{"id":4818,"date":"2010-03-02T16:35:31","date_gmt":"2010-03-02T15:35:31","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=4818"},"modified":"2020-07-17T12:13:53","modified_gmt":"2020-07-17T10:13:53","slug":"berlinale-nachlese-sona-the-other-myself","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=4818","title":{"rendered":"Berlinale-Nachlese: Sona \u2013 the Other Myself"},"content":{"rendered":"<p>Ein gro\u00dfer Pluspunkt der Berlinale ist es, durch Filme Einblicke in L\u00e4nder und Gesellschaften zu bekommen, zu denen man normalerweise keinen Zugang hat. Schon allein deshalb ist der Dokumentarfilm <a href=\"http:\/\/www.berlinale.de\/external\/de\/filmarchiv\/doku_pdf\/20101887.pdf\"><em>Sona \u2013 the Other Myself <\/em><\/a>(2009) ein lohnender Film. Wo sonst kann man ein Nordkorea abseits von Milit\u00e4rparaden und Propaganda erleben und am Leben einer ganz normalen Familie in Nordkorea teilhaben?<\/p>\n<p>Zwar dringt das Politische auch in das gezeigte Privatleben ein, z.B. wenn die kleine Sona vor der Kamera Lieder \u00fcber den \u201egro\u00dfen F\u00fchrer Nordkoreas\u201c singt. Zudem ist Yangs Familie durch ihren engen Kontakt mit Japan auch nicht unbedingt typisch. Dennoch kann man ein Nordkorea erleben, das in der Berichterstattung der Medien sonst kaum einen Platz findet.<\/p>\n<p><em>Sona \u2013 the Other Myself<\/em> (\u30bd\u30ca\u3001\u3082\u3046\u3072\u3068\u308a\u306e\u79c1) ist der zweite Dokumentarfilm der Japankoreanerin Yang Yong-hi, die sich schon in <a href=\"http:\/\/www.berlinale.de\/external\/en\/filmarchiv\/doku_pdf\/20062287.pdf\"><em>Dear Pyongyang<\/em><\/a> (2005) mit ihrer Familiengeschichte zwischen Nordkorea und Japan auseinandergesetzt hat. Im Mittelpunkt von <em>Dear Pyongyang<\/em> stand Yangs Vater, der ein f\u00fchrendes Mitglied der nordkoreanisch affiliierten Organisation der koreanischen Minderheit in Japan war und in den 70er Jahren seine S\u00f6hne nach Nordkorea schickte, weil er in Japan keine Zukunft f\u00fcr sie sah und Nordkorea f\u00fcr die in Japan lebenden Koreaner als der sozialistische Himmel auf Erden dargestellt wurde. Yang, die ihren Vater daf\u00fcr verantwortlich machte, dass ihre Familie auseinandergerissen wurde, versuchte durch ihren Film zu verstehen, warum ihr Vater dies tun konnte und besuchte ihre drei \u00e4lteren Br\u00fcder und deren Familien in Pj\u00f6ngjang.<\/p>\n<p><em>Dear Pyongyang<\/em> wie auch <em>Sona<\/em> zeigt Videos von den seltenen Familienzusammenk\u00fcnften in Nordkorea auf der einen Seite, und von Yang Yong-his Eltern in \u014csaka auf der anderen Seite; von riesigen Care-Paketen, Briefen und langen Ferngespr\u00e4chen am Telefon. Zusammengehalten werden die Szenen durch den Audiokommentar Yangs, der auch teilweise als Untertitel eingeblendet wird.<\/p>\n<p>In <em>Sona \u2013 the Other Myself <\/em>geht es um die Nichte Yang Yong-his, die in Nordkorea lebt. 1995 begegnet sie Sona zum ersten Mal. In einem Interview sagte Yang sie habe sofort einen Film \u00fcber ihre Nichte drehen wollen, aber zun\u00e4chst an ein Familienvideo gedacht, das schrittweise das Erwachsenwerden Sonas verfolgt und das sie dann auf der Hochzeit Sonas zeigen wollte. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter, als Yang in New York Dokumentarfilm studierte, griff sie die Idee von einem Film \u00fcber ihre Familie wieder auf, aber fokussierte diesen auf ihren Vater, auch um ihre Familie in Nordkorea zu sch\u00fctzen. Das Material von <em>Sona<\/em> stammt gr\u00f6\u00dftenteils aus der gleichen Zeit wie die Aufnahmen aus <em>Dear Pyongyang<\/em> mit einigen erg\u00e4nzenden neueren Aufnahmen.<\/p>\n<p>Yang erkennt sich selbst in Sona wieder. Auch wenn sie nicht so weit geht, Sona als ein Spiegelbild ihrer selbst zu sehen, sieht sie doch deutliche Parallelen. Beide sind das einzige M\u00e4dchen in einer Familie mit drei \u00e4lteren Br\u00fcdern. Beide mussten fr\u00fch erleben, wie ihre Familie auseinanderbricht: Yang Yong-hi durch die Trennung von ihren Br\u00fcdern und Sona durch die Scheidung ihrer Eltern und sp\u00e4ter den Tod ihrer Stiefmutter. Und beide stehen an der Grenze zwischen zwei Kulturen: Yang Yong-hi als Angeh\u00f6rige der koreanischen Minderheit in Japan und Sona, durch ihre Kontakte zu ihrer Familie in Japan. Im Audiokommentar zu <em>Sona \u2013 the Other Myself<\/em> sagt Yang sie hoffe, dass sich dieser Kontakt f\u00fcr Sona nicht zu einer B\u00fcrde entwickle. Abgesehen davon ist es nat\u00fcrlich f\u00fcr Yangs Familie in Pj\u00f6ngjang auch nicht ungef\u00e4hrlich namentlich in den Dokumentationen genannt zu werden.<\/p>\n<p>Auch wenn Yang betont, dass ihre Familie ausdr\u00fccklich die Erlaubnis f\u00fcr ihr Projekt gegeben habe, wurde ihr vorgeworfen ihre Familie zu verkaufen.<\/p>\n<p>Durch die Verwendung der Familienvideos hat der Film einen sehr privaten und intimen Charakter, der in manchen Szenen mit dem tats\u00e4chlichen Medium, dem eines Dokumentarfilms im Widerspruch zu stehen scheint. Wenn Yang beispielsweise ihren von einem Schlaganfall gezeichneten Vater filmt, wirkt der Blick der Kamera beinahe zu voyeuristisch.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite, wenn man die Geschichte des Erwachsenwerdens Sonas und damit verbunden die Geschichte der ganzen Familie Yangs \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum dokumentiert, dann ist es nur nat\u00fcrlich und ehrlich auch die Dinge zu zeigen, die zwar schmerzhaft sind, aber trotzdem zum Leben dazugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dadurch, dass Yang ihre privaten Erinnerungen mit uns teilt, macht sie uns zum Teil ihrer Familie. Wir nehmen Teil an ihrer Freude und ihrem Leid. Letztendlich ist es das, was diesen Film so besonders macht.<\/p>\n<p>Den Trailer zu <em>Dear Pyongyang <\/em>findet Ihr <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tPyRemiKVAE\">hier<\/a>.<\/p>\n<p><em>Verfasst von Stephanie Klasen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein gro\u00dfer Pluspunkt der Berlinale ist es, durch Filme Einblicke in L\u00e4nder und Gesellschaften zu bekommen, zu denen man normalerweise keinen Zugang hat. Schon allein deshalb ist der Dokumentarfilm Sona \u2013 the Other Myself (2009) ein lohnender Film. Wo sonst kann man ein Nordkorea abseits von Milit\u00e4rparaden und Propaganda erleben und am Leben einer ganz normalen Familie in Nordkorea teilhaben? Zwar dringt das Politische auch in das gezeigte Privatleben ein, z.B. wenn die kleine Sona vor der Kamera Lieder \u00fcber den \u201egro\u00dfen F\u00fchrer Nordkoreas\u201c singt. Zudem ist Yangs Familie durch ihren engen Kontakt mit Japan auch nicht unbedingt typisch. Dennoch kann man ein Nordkorea erleben, das in der Berichterstattung der Medien sonst kaum einen Platz findet. Sona \u2013 the Other Myself (\u30bd\u30ca\u3001\u3082\u3046\u3072\u3068\u308a\u306e\u79c1) ist der zweite Dokumentarfilm der Japankoreanerin Yang Yong-hi, die sich schon in Dear Pyongyang (2005) mit ihrer Familiengeschichte zwischen Nordkorea und Japan auseinandergesetzt hat. 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