Austausch und Japanaufenthalt, Studierendenberichte

Auslandsjahr während des Masterstudiums an der Kwansei-Gakuin-Universität – Ein Bericht von Verena Nobel

Ihr spielt mit dem Gedanken ein Auslandsjahr in Japan anzutreten? Bevor Ihr Euch aber entscheidet, möchtet Ihr gerne ein paar Erfahrungen von Studierenden hören und Euch über mögliche Herausforderungen und bevorstehende Eindrücke bei so einem Auslandsstudium informieren? In diesem Interview-Beitrag berichtet uns Verena Nobel freundlicherweise über die Zeit an der Kwansei-Gakuin-Universität:

Von wann bis wann und wo warst Du in Japan?

Von April 2025 bis Januar 2026 an der Kwansei-Gakuin-Universität in Nishinomiya in der Präfektur Hyogo.

Warst Du davor schon einmal in Japan gewesen? Was ist jetzt im Master anders?

Ja, ich war bereits von September 2022 bis Februar 2023 für ein Praktikum an der DAAD-Außenstelle Tokio in Japan. Während ich damals vor allem Einblicke in die Arbeitswelt und den deutsch-japanischen Wissenschaftsaustausch bekam, standen im Master mein Alltag als Studierender sowie die Durchführung meiner Feldforschung zur deutschen Präsenz auf der Osaka Expo 2025 im Mittelpunkt. Dadurch fühlte sich der Aufenthalt deutlich eigenständiger an. Da Osaka bei meiner Ankunft bereits vollkommen auf die Expo hin fieberte, hatte ich schnell das Gefühl, direkt in mein Forschungsfeld hineingeworfen zu werden.

Welche Kurse hast Du belegt? Muss man im Master auch Sprachkurse besuchen?

An der Kwansei-Gakuin besuchen Austauschstudierende das Contemporary Japan Program. Man kann hierbei zwischen dem Language Track und dem Modern Japan Track wählen. Ich habe mich bewusst für den Language Track entschieden, um mein Japanisch weiter zu vertiefen. Neben Sprachkursen habe ich aber auch Seminare zur Archäologie, Kunst und Außenpolitik Japans belegt. Didaktisch waren die Kurse recht unterschiedlich aufgebaut, wissenschaftlich dann doch aber eher etwas weniger anspruchsvoll, als ich es aus Düsseldorf gewohnt bin. Ich habe mir meinen Input aber stattdessen einfach außerhalb des Unterrichts gesucht.

Unterwegs als Speaker für die „関学ヒューマンライブラリー“ zum Thema Resilienz im Studium

Wie ging die Arbeit an Deinem Forschungsprojekt voran? Wie sah „Feldforschung“ in Deinem Fall aus?

Mein Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der nationalen Repräsentation Deutschlands auf Weltausstellungen in Japan im Kontext der sich kontinuierlich wandelnden Kulturdiplomatie. Für meine Feldforschung war ich während der Laufzeit der Expo regelmäßig auf das Gelände in der Bucht von Osaka. Ich hatte bereits ein halbes Jahr zuvor auf der Jahrestagung 2024 der VSJF mit dem Direktor des deutschen Pavillons Kontakt aufgenommen und großen Support für die Umsetzung meiner Feldforschung vor Ort bekommen. Methodisch arbeitete ich mit teilnehmenden Beobachtungen, dokumentiert durch ein Feldtagebuch, Foto-/Videomaterial sowie semi-strukturierte Interviews.


Im „Circular Me“ Raum des deutschen Pavillons.

Hast Du gute Ergebnisse machen können? Gab es Herausforderungen?

Meine Feldforschung vor Ort schätze ich als recht produktiv ein. Durch meine Kontakte zu einigen der Guides im Pavillon habe ich interessante Einblicke hinter die Kulissen erhalten, die meinen Blick auf das Format der Weltausstellung positiv kritisch geschärft haben. Ich neige gerne dazu, mich in meinen Themen zu verlieren und mehr Daten als eigentlich nötig zu sammeln. Das war in dem Fall aber ganz praktisch, weil ich generelle Beobachtungen zur Expo in einem Beitrag für das Bureau International des Expositions veröffentlichen konnte. Daraus ergab sich auch die Möglichkeit, an einer Fachtagung der Society of Expology an der Universität Kyoto teilzunehmen und das ist dann natürlich schon spannend, auch wenn man als Masterstudierender vielleicht noch nicht ganz so viel mitzureden hat. Herausforderungen gab es aber natürlich auch. Ich denke das ist aber einfach das Resultat der Umsetzung eines Projekts von der Theorie in die Praxis. In meinem Fall war das vor allem die Natur der Expo selbst. Als neurodivergente Person bin ich relativ schnell durch äußere Reize überstimuliert. Menschenmassen, Lautstärke und fehlende Rückzugsmöglichkeiten machen Mega-Events als Feld daher sehr anspruchsvoll und erfordern gute Vorbereitung. Gleichzeitig denke ich, dass Feldforschung heute deutlich flexibler gedacht werden kann und nicht mehr nur an ein einziges „ideales“ Modell von Forschungspraxis gebunden ist. Für mich bedeutete das deshalb weniger einen Ausschluss vom Feld als vielmehr die Frage, wie sich Forschung unter unterschiedlichen Voraussetzungen interessant gestalten lässt.


Auf Feldforschung auf dem Gelände der Osaka Expo 2025 auf Yumeshima.

Wie hast Du den Aufenthalt finanziert? Wurdest Du dazu beraten & kannst Du etwas empfehlen?

Finanziert wurde mein Aufenthalt durch das DAAD-Jahresstipendium für Masterstudierende. Durch mein vorheriges Praktikum beim DAAD hatte ich bereits ein gewisses Gefühl dafür entwickeln können, welche Profile die Stiftung anspricht. Hilfreich ist es dabei sicherlich, sich die Vitas früherer Stipendiat*innen anzuschauen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie unterschiedlich erfolgreiche Bewerbungsprofile aussehen können. Richtig überzeugend wird ein Profil meiner Erfahrung nach aber erst dann, wenn die einzelnen Stationen nicht nur strategisch gewählt wirken, sondern eine überzeugende und authentische Story erzählen.

Hast Du in der Zeit einen Nebenjob gemacht oder ein Praktikum? Wenn ja, könntest Du auch darüber berichten.

Eigentlich hatte ich während des Aufenthalts keinen Nebenjob geplant. Letztendlich hat sich eine Position als Teaching Assistant für Deutschkurse an der Kwansei-Gakuin-Universität aber irgendwie ergeben. Ich habe dabei kleine A1- und A2-Kurse mit jeweils drei bis fünf Studierenden mitbetreut. Gerade die kleine Gruppengröße machten die Arbeit besonders angenehm, weil man sehr individuell auf die Bedürfnisse der Studierenden eingehen und didaktisch kreativer ansetzen konnte, als im in Japan doch noch recht verbreiteten klassischen Frontalunterricht. Durch meine bisherigen Erfahrungen als Tutor und studentische Hilfskraft in der Hochschuldidaktik fühlte sich das Ganze auch überraschend vertraut an. Gleichzeitig war es spannend, plötzlich selbst auf der anderen Seite eines Sprachkurses zu stehen und zu erfahren wie Lehre in Japan funktioniert.


Im Expo´70 Gedenkpark in Suita, Osaka vor Taro Okamotos „Sonnenturm“.

Ein Interview mit Verena Nobel (Auslandsjahr an der Kwansei-Gakuin-Universität).