{"id":9699,"date":"2011-12-23T10:10:59","date_gmt":"2011-12-23T09:10:59","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=9699"},"modified":"2020-07-17T08:46:16","modified_gmt":"2020-07-17T06:46:16","slug":"feldforschung-in-japan-ein-interview-mit-hulya-guler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=9699","title":{"rendered":"Feldforschung in Japan: Ein Interview mit H\u00fclya G\u00fcler"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcnf ereignisreiche Wochen liegen hinter H\u00fclya G\u00fcler.<\/p>\n<p>Sie nutzte die vergangenen Semesterferien f\u00fcr eine besondere Japanreise. Von Ende August bis Anfang Oktober forschte unsere Studentin (aktuell im f\u00fcnften Semester) in der Pr\u00e4fektur Nagano f\u00fcr ihre Bachelor-Abschlussarbeit. Ihr Thema: Das Zusammenleben von brasilianischen nikkei mit ihren japanischen Nachbarn, KollegInnen und Bekannten in den St\u00e4dten Ina und Komagane.<\/p>\n<p>Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein. Am Ende der f\u00fcnfw\u00f6chigen Forschungsphase stehen ein \u00f6ffentlicher Vortrag an der Nagano Nursing School und insgesamt 24 Interviews. Diese Daten versprechen spannende Ergebnisse dar\u00fcber, wie und wo sich Kontakte ergeben, gepflegt oder auch verweigert werden und wie sich das Zusammenleben ver\u00e4ndert hat. Mit den Interviews und teilnehmender Beobachtung konnte Frau G\u00fcler beide Perspektiven kennenlernen und erhielt viele Einblicke in das japanisch-brasilianische Miteinander. Wir haben mit Frau G\u00fcler gesprochen und Sie nach ihren Eindr\u00fccke, Erlebnisse und Ratschl\u00e4gen f\u00fcr Feldforschung gefragt. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Was war in den f\u00fcnf Wochen Feldforschung das beeindruckendste Erlebnis?<\/strong><\/p>\n<p>Eines meiner sch\u00f6nsten Forschungserlebnisse war das erste Kennenlernen mit den brasilianischen <em>nikkeijin<\/em>.<\/p>\n<p>Ich wurde von Eduardo (einer meiner wichtigsten Kontaktpersonen, den ich durch Facebook kennengelernt habe) an einem Samstagabend um 20 Uhr vom Bahnhof <img decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-9797\" title=\"F1\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F1-258x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F1-258x300.jpg 258w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F1.jpg 716w\" sizes=\"(max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/>(Ina) abgeholt. Eduardo ist 25 Jahre alt, wohnt mit seiner Freundin in Ina und arbeitet in einer Autofirma. Er machte sofort einen sehr sympathischen Eindruck mit seiner rundlichen Gestalt, seiner sportlichen Kleidung, seinem portugiesischen Akzent und seinen japanischen Augen.<\/p>\n<p>Eduardo und ich stellten uns einander vor. Er sagte, dass er mit seinem Auto hier w\u00e4re und mir ein paar seiner Freunde vorstellen m\u00f6chte. Unterwegs erkl\u00e4rte ich ihm meine Forschungspl\u00e4ne in Ina und wir unterhielten uns in japanischer und englischer Sprache (themengem\u00e4\u00df) \u00fcber Diskriminierung und \u00e4hnliche Dinge. Nach einer 15-min\u00fctigen Autofahrt durch die l\u00e4ndlich-h\u00fcgelige Gegend kamen wir an einer Autowerkstatt am Stadtrand an.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-9799\" title=\"F2\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F2-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F2-300x225.jpg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F2-768x576.jpg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F2.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Als ich aus dem Wagen stieg, durfte ich meine erste \u00dcberraschung erleben. Mir fiel sofort die alte, etwas chaotische Gestalt der Autowerkstatt auf, die mit Hilfe von vier gro\u00dfen Deckenlampen beleuchtet wurde, unterhalb der viele Motten, Fliegen und andere Insekten herumschwirrten. Danach sah ich die vielen Leute, die sich in der Werkstatt aufhielten. Zwei bis drei von ihnen waren damit besch\u00e4ftigt, die Seitent\u00fcren eines Autos zu lackieren, und drei Leute sa\u00dfen gem\u00fctlich in einer Ecke und tranken Bier. Eduardo konnte nicht sofort die Aufmerksamkeit seiner Freunde auf uns lenken. Jeder schien mit etwas anderem besch\u00e4ftigt zu sein. Kurz darauf sahen mich sieben neugierige Augen an. <img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-9800\" title=\"F3\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F3-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F3-225x300.jpg 225w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F3-420x560.jpg 420w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/F3.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Eduardo sagte etwas auf Portugiesisch. Danach stellte ich mich selbst noch einmal vor. Als Antwort erhielt ich weiterhin neugierige und skeptische Blicke, die mir sagten, dass sie nicht viel verstanden hatten von dem was ich erz\u00e4hlt hatte. Kurz darauf lockerte sich die Stimmung auf, man fing wieder an, zu plaudern, lud mich zu einem kalten Getr\u00e4nk ein und ich durfte die Runde beobachten und ein paar Fotos schie\u00dfen. Im Gespr\u00e4ch mit Ricardo (rechts im Bild Nr. 3) merkte ich, wie gut er Japanisch spricht. Seine Freunde forderten ihn auf, sich zu einem Interview bereit zu erkl\u00e4ren &#8211; wir machten gleich f\u00fcr den n\u00e4chsten Morgen einen Termin fest. Man konnte die warme und enge freundschaftliche Beziehung der Anwesenden zueinander erkennen. Sie waren sehr offene und freundliche Menschen, die einem das Gef\u00fchl von Vertrautheit gaben<\/p>\n<p><strong>Viele Studierende, die Interviews f\u00fchren wollen, machen sich dar\u00fcber Gedanken, ob die Japanischkenntnisse ausreichen. Wie hat die Kommunikation auf Japanisch bei Ihnen geklappt?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe die meisten Interviews auf Japanisch durchgef\u00fchrt, die in der Regel problemlos liefen. Die Teilnehmer sind immer freundlich und erkl\u00e4rten gerne das eine oder andere nicht verstandene Wort. Auch wenn man denkt, dass eine Zwischenfrage das Gespr\u00e4ch stocken w\u00fcrde, sollte man nicht z\u00f6gern nachzufragen oder man sollte sich das Wort notieren und hinterher darauf eingehen.<\/p>\n<p>In meinem\u00a0 Fall fanden einige Gespr\u00e4che auf Portugiesisch statt, wo dann immer eine Dolmetscherin (eine meiner ersten Interviewpartner, die mich mit vielen anderen ihrer Freunde bekannt machte) zur Seite stand und uns freundlich bei den Gespr\u00e4chen unterst\u00fctzte.<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie sich auf die Feldforschung vorbereitet?<\/strong><\/p>\n<p>Die ersten Vorbereitungen fanden in Deutschland statt. Ich schaffte mir eine Menge Literatur an, die das Thema \u201enikkei\u201c, \u201eMigration\u201c und \u00c4hnliches behandelte und schrieb auch meine Hausarbeit im STM \u00fcber das Thema \u201eMigration und Integration japanischst\u00e4mmiger Brasilianer in Japan\u201c. \u00a0Eine klassische und sehr informative Literatur ist das Buch von Takeyuki Tsuda: \u201eStrangers in the ethnic homeland\u201c (2003). Au\u00dferdem halfen mir die Arbeiten von Claudia Tamura (\u201eArbeitsmigration\u201c, 2004) und Hitomi Maeda (\u201eJapanese Brazilians in Japan\u201c, 2007) dabei, die Arbeitsmigration und die Integrationsentwicklung in Japan besser zu verstehen.<br \/>\nMan sollte sich vorher \u00fcberlegen, welche Art von Forschung man betreiben m\u00f6chte. Ich entschied mich f\u00fcr das narrative Interview (was sich sp\u00e4ter zu einem Leitfrageninterview entwickelte) und bereitete die Interviewfragen in Deutschland vor.<\/p>\n<p><strong>Zuletzt: welche Tipps geben Sie anderen Studierenden, die in Japan forschen oder eigne Forschung planen?<\/strong><\/p>\n<p>Da sich einige Interviews bei mir spontan ergaben und ich unvorbereitet war, konnte ich auf einige Dinge nicht mehr eingehen oder nachhaken. Dies sollte man sofort am n\u00e4chsten Tag nachholen und mit dem Interviewpartner noch einmal in Kontakt treten und freundlich einigen Punkte ansprechen. Es ist auch wichtig, zeitlich flexibel zu sein, da man nie wei\u00df, wann und wie sich ein Interviewtermin ergibt.<br \/>\nF\u00fcr die Nachbereitung der Interviews rate ich, nach jedem durchgef\u00fchrten Interview, sich ein Ordner anzulegen mit Datum, Namen des Interviewten, Foto und Eindr\u00fccken zum Inhalt des Gespr\u00e4chs f\u00fcr die sp\u00e4tere Ged\u00e4chtnisst\u00fctze. Denn nach ein paar Wochen kann man die Gesichter und Namen schnell verwechseln. Auf diese Weise kann man den \u00dcberblick besser behalten.<\/p>\n<p>Vielen Dank an H\u00fclya G\u00fcler f\u00fcr das Interview &#8211; wir w\u00fcnschen Ihr viel Erfolg bei der Auswertung und Transkription der Interviews!<\/p>\n<p>Gerne ver\u00f6ffentlichen wir im Blog weitere Berichte aus der Feldforschung &#8211; bei Fragen ist <a href=\"mailto:bernardi@phil.hhu.de\">Peter Bernardi <\/a>ein Ansprechpartner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Studentin H\u00fclya G\u00fcler berichtet von Eindr\u00fccken, Erfahrungen und gibt Tipps f\u00fcr erfolgsversprechende Feldforschung in Japan.<\/p>\n","protected":false},"author":50,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[217,8],"tags":[],"class_list":["post-9699","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bachelor-plus","category-sprache"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9699","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/50"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9699"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9699\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21075,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9699\/revisions\/21075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9699"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9699"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}