{"id":8003,"date":"2011-03-11T21:08:36","date_gmt":"2011-03-11T20:08:36","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=8003"},"modified":"2020-07-17T12:40:07","modified_gmt":"2020-07-17T10:40:07","slug":"berlinale-nachlese-vampire-von-iwai-shunji","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=8003","title":{"rendered":"Berlinale-Nachlese: &#8222;Vampire&#8220; von Iwai Shunji"},"content":{"rendered":"<p><strong>Einer fehlt noch: Mit einiger Versp\u00e4tung folgt hier die Besprechung des Berlinale-Films &#8222;Vampire&#8220; \u2013 ein japanischer Film und doch auch wieder nicht. Iwai Shunji ist der bekannteste japanische Regisseur, der in diesem Jahr auf der Berlinale zu Gast war. Filme wie &#8222;Swallowtail Butterfly&#8220; (1996) oder &#8222;All about Lily Chou-Chou&#8220; (2001) sind auch hierzulande vielen Cineasten bekannt. Mit seinem neuen Werk &#8222;Vampire&#8220; betritt Iwai dahingehend Neuland, dass er den Film komplett in Kanada gedreht und produziert hat. <\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeit im Ausland mit englischsprachigen Schauspielern war f\u00fcr Iwai nichts v\u00f6llig Neues, schon in seiner Anfangszeit als Regisseur kam Iwai nach Europa und in die USA, um Musikvideos zu drehen. Mit dem Episodenfilm &#8222;New York, I Love You&#8220;, an dem sich u.a. auch Fatih Akin beteiligte, hat Iwai 2009 erstmals die gro\u00dfe B\u00fchne des internationalen Filmgesch\u00e4ftes betreten.<\/p>\n<p>&#8222;Vampire&#8220; ist nun ein neuer Schritt in Iwais Karriere, was allerdings nicht hei\u00dft, dass der Film kein typischer Iwai-Film ist, im Gegenteil. Wie in fr\u00fcheren Werken widmet sich Iwai mit gro\u00dfer Aufmerksamkeit solchen Menschen, die ihren Platz in der Gesellschaft nicht finden k\u00f6nnen oder wollen. Im Mittelpunkt des Films steht Simon, ein attraktiver Biologielehrer, der seinen Alltag mit gro\u00dfer Pr\u00e4zision organisiert und in einer beklemmenden Atmosph\u00e4re mit seiner dementen Mutter zusammenlebt. Simon hat eine Obsession: Menschliches Blut &#8211; aber er hat auch Prinzipien und w\u00fcrde niemals jemanden einfach nur t\u00f6ten, um an dessen Blut zu gelangen. Einen Ausweg bieten ihm solche Menschen, die sowieso vorhaben, sich das Leben zu nehmen. Simon geht mit diesen Menschen, die er \u00fcber das Internet kennenlernt, eine seltsame Schicksalsgemeinschaft ein, die den Zuschauer zugleich befremden und faszinieren muss.<\/p>\n<p>Trotz einiger weniger nicht ganz leicht verdaulicher Szenen ist &#8222;Vampire&#8220; kein Horrorfilm, wie der Titel vermuten lassen k\u00f6nnte. Es geht vielmehr um menschliche Beziehungen, die Flucht in virtuelle Welten und die Bedeutung des Lebens und des Sterbens selbst. Iwai gelingt es allerdings nicht immer, diese Themen wirklich tief zu ergr\u00fcnden: Er setzt viele Symbole ein, und man hat das Gef\u00fchl, dass er manchmal zu sehr in diese verliebt ist, an ihnen haften bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<div id=\"attachment_8006\" style=\"width: 376px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?attachment_id=8006\" rel=\"attachment wp-att-8006\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8006\" class=\"size-full wp-image-8006  \" title=\"iwai\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/iwai.jpg\" alt=\"\" width=\"366\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/iwai.jpg 571w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/iwai-300x193.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 366px) 100vw, 366px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8006\" class=\"wp-caption-text\">Autogramm von Iwai Shunji<\/p><\/div>\n<p>Was an &#8222;Vampire&#8220; wirklich fasziniert, sind die Produktionsumst\u00e4nde: Iwai hat den Film komplett auf einer Canon 5D, das hei\u00dft einer Spiegelreflexkamera gedreht. Er hat das Drehbuch geschrieben, den Film produziert, Regie gef\u00fchrt, die Kamera selbst gehalten, den Film selbst geschnitten und sogar die Musik zum Film noch selbst komponiert. Das hat ihn, wie er bei der Berlinale berichtete, teilweise vor ziemliche Schwierigkeiten gestellt. So musste er die Schauspieler f\u00fchren und gleichzeitig bei der Kamera die Sch\u00e4rfe ziehen. Eine interessante Erfahrung, auf die Iwai in Zukunft aber wohl verzichten wird: &#8222;honestly I don&#8217;t want to do it anymore&#8220;, lautete sein Fazit.<\/p>\n<p><em>Elisabeth Scherer<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer fehlt noch: Mit einiger Versp\u00e4tung folgt hier die Besprechung des Berlinale-Films &#8222;Vampire&#8220; \u2013 ein japanischer Film und doch auch wieder nicht. Iwai Shunji ist der bekannteste japanische Regisseur, der in diesem Jahr auf der Berlinale zu Gast war. Filme wie &#8222;Swallowtail Butterfly&#8220; (1996) oder &#8222;All about Lily Chou-Chou&#8220; (2001) sind auch hierzulande vielen Cineasten bekannt. Mit seinem neuen Werk &#8222;Vampire&#8220; betritt Iwai dahingehend Neuland, dass er den Film komplett in Kanada gedreht und produziert hat. Die Arbeit im Ausland mit englischsprachigen Schauspielern war f\u00fcr Iwai nichts v\u00f6llig Neues, schon in seiner Anfangszeit als Regisseur kam Iwai nach Europa und in die USA, um Musikvideos zu drehen. Mit dem Episodenfilm &#8222;New York, I Love You&#8220;, an dem sich u.a. auch Fatih Akin beteiligte, hat Iwai 2009 erstmals die gro\u00dfe B\u00fchne des internationalen Filmgesch\u00e4ftes betreten. &#8222;Vampire&#8220; ist nun ein neuer Schritt in Iwais Karriere, was allerdings nicht hei\u00dft, dass der Film kein typischer Iwai-Film ist, im Gegenteil. 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