezifische berufliche Tätigkeiten (Untertiteln, Übersetzen, Dolmetschen, Organisieren, etc.) verschafft und mir die Chance gegeben, mit einigen internationalen Leuten in Kontakt zu treten, die sich mit für mich sehr interessanten Bereichen beschäftigen. Außerdem kam mein Japanisch häufiger zum Einsatz, was ich als eine sehr gute Übung bezeichnen würde. Die Nippon Connection in diesem Rahmen zu erleben, fand ich ebenfalls sehr bereichernd, da ich sehr wahrscheinlich sonst nicht dazu gekommen wäre, diese selbst zu besuchen. Auch wenn ich durch den Kontakt mit den anderen Gästen und unsere etwas längere Filmvorstellung nicht allzu viel sehen konnte, haben mir die Ausstellungen und anderen Filme wirklich sehr gut gefallen. Insgesamt war es ein sehr schöner Tag und hat wirklich viel Spaß gemacht.
Film Review
Two Seasons, Two Strangers von Sho Miyake (jp. Tabi to Hibi)
Miyakes 2025 erschienener Film war für mich ein wirklich faszinierendes und ästhetisches Erlebnis über Natur und verschiedene Jahreszeiten. Es handelt sich bei Two Seasons, Two Strangers um ein Arthaus-Drama, bei dem zwei Kurzgeschichten, an sich getrennt, aber sehr interessant inszeniert, auch zusammenhängend erzählt werden. Die eine Geschichte handelt von zwei Fremden, die im Sommer an einem Urlaubsort in Japan aufeinandertreffen, während der andere Teil des Films die Reise einer koreanischen Drehbuchautorin nach Hokkaido thematisiert. Wie der Titel bereits verrät, werden hier zwei, wirklich sehr traumhaft in Szene gesetzte, Jahreszeiten gegenübergestellt. Hierbei waren die Shots des Meeres und der sommerlichen, japanischen Landschaft aus der ersten Geschichte durch die sehr realistische Szenerie und Geräuschkulisse für mich unglaublich schön anzusehen. Story-technisch geschieht in dem Film eigentlich gar nicht mal so viel, aufgrund der sehr unbeschwerten, aber zugleich auch melancholischen Atmosphäre. Dennoch würde ich den Film jeder Person weiterempfehlen, die sich für japanische Natur und Geographie, speziell hinsichtlich der unterschiedlichen Jahreszeiten, interessiert und die sich für audiovisuell ästhetische Filme begeistert.
Ein Bericht von Selina Brokop.

