{"id":9972,"date":"2012-02-14T00:35:58","date_gmt":"2012-02-13T23:35:58","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=9972"},"modified":"2020-07-02T23:21:34","modified_gmt":"2020-07-02T21:21:34","slug":"friends-after-3-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=9972","title":{"rendered":"Ein Fukushima-Film von Iwai Shunji: &#8222;Friends after 3.11&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?attachment_id=9977\" rel=\"attachment wp-att-9977\"><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-9977 alignleft\" title=\"friends\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/friends.jpg\" alt=\"\" width=\"173\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/friends.jpg 480w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/friends-225x300.jpg 225w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/friends-420x560.jpg 420w\" sizes=\"(max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/a>&#8222;Friends after 3.11&#8220; von dem bekannten Independent-Regisseur Iwai Shunji ist eigentlich kein Film f\u00fcr die gro\u00dfe Leinwand. Haupts\u00e4chlich zeigt er &#8222;talking heads&#8220;, das hei\u00dft Menschen die Fragen stellen \u2013 in diesem Fall sind das der Regisseur selbst und die Schauspielerin Matsuda Miyuki \u2013 und Menschen, die darauf antworten. Weil sich &#8222;Friends after 3.11&#8220; aber mit der Katastrophe in Japan besch\u00e4ftigt und der Film damit eine gro\u00dfe Aktualit\u00e4t und Brisanz besitzt, hat es die Dokumentation dennoch auf die Berlinale geschafft. In Japan wurde der Film in einer anderen Version im Fernsehen gezeigt, ab 10. M\u00e4rz lauft er auch im Kino.<\/p>\n<p>Es ist ein sehr breites Themenspektrum, das Iwai Shunji mit den Interviews anspricht, die er gemeinsam mit Matsuda Miyuki gef\u00fchrt hat, denn die Gespr\u00e4chspartner k\u00f6nnten diverser nicht sein: Ein Teenie-Star in Schuluniform, der gegen Atomkraft protestiert, Professoren, den Vorsitzenen einer NGO, die sich gegen Selbstmord einsetzt, der Schauspieler Yamamoto Tar\u00f4, Journalisten und Regisseure. Viele sind enge Freunde des Regisseurs, der Film war Iwai ein gro\u00dfes Anliegen. Trotz dieser Vielfalt und Motivation bleibt der Ertrag jedoch leider oft d\u00fcnn und bewegt sich im Bereich von Allgemeinpl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Mitf\u00fchlen kann man immerhin mit Kitagawa Eriko, einer Drehbuchautorin, die ihre Sorgen als Mutter \u00e4u\u00dfert und schildert, wie sie sich seit Fukushima f\u00fchlt, wenn sie Essen geht: &#8222;Ich \u00fcberlege dann, wo die Zutaten wohl herkommen m\u00f6gen. Wenn ich aber den ersten Bissen nehme, dann schmeckt es einfach nur lecker.&#8220; Genau diese Unsichtbarkeit der Gefahr, die von der atomaren Verseuchung ausgeht, ist immer wieder Thema der Gespr\u00e4che. Alles sieht so normal aus.<\/p>\n<p>Skurril wirkt der Auftritt von Professor Takeda Kunihiko, der dazu aufruft, mehr CO2 auszusto\u00dfen und eine baldige Eiszeit ank\u00fcndigt. Immerhin spricht er, der bei Asahi Kasei f\u00fcr Forschung zur Urananreicherung zust\u00e4ndig war, sich mittlerweile klar gegen Atomkraft aus.&nbsp; Ein anderer Professor, Koide Hiroaki (Universit\u00e4t Ky\u00f4to), entschuldigt sich, dass er nichts gegen die Katastrophe tun konnte. Seit langem forscht er im Bereich Nuklearenergie und ist mit wachsender Erkenntnis zu einem entschiedenen Gegner der Technik geworden. Viele verst\u00fcnden den Ernst der Lage nicht: &#8222;Die Situation jetzt gerade ist schlimmer als Krieg&#8220;, ist sein Fazit zu Fukushima.<\/p>\n<p>Einige aufschlussreiche Momente also hat der Film, was ihm aber im Vergleich zu dem bewegenden Dokument &#8222;<a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=9942\">Nuclear Nation<\/a>&#8220; weitgehend fehlt ist Unmittelbarkeit und Emotionalit\u00e4t. Auch wenn einige Aufnahmen aus dem Katastrophengebiet eingestreut sind, es ist doch haupts\u00e4chlich ein &#8222;Sprechen \u00fcber&#8220; und kein &#8222;Zeigen&#8220;, das in &#8222;Friends after 3.11&#8220; geschieht. So beklagt die Regisseurin Kamanaka Hitomi, dass umliegende Gemeinden in der Vergangenheit von den Fukushima-Reaktoren profitierten und die Menschen daf\u00fcr die Sch\u00f6nheit ihrer D\u00f6rfer opferten \u2013 und blendet dabei die Hintergr\u00fcnde ebenso aus wie die Tatsache, dass die Reaktoren vor allem f\u00fcr Tokyo und andere gro\u00dfe St\u00e4dte (und damit f\u00fcr alle) gebaut wurden.<\/p>\n<p>Als emotionaler H\u00f6he- und Schlusspunkt mit Musikuntermalung muss schlie\u00dflich herhalten, wie Fujinami Kokoro, das Teenie-Sternchen, beim Besuch in den vom Tsunami zerst\u00f6rten Gebieten in Tr\u00e4nen ausbricht. Iwai Shunji wollte in seinem Film viel zusammenbringen; es w\u00e4re wohl besser gewesen, sich zu beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Als Film mag &#8222;Friends after 3.11&#8220; mehr oder weniger gescheitert sein, als Projekt hat Iwai Shunjis Engagement aber jetzt schon einen gro\u00dfen Erfolg zu verzeichnen. &#8222;Friends after 3.11&#8220; zeigt, dass es in Japan viele Intellektuelle, Stars und auch Sternchen gibt, die sich sehr kritisch \u00e4u\u00dfern und ihre Bekanntheit nutzen, um auf Ihr Anliegen \u2013 einen anderen Umgang mit der Katastrophe und den Ausstieg aus der Atomkraft \u2013 aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>Teile von &#8222;Friends after 3.11&#8220; k\u00f6nnen <a href=\"http:\/\/iwaiff.com\/index_en.php\">auf der Webseite von Shunji Iwai<\/a> angesehen werden. Gemeinsam mit Matsuda Miyuki und anderen veranstaltet Iwai die sogenannten \u30ed\u30c3\u30af\u306e\u4f1a, die dem Austausch zu Katastrophe und Kernenergie dienen. Informationen dazu gibt es auf <a href=\"http:\/\/69nokai.com\/\">einer Webseite<\/a> und bei <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/pages\/%E3%83%AD%E3%83%83%E3%82%AF%E3%81%AE%E4%BC%9A\/243616355690494\">facebook.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Friends after 3.11&#8220; von dem bekannten Independent-Regisseur Iwai Shunji ist eigentlich kein Film f\u00fcr die gro\u00dfe Leinwand. Haupts\u00e4chlich zeigt er &#8222;talking heads&#8220;, das hei\u00dft Menschen die Fragen stellen \u2013 in diesem Fall sind das der Regisseur selbst und die Schauspielerin Matsuda Miyuki \u2013 und Menschen, die darauf antworten. Weil sich &#8222;Friends after 3.11&#8220; aber mit der Katastrophe in Japan besch\u00e4ftigt und der Film damit eine gro\u00dfe Aktualit\u00e4t und Brisanz besitzt, hat es die Dokumentation dennoch auf die Berlinale geschafft. In Japan wurde der Film in einer anderen Version im Fernsehen gezeigt, ab 10. M\u00e4rz lauft er auch im Kino. 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