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5 Fragen BA+: Berufstätige Mütter in Japan

Worüber kann man eigentlich so in Japan forschen?BachelorPlus-Logo-neuesCD2013-ohneschrift

Der Bachelor Plus „Kultur- und sozialwissenschaftliche Japanforschung ermöglicht es den Bachelor um ein Jahr Studieren und Forschen in Japan zu ergänzen. Unterstützt durch ein Teilstipendium des DAAD führen die Studierenden eigene Forschungsprojekte durch und werden dabei durch das Projektteam angeleitet und unterstützt. Im Rahmen der Interviewreihe „5 Fragen BA+“ berichtet der 6. Jahrgang der Bachelor Plus Studierenden in den kommenden Wochen über ihre Erfahrungen mit Studium und Forschung in Japan

Den Anfang macht Vu Thuy Doan Huynh, die 2016/17 ein Jahr an der Keiô-Universität in Tokyo
studiert und geforscht hat. Sie berichtet im Interview über ihr Auslandsjahr und ihre Forschung zu berufstätigen Müttern.

Frau Huynh, Sie haben berufstätige Mütter interviewt. Wie sind Sie auf Ihr Projektthema gekommen?

Auf sozialen Medien verfolge ich täglich Nachrichten über politische, soziale und wirtschaftliche
Angelegenheiten, auch die aus Japan. Besonders interessiert mich aus diesen Bereichen die Geschlechtergleichberechtigung und ich denke, dass ein Grund, warum ich auf mein Projektthema gekommen war, meine eigene Mutter ist. Sie ist selber berufstätig und hat mich und meinen Bruder großgezogen, ohne nach der Geburt langfristigen Mutterschaftsurlaub zu nehmen. Ich denke die Problematik bezüglich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist sehr aktuell und wichtig. Erst im Februar 2016 wurde der Blogeintrag [保育園落ちた日本死ね!!!] bekannt, den eine wütende Mutter verfasste, nachdem sie für ihr Kind keinen Platz in einer Kindertagessstätte erhalten hatte und entfachte damit erneut die Diskussion über den Mangel an Kinderbetreuung. In Japan hat man mit verschiedenen Maßnahmen versucht, die Situation zu ändern und zu verbessern. Man kann viele Artikel darüber im Netz finden, sowie Artikel über politische Maßnahmen, die man durchführen möchte, um diese Probleme zu lösen. Mir war es allerdings wichtig, direkt von den Betroffenen zu hören, den Müttern, und wie es ihnen dabei geht.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestaltet sich für berufstätige Mütter oft schwierig. Was für Änderungen wünschen sich denn die Mütter, mit denen Sie gesprochen haben, durch die Regierung bzw. die Gesellschaft?

Auf jeden Fall wünschen sie sich ein besseres Angebot an Kinderbetreuungsplätzen, Huynhda es
wirklich daran mangelt. Man kann aus den Gesprächen heraushören, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie alles andere als einfach ist. Außerdem sind die Gehälter nicht besonders hoch. Zudem wurde angesprochen, dass viele verheiratete Frauen einer Zeitarbeit nachgehen und es gibt Regulierungen, die es ihnen lediglich erlaubt 3 Jahre in diesem Job zu arbeiten. Danach müssen sie sich eine andere Arbeit suchen und das empfinden sie als unzumutbar. Es gibt also sehr viele Baustellen auf allerlei Ebenen, für die sich die Mütter eine Lösung wünschen.

Gibt es denn Unterschiede zwischen der Kinderbetreuung bzw. dem Betreuungsangebot in Deutschland und Japan?

Gemeinsam haben Deutschland und Japan auf jeden Fall die Problematik des fehlenden Betreuungsangebotes. In Japan sowie in Deutschland stellt der Mangel am Betreuungsangebot ein großes Problem dar. Das ist eines der Gründe, warum viele japanische Mütter ihren Job nach der Geburt ihres Kindes aufgeben. In Japan gibt es allerdings ein Punktesystem für einen Platz bei der Kinderbetreuung. Dabei handelt es sich um ein System, bei dem Eltern sozusagen Punkte sammeln können. Je nach Punktezahl, die von verschiedenen Faktoren abhängt, können sich die Chancen auf einen Betreuungsplatz erhöhen oder verringern.

Wie hat sich der Zugang ins Feld gestaltet?

Der Zugang gestaltete sich unerwarteterweise als sehr schwierig. Ursprünglich wollte ich Daten für meine Forschung zusammen mit einer Organisation sammeln, die sich der Kinderbetreuung widmet. Allerdings war es so gut wie unmöglich diese zu einer Zusammenarbeit zu bewegen. Natürlich habe ich mit Schwierigkeiten gerechnet, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich auch bei allen anderen Organisationen und Gruppen, die ich kontaktiert hatte, scheitern würde. Am Ende musste ich mein Projekt etwas anpassen und führte meine Forschung unabhängig von Organisationen durch.

Solche Schwierigkeiten können und er Feldforschung tatsächlich immer wieder auftauchen. Umso schöner, dass Sie dann selbstständig noch Interviewpartnerinnen finden konnten. Was hat Sie denn in der Feldforschung überrascht bzw. was hatten Sie vorher nicht erwartet?

Ich kann mich nicht daran erinnern, von irgendetwas besonders überrascht gewesen zu sein. Schließlich wurden wir während dem Semester vor dem Auslandsstudium umfangreich auf die Feldforschung vorbereitet. Ich könnte vielleicht von dem unerwarteten Abendessen erzählen, zu dem ich mehr oder weniger vor der Durchführung eines Interviews eingeladen wurde. Der Kontakt wurde mir von einer Kommilitonin vermittelt und ich bin davon ausgegangen, dass ich kurz vorbeischauen und die Mutter von zwei Kindern interviewen würde. Am Ende stand ich zusammen mit der Mutter und ihren zwei Kindern in der Küche und habe Pizza mit ihnen gebacken. Nach dem Abendessen habe ich dann noch mein Interview bekommen. Dieses Erlebnis zähle ich zu meinen Lieblingserinnerungen während meinem Auslandsjahr.

Das klingt nach einer tollen Erfahrung. Vielen Dank an Frau Huynh für dieses Gespräch.


Noch bis zum 30. November können Sich Studierende für ein Auslandsjahr an einer unserer japanische Partneruniversitäten und den Bachelor Plus bewerben. Genauere Infos gibt es hier auf dem Blog.

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