Luise Ferneding studiert bei uns am Institut Modernes Japan im Bachelor. Im April und Mai dieses Jahres war sie für Aushilfstätigkeiten auf landwirtschaftlichen Betrieben auf Okinawa. Mehr dazu erfahrt ihr untenstehend in ihrem Bericht:
Sagt euch das Wort Wwoofing etwas? Es ist eine Abkürzung für „worldwide opportunities on organic farms“ und es ist genau das, was es behauptet zu sein: Ein Katalog von organischen Farmen (und ähnlichen Betrieben) auf der ganzen Welt, die freiwillige Helfer*innen suchen. Im Normalfall verbringt die Wwoofer*innen einige Tage bis Wochen auf einem dieser Höfe, hilft bei der Arbeit und bekommt im Gegenzug Unterkunft, Verpflegung und viel gemeinsame Zeit mit der Hostfamilie.
2017 war ich schon einmal für ein halbes Jahr wwoofen in Japan und habe dieses Mal auch einige alte Kontakte wieder auffrischen können. Heute möchte ich aber erzählen von meiner Zeit in Okinawa, wo ich neue schöne Farmen und nette Menschen kennenlernen durfte. Ich war dort für ungefähr 6 Wochen, von April bis Mai 2026. Besucht habe ich zwei Farmen in der Yanbaru-Region (やんばる, 山原), eine bewaldete Gegend im Norden der Hauptinsel Okinawas (沖縄).
Ich beginne mit der Kiyuna-Farm. Ein Familienbetrieb mit ungefähr 30 Kühen, der das Geld hauptsächlich mit Milch, Butter und Käse verdient. Meine Aufgaben auf dem Hof waren 70% Kuhmist schaufeln und 30% weitere „odd jobs“, wie Gras schneiden. Für alle freiwilligen Helfer*innen (zwischen 2 und 5 Personen, in der Zeit, in der ich dort war) galt die 6-Tage-Woche mit 6 Arbeitsstunden pro Tag. Der normale Arbeitstag begann um 5 Uhr morgens. Es gab eine längere Mittagspause, die ich oft genutzt habe, um mit den anderen Helfer*innen gemeinsam in der Gegend wandern zu gehen oder zum Strand zu fahren. Am Nachmittag gab es dann noch eine Ladung Kuhmist zu schaufeln, bevor wir in den Feierabend gehen konnten. Die Kiyuna-Farm ist wirklich sehr rudimentär aufgebaut. Die Helfer*innen schlafen zum Beispiel in selbst gezimmerten kleinen Hüttchen und wenn am Abend die Dusche ansteht, heißt es erst einmal Feuer machen – solange man nicht kalt duschen will. Das alles war es aber wert für das Community-Gefühl, das entstanden ist, hauptsächlich mit den anderen Freiwilligen. Mit der Gastfamilie haben wir zusammen gegessen und ab und zu einen Karaoke-Abend im alten Silo veranstaltet. Die Arbeit war aber definitiv härter als bei anderen Höfen, auf denen ich schon war.


Die zweite Farm, auf der ich ausgeholfen habe, ist die Igei-Farm, mit dem Auto nur knappe 20 Minuten entfernt. Angebaut werden hier hauptsächlich Kurkuma und Bananen, aber auch einige Sorten von Süßkartoffeln und vereinzelt weiteres Gemüse. Auch hier gilt generell 6 Stunden 6-mal die Woche, allerdings wird das sehr viel weniger streng durchgesetzt. Wenn zum Beispiel ein Eisa (eine Art Musikfestival) ansteht, wird die Arbeit auch mal einfach liegen gelassen. Auf der Igei-Farm waren sehr viel weniger konsistent freiwillige Helfer anwesend, ich war auch zwischendurch für eine ganze Woche die einzige Wwooferin. Das war für mich aber kein Problem, da ich dadurch mit der Gastfamilie sehr involviert war. Wahnsinnig liebe Menschen. Ein Ehepaar um die 80, die nach wie vor die relativ große Farm allein schmeißen. Ich weiß bis heute nicht, wie sie tatsächlich heißen, da sie direkt darauf bestanden haben, Tō-san und Kā-san genannt zu werden. Außerdem waren die beiden nicht nur gut vernetzt mit den anderen Farmern der Gegend, sondern auch mit vielen interessanten und alteingesessenen Menschen aus Okinawa. Was dazu geführt hat, dass ich nicht nur eine impromptu Sanshin Lektion bekommen habe, sondern auch einiges an Okinawa-Dialekt aufsaugen konnte.


Insgesamt war meine Zeit in Okinawa alles, was ich mir wünschen konnte und mehr. Falls sich jetzt jemand denkt: wow, das klingt nach Spaß, das würde ich vielleicht auch machen wollen – die Anmeldung für solche Programme in Japan sind tatsächlich relativ unkompliziert. Für die Registrierung auf solchen Seiten ist eine Zahlung von ca. 5500 Yen notwendig und daraufhin bekommt man Zugang zu der vollen Liste an Hosts in Japan und die Möglichkeit, diese zu kontaktieren. Ab hier heißt es also, interessant aussehende Höfe anschreiben und auf Antwort warten. Die Gastgeber geben eigentlich auch immer mit an, ob sie gerade dringend Hilfe suchen oder eher nicht. Daran kann man sich auch orientieren, um Absagen zu vermeiden. Da die Arbeit nicht bezahlt wird und eher als Freundschaftsdienst statt Arbeit gehandelt wird, reicht ein Touristen-Visum vollkommen aus.
Meiner Meinung nach ist das Wwoofing die beste Art, zu Reisen. So habe ich die Möglichkeit, nicht nur die touristischen Städte zu erkunden, sondern auch in kleine Ecken zu gelangen, von denen ich vorher noch nie gehört habe. Das Aufeinandertreffen mit so vielen Einheimischen auf einer familiären Ebene ist auch ein riesiger Pluspunkt. Außerdem spart es sehr viele Kosten. Allerdings ist diese Arbeit definitiv nichts für Stadtkinder, die Insekten o.ä. nicht abkönnen. Nicht jeder der Gastgeber hat eine Farm, es gibt auch einige Café- oder Restaurant-Betriebe, aber das ist eher die Ausnahme.
Abschließend vielleicht noch ein Wort zu Japanisch-Kenntnissen: Falls man nicht konversationssicher ist – es gibt auch einige Gastgeber, die extra in ihre Profile schreiben, dass man auch auf Englisch kommunizieren könne. Die Auswahl ist so aber etwas eingeschränkt. Außerdem hat es meinem Japanisch sehr geholfen, für ein paar Wochen nicht die Möglichkeit zu haben, auf Englisch auszuweichen. Traut euch also ruhig, auch wenn das Sprechen noch wacklig sein sollte!
Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf das nächste Mal, wenn ich die Möglichkeit habe, in das Farmleben Japans einzutauchen. Vielleicht sehen wir uns ja dort.
Ein Bericht von Luise Ferneding.

