Studierendenberichte

Untertitelungsprojekt zu 僕はガタロウ und『宮沢さんは剝がさせないっ!』- Ein Bericht von Ryker von der Kall

Der Bachelor-Studierende Ryker von der Kall hat einen Bericht zu dem Untertitelungsprojekten des aktuellen Sommersemesters verfasst. Untenstehend folgt der Bericht:

Heute möchte ich euch den Untertitelungskurs unter Frau Dr. Oberwinkler vorstellen, den man im Zuge des Moduls Sprache und Praxis (MSP) immer zum Sommersemester hin belegen kann.

In dem Kurs arbeiten wir in Kleingruppen mit der Japan Visualmedia Translation Academy (JVTA) zusammen. Die beiden von uns untertitelten Filme werden anschließend auf der Nippon Connection in Frankfurt gezeigt.

Nach einer Einführung in die Grundlagen, das Spreadsheet und verschiedene Kleinigkeiten wie Zeichenbegrenzungen und Zeichensetzungen, die für eine flüssige Untertitelung wichtig sind, durften wir zuerst in unserer Gruppe jeweils einen Abschnitt der Filme untertiteln. Diese Untertitel wurden von der JVTA mit dem Film hochgeladen, sodass wir uns diese noch einmal angucken konnten, und schnell merkten, wenn Untertitellungen unnatürlich klangen oder zu lang waren, um sie als Zuschauer in kurzen Szenen angenehm lesen zu können. In den folgenden Wochen rotierten die Gruppen innerhalb der Filmabschnitte und überarbeiteten so Stück für Stück immer weiter die Untertitelung, bis sie ein zusammenhängendes Ganzes ergab.

Dabei gab es verschiedene Dinge, auf die wir achten mussten. Zum einen machte die Zeichenbegrenzung es oft schwer, natürlich klingende Sätze zu bilden. Es hilft auf jeden Fall, sicher im Englischen zu sein, sodass man Sätzen auch stark gekürzt noch die Hauptbedeutung entnehmen kann, selbst, wenn man den Film zum ersten Mal sieht. Andererseits musste man aber auch darauf achten, dass man für bestimmte Ausdrücke dieselben Worte in verschiedenen Szenen nutzte, damit der Plot der Filme nicht verloren geht. Daher musste man aufmerksam lesen, was die anderen Gruppen so schrieben. Darüber hinaus gab es neben einer passenden Titelsuche aber auch Schwierigkeiten abhängig von den Kurzfilmen selbst, weswegen ich euch diese einmal kurz vorstellen will:

Unser erster Kurzfilm trug den Titel: 『僕はガタロウ』

Der Kurzfilm 僕はガタロウ begleitet den Bücherwurm Kotaro, dessen Alltag sich verändert, als er durch einen zufälligen Zusammenstoß mit seiner Mitschülerin Yukiko ins Gespräch kommt. Yukiko ist eher zurückgezogen, strengt sich in der Schule nicht an und beschäftigt sich den ganzen Tag nur mit Insekten, weil sie diese liebt. Obwohl Kotarō eine starke Abneigung gegen Insekten hat, lässt er sich von ihrer Begeisterung mitreißen und begleitet sie auf die Suchen nach einem bestimmten Käfer.

Während ihrer gemeinsamen Ausflüge entwickelt sich zwischen den beiden eine ungewöhnliche Freundschaft. Während Yukiko völlig in ihrer eigenen Welt lebt, ist es Kotaro unangenehm, ihr zu beichten, dass sie nicht nur einen falschen Namen für ihn verwendet, sondern, dass er auch noch Insekten hasst. Im Laufe der Geschichte kann er seine Ängste jedoch überwinden und für sich einstehen. Yukiko hingegen zeigt, wie Vertrauen entstehen kann, wenn man Unterstützung von anderen zulässt und sich ein wenig öffnet.

Der Film ist nicht unbedingt eine klassische Liebesgeschichte, sondern konzentriert sich auf persönliche Entwicklung und die Bedeutung von einem erfüllenden Leben. Durch die eher ruhige Inszenierung und die natürlichen Dialoge vermittelt 僕はガタロウ die Botschaft, dass Menschen nicht dieselben Vorlieben teilen müssen, um sich gegenseitig zu verstehen und zu unterstützen.

Schwierigkeiten in der Übersetzung dieses Kurzfilms lagen vor allen Dingen darin, die Insektennamen und Wortwitze mit diesen in der begrenzten Zeichenzahl der Untertitelung unterzubringen. Darüber hinaus spricht Yukiko fast nur über Insekten, während Kotaros zögernder Charakter ebenfalls in der Untertitelung klar werden musste.

Der zweite Film hieß 『宮沢さんは剝がさせないっ!』

Der Kurzfilm erzählt die Geschichte des Schülers Tokura Shin, der sich in seine Klassenkameradin Miyazawa Sana verliebt. Da sie ihre Maske nie abnimmt, möchte er unbedingt ihr Gesicht sehen und schmiedet gemeinsam mit seinen Freunden einen Plan, ihr die Maske abzunehmen. Im Laufe der Handlung erkennt Shin jedoch, dass seine Neugier die persönlichen Grenzen Miyazawas verletzt. Der Film verbindet humorvolle Situationen mit einer Botschaft über Respekt, Vertrauen und das Recht jedes Menschen, selbst über seine Privatsphäre zu entscheiden.

Dabei ist der Film teilweise animiert und im Stil von einem typischen Shonen-Anime gehalten, der die Persönlichkeit der Charaktere fantasievoll wiedergibt. Miyazawas Maske wird zu einem Sinnbild dafür, dass jeder Mensch selbst entscheiden darf, wann und wem er seine verletzliche Seite zeigt. Die Entwicklung der Figuren wird trotz der kurzen Laufzeit nachvollziehbar dargestellt und schafft es, den Zuschauer anzuregen, über die Bedeutung von Respekt in zwischenmenschlichen Beziehungen nachzudenken.

Da die Charaktere teilweise sehr wie in Anime oder dem Militär nachahmend sprechen, war eine Schwierigkeit im Übersetzen, kurz angebundene Sätze mit viel unterschwelliger Botschaft akkurat zu übersetzen. In der animierten Szene hingegen spricht der Hauptcharakter eher poetisch, und das hat in der Zeichenbegrenzung oft Schwierigkeiten bereitet. Einer der Charaktere benutzte dazu außerdem oft englische Worte, die allerdings nicht immer derselben Bedeutung, wie im Englischen entsprachen, was die Übersetzung zusätzlich erschwert hat.

Insgesamt war der Kurs eine gute Erfahrung, weil man einen interessanten Einblick in das Untertiteln von Filmen bekommen konnte. Falls ihr an so etwas Interesse habt, könnt ihr euch also zu jedem Sommersemester dafür anmelden.

 

Ein Bericht von Ryker von der Kall.