Japan auf der Berlinale: Golden Slumber

„Golden Slumbers“, ein Song der Beatles auf dem Album „Abbey Road“, ist ein Wiegenlied, das heilsamen Schlaf verspricht: „smiles awake you when you rise“. Der Kurierfahrer Aoyagi hat es früher gerne mit seinen drei besten Freunden gehört, Morita, Kazu und Haruko. Zu viert zogen sie durch die Fast-Food-Restaurants in Sendai, auf der Suche nach den besten Burgern. Im Sommer halfen sie dem örtlichen Pyrotechniker, den Nachthimmel mit  riesigen Feuerwerksblumen zu schmücken. Aber, wie Saitô Kazuyoshi im Abspann des Films singt: 今歩いているこの道は いつか懐かしくなるだろう – „Auf den Weg, den Du gerade gehst, wirst Du irgendwann wehmütig zurückblicken.“

Zehn Jahre später hat Aoyagi seine Freunde aus den Augen verloren und sitzt richtig in der Scheiße, und zwar so, dass er sich schließlich sogar auf einen verrückten Serienmörder als Vertrauten einlassen muss. Der japanische Premierminister ist bei einem Bombenattentat ums Leben gekommen – und Aoyagi gilt als der Terrorist, der dafür verantwortlich ist. Dabei wollte er nur mit seinem alten Freund Morita angeln gehen. Ganz Sendai ist abgeriegelt und die Polizei veranstaltet eine unerbittliche Treibjagd, die nur darauf ausgelegt zu sein scheint, den vermeintlichen Schwerstverbrecher möglichst schnell zu erschießen.

Aoyagi, zuvor ein Darling der Medien – vor zwei Jahren hat er zufällig einem jungen Pop-Sternchen das Leben gerettet – erscheint nun in einem ganz anderen Licht. Plötzlich meinen die Fernsehkommentatoren auf alten Fernsehbeiträgen zu Aoyagis Heldentat ein böses Funkeln in seinen Augen zu entdecken, es tauchen seltsame Videoaufzeichnungen auf, die seine Schuld weiter unterstreichen … kurz, Aoyagis sieht sich schon enden wie Lee Harvey Oswald, den vermeintlichen Mörder John F. Kennedys, der seine Unschuld beteuerte und selbst zwei Tage nach dem Attentat ermordet wurde.

„Once there was a way to get back homeward …“, heißt es in dem Beatles-Song. Gibt es für Aoyagi noch einen Weg zurück?

Nakamura Yoshihikos „Golden Slumber“ (Gôruden surambâ) hat alles, was es braucht, um den Zuschauer auch über 139 Minuten ganz in seinen Bann zu ziehen. Nicht zuletzt lebt der Film von seiner exzellenten Besetzung, mit Ômori Nao (bekannt als „Ichi“ in Koroshiya Ichi) in der Hauptrolle und Kagawa Teruyuki (spielt den Vater in Tôkyô Sonata) als Gegenspieler. „Golden Slumber“ ist ein großes Stück Unterhaltungskino, dem bisher in der Berlinale-Berichterstattung viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Unbedingt ansehen!

Trailer zu „Golden Slumber“ gibt es auf der offiziellen Webseite (in der Menüleiste unter „Movie“): http://www.golden-slumber.jp/

Elisabeth Scherer

2 Gedanken zu „Japan auf der Berlinale: Golden Slumber

  1. Knut

    Ich fand den Film auch sehr gut.

    Es handelt sich ja um eine Literaturverfilmung. Wer hat denn die Buchvorlage für den Film geschrieben?

  2. Elisabeth Scherer Beitragsautor

    Hallo Knut,

    der Roman stammt von Isaka Kôtarô. Ich habe selbst noch keinen Roman von diesem Autor gelesen, seine Werke sind aber auf jeden Fall sehr populär und werden gerne verfilmt. Er hat zum Beispiel auch die Vorlage zu „Fish Story“ geliefert, das ebenfalls von Nakamura Yoshihiko verfilmt wurde (2009).

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