{"id":7933,"date":"2011-03-02T16:40:19","date_gmt":"2011-03-02T15:40:19","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=7933"},"modified":"2020-07-03T01:44:25","modified_gmt":"2020-07-02T23:44:25","slug":"7933","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=7933","title":{"rendered":"&#8222;FIT&#8220; &#8211; Kampf um Individualit\u00e4t auf der Berlinale"},"content":{"rendered":"<p>Eine japanische Versandfirma, ein Mann, der abends nur mit einem blauen Regencape und einer bestickten Plastikmaske vor die T\u00fcr geht, eine Frau, die ihren psychisch kranken Bruder pflegt &#8211; der Film <em>FIT<\/em> (Regisseur: Hiromasa Hirosue) zeigt in verschiedenen Konstellationen, wie Menschen in der japanischen Gesellschaft um Individualit\u00e4t k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die 106 Minuten des Films lassen sich nicht leicht zusammenfassen; dazu gibt es zu viele Figuren und Szenarien. Zum einen gibt es Sagawa (Hiromasa Hirosue), der in einer Versandfirma angestellt ist und in seiner Freizeit mit Regencape und Maske bekleidet durch die Tokyoter Stra\u00dfen l\u00e4uft. Nitta (Shine Midori) hat ihre Gro\u00dfmutter gepflegt und ist seit deren Tod einsam. Deshalb ruft sie t\u00e4glich in der Versandfirma mit fingierten Beschwerden an. Die neue Angestellte \u00d4ki k\u00fcmmert sich um diese Beschwerden, sie freundet sich mit Nitta an. In einem Gespr\u00e4ch gesteht sie ihre ungewollte Schwangerschaft. Au\u00dferdem gibt es noch Tahara (Nimiki Akie), die mit ihrem psychisch erkrankten Bruder Masaru (Arai Hideyuki) zusammenlebt und sich um ihn k\u00fcmmert. Alle haben gemeinsam, dass sie nicht 100%ig in die gesellschaftlichen Strukturen passen und dennoch abh\u00e4ngig sind. Sie k\u00e4mpfen mit ihren \u00c4ngsten, Unsicherheiten und ihrer Einsamkeit im allt\u00e4glichen Leben.<\/p>\n<p>Dem Regisseur gelingt es, fragmentarisch und episodenhaft die Personen miteinander in Beziehung zu setzen, indem er immer nur eine oder zwei Figuren fokussiert. Die Individuen geben den Anschein, in der Gesellschaft verankert zu sein, sind aber bei genauer Betrachtung gleichzeitig losgel\u00f6st von sozialen Normen. Man k\u00f6nnte meinen, dass der Film einen melancholischen Beigeschmack beim Zuschauer hinterl\u00e4sst; durch einen ungew\u00f6hnlichen Rhythmus langsamer Einstellungen und schneller Schnitte und durch den Einsatz origineller, zuweilen komischer Elemente, wird der moralische Zeigefinger aber weggelassen.<\/p>\n<p>Ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Low-Budget-Film \u00fcber die Befindlichkeiten von Individuen in der heutigen Zeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine japanische Versandfirma, ein Mann, der abends nur mit einem blauen Regencape und einer bestickten Plastikmaske vor die T\u00fcr geht, eine Frau, die ihren psychisch kranken Bruder pflegt &#8211; der Film FIT (Regisseur: Hiromasa Hirosue) zeigt in verschiedenen Konstellationen, wie Menschen in der japanischen Gesellschaft um Individualit\u00e4t k\u00e4mpfen. Die 106 Minuten des Films lassen sich nicht leicht zusammenfassen; dazu gibt es zu viele Figuren und Szenarien. Zum einen gibt es Sagawa (Hiromasa Hirosue), der in einer Versandfirma angestellt ist und in seiner Freizeit mit Regencape und Maske bekleidet durch die Tokyoter Stra\u00dfen l\u00e4uft. Nitta (Shine Midori) hat ihre Gro\u00dfmutter gepflegt und ist seit deren Tod einsam. Deshalb ruft sie t\u00e4glich in der Versandfirma mit fingierten Beschwerden an. Die neue Angestellte \u00d4ki k\u00fcmmert sich um diese Beschwerden, sie freundet sich mit Nitta an. In einem Gespr\u00e4ch gesteht sie ihre ungewollte Schwangerschaft. Au\u00dferdem gibt es noch Tahara (Nimiki Akie), die mit ihrem psychisch erkrankten Bruder Masaru (Arai Hideyuki) zusammenlebt und sich um ihn k\u00fcmmert. 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