{"id":9942,"date":"2012-02-12T22:14:35","date_gmt":"2012-02-12T21:14:35","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=9942"},"modified":"2020-07-03T01:41:56","modified_gmt":"2020-07-02T23:41:56","slug":"fukushima-filme-auf-der-berlinale-nuclear-nation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=9942","title":{"rendered":"Fukushima-Filme auf der Berlinale: &#8222;Nuclear Nation&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?attachment_id=9957\" rel=\"attachment wp-att-9957\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9957 alignleft\" title=\"nuclearnation\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/nuclearnation.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/nuclearnation.jpg 595w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/nuclearnation-223x300.jpg 223w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/nuclearnation-222x300.jpg 222w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Etwas weniger japanische Filme sind dieses Jahr bei der Berlinale vertreten, daf\u00fcr aber um so wichtigere: Gleich drei Dokumentationen besch\u00e4ftigen sich mit der Katastrophe vom 11. M\u00e4rz.<br \/>\nAuch wenn manch einer das Gef\u00fchl haben mag, \u00fcbers\u00e4ttigt zu sein vom Bildmaterial, das viele Monate die Medien \u00fcberflutete \u2013 verw\u00fcstete Landschaften, wirr aufeinandergestapelte \u00dcberreste von H\u00e4usern, verzweifelte Menschen \u2013 auch wenn kritisiert wurde, dass &#8222;jeder, der eine Kamera halten kann&#8220; versucht hat, in Nordjapan zu drehen: Filme wie &#8222;Nuclear Nation&#8220; haben einen gro\u00dfen Wert, sie k\u00f6nnen ganz andere Einblicke gew\u00e4hren als Nachrichtenbilder oder Online-Bildergalerien mit den spektakul\u00e4rsten Aufnahmen der Verheerung.<\/p>\n<p>Und es ist eben nicht die blo\u00dfe Verheerung, die der Regisseur Funahashi Atsushi in den Mittelpunkt seines Films stellen will, sondern es ist das Leben der Menschen, die am schwersten von der Katastrophe betroffen sind, und das Warten dieser Menschen. &#8222;Deshalb musste der Film auch so lang werden&#8220;, erkl\u00e4rt er dem Berlinale-Publikum, &#8222;ich wollte damit auch zeigen, wie sich das anf\u00fchlt, dieses Warten&#8220;. \u00dcber 145 Minuten (leider nicht sehr virtuos geschnitten) sehen die Berlinale-Zuschauer, wie die Bewohner des Ortes Futaba auf ihr neues Leben warten. Und sie erfahren, dass auch jetzt noch, w\u00e4hrend der Berlinale, eine gro\u00dfe Anzahl der Menschen aus Futaba in einer Schule in Saitama, ganz in der N\u00e4he von Tokyo, auf engstem Raum wohnt.<\/p>\n<p>Futaba ist ein Ort, der einmal etwas \u00fcber 7000 Einwohner hatte und direkt neben den Atomanlagen von Fukushima liegt. \u00dcber 40 Jahre hat der Ort profitiert von der Atomenergie, sie sorgte f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze, brachte eine sch\u00f6ne Bibliothek ein, einen Sportplatz &#8230; jetzt gibt es keine Menschenseele mehr in Futaba, und in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren wird dort nur Atomm\u00fcll aus dem havarierten Kraftwerk eine neue Wohnstatt finden. Auch ob danach wieder Menschen dort leben k\u00f6nnen, wei\u00df man nicht. Futaba existiert nicht mehr an einem festen Ort, es wandert. 1400 Bewohner wurden zusammen evakuiert, wurden von Halle zu Halle umgesiedelt, bis sie schlie\u00dflich in der Schule in Saitama landeten.<\/p>\n<p>Funahashi hat f\u00fcr &#8222;Nuclear Nation&#8220; nicht mal eben &#8222;die Kamera draufgehalten&#8220;. Er hat die Bewohner von Futaba \u00fcber Monate begleitet und will es auch weiter tun, &#8222;bis sie einen Ort zum Leben gefunden haben&#8220;, wie er sagt. Die Aufnahmen von der M\u00e4nnerrunde, die im Kunstraum fr\u00f6hlich ihren Sake trinkt, von dem jungen Mann, der um seine Mutter trauert und ihr Bild auf einem Smartphone zeigt, von der morgendlichen Gymnastik, von Konzerten \u2013 all das wurde nur m\u00f6glich, weil Funahashi \u00fcber Wochen immer wieder da war, zun\u00e4chst ohne Kamera, um das Vertrauen der Menschen aus Futaba zu gewinnen.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrde man haben wollen, wenn man nur ganz wenige seiner Besitzt\u00fcmer retten k\u00f6nnte? Die Bewohner von Futaba durften f\u00fcr zwei Stunden zur\u00fcck in ihr altes Leben, im Schutzanzug, um ein paar Habseligkeiten aus der verseuchten Heimat zu holen. Ein M\u00e4dchen will ihr Tagebuch, eine alte Frau ein Jackett mit Blumen und ihr Mann seine DVD-Sammlung: Mad Max 1 bis 3, Planet der Affen 1 bis 5, Dirty Harry. Die Aufnahmen aus der &#8222;Todeszone&#8220; geh\u00f6ren zu den beeindruckendsten des Films.<\/p>\n<p>&#8222;Nuclear Nation&#8220; hat viele Helden: Den B\u00fcrgermeister von Futaba, der vor wenigen Jahren noch f\u00fcr den Bau von weiteren Reaktoren war und sich jetzt mit einer Videobotschaft an die Berlinale-Zuschauer wendet und sich gegen Atomkraft ausspricht. Den Bauern, der seine K\u00fche weiter versorgt, obwohl die Regierung will, dass sie get\u00f6tet werden und sich Fleisch und Milch sowieso nicht mehr verkaufen lassen, denn die Tiere weiden 14 Kilometer nah an der Reaktoren-Leiche. Die Menschen aus Futaba, die in Tokyo auf die Stra\u00dfe gehen und protestieren.<\/p>\n<p>&#8222;Nuclear Nation&#8220; ist nat\u00fcrlich auch ein politisches Statement, das verr\u00e4t schon der Titel. Funahashi hat f\u00fcr seine Sache einen prominenten Unterst\u00fctzer gefunden: Sakamoto Ry\u00fbichi, selbst Atomkraftgegner, hat sich mit einem Lied f\u00fcr den Abspann beteiligt und stand auch mit auf der Berlinale-B\u00fchne. Vielleicht hilft die internationale Aufmerksamkeit Futaba ein wenig \u2013 denn bisher hat der B\u00fcrgermeister Idogawa noch gegen viele Widerst\u00e4nde zu k\u00e4mpfen, wie der Film klar macht. Als er seine sehr emotionale Rede vor einem Atom-Ausschuss h\u00e4lt, ist der Minister schon gegangen. Wichtige Termine.<\/p>\n<p>Morgen geht es weiter mit Iwai Shunjis Beitrag, &#8222;Friends after 3\/11&#8220;, einem weiteren Blickwinkel auf das Thema.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Infos zu &#8222;Nuclear Nation&#8220; und Fotos gibt es auch auf der <a href=\"http:\/\/nuclearnation.jp\/en\/\">offziellen Webseite<\/a> des Films und auf der <a href=\"https:\/\/www.berlinale.de\/de\/programm\/berlinale_programm\/datenblatt.php?film_id=20123182\">Berlinale-Seite<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwas weniger japanische Filme sind dieses Jahr bei der Berlinale vertreten, daf\u00fcr aber um so wichtigere: Gleich drei Dokumentationen besch\u00e4ftigen sich mit der Katastrophe vom 11. 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