{"id":4741,"date":"2010-02-22T17:53:09","date_gmt":"2010-02-22T16:53:09","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=4741"},"modified":"2020-07-17T12:13:18","modified_gmt":"2020-07-17T10:13:18","slug":"4741","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=4741","title":{"rendered":"Berlinale-Nachlese: Parade"},"content":{"rendered":"<p>Yukisada Isao ist bereits ein echter Berlinale-Profi. <a href=\"http:\/\/http:\/\/www.berlinale.de\/external\/de\/filmarchiv\/doku_pdf\/20106146.pdf\">Parade<\/a>, eine Adaption eines Romans von Yoshida Shuichi, der daf\u00fcr 2002 den Yamamoto Shugoro-Preis gewann, ist schon der dritte Film, den er auf der Berlinale pr\u00e4sentiert (GO 2002, Kyo no dekigoto 2004).<\/p>\n<p>Vier junge Leute wohnen zusammen in einer WG, aber haben sonst nicht viel gemeinsam. Ryosuke ist Student, jobbt nebenher und ist in die Freundin eines Freundes verliebt. Kotomi ist arbeitslos und schaut den ganzen Tag fern. Am liebsten guckt sie dorama in denen ihr Freund mitspielt, der sie ab und zu mal anruft, wenn er Sex haben will. Mirai ist Zeichnerin und verbringt die Abende in irgendwelchen Bars. Naoki ist scheinbar der normalste unter den WG-Bewohnern. Er arbeitet f\u00fcr einen Filmverleih und ist der Hauptmieter der Wohnung. Eines Morgens finden die Mitbewohner Satoru schlafend auf ihrem Wohnzimmersofa. Anscheinend hat Mirai den Stricher auf einer ihrer abendlichen Streifz\u00fcge aufgegabelt und mit nach Hause genommen, auch wenn sie sich nicht mehr daran erinnern kann. Satoru bleibt und wird in die Gemeinschaft mit aufgenommen als w\u00e4re er schon immer da gewesen. Als in der Nachbarschaft ein Killer umgeht, der nachts Frauen \u00fcberf\u00e4llt, wird deutlich wie wenig die Mitbewohner voneinander wirklich wissen.<\/p>\n<p>Parade kritisiert die Oberfl\u00e4chlichkeit der heutigen (japanischen) Gesellschaft. F\u00fcr das reibungslose Zusammenleben ist es notwendig in den gemeinsamen Raum nur das hineinzutragen, was f\u00fcr alle akzeptabel ist. Man isst zusammen, lacht zusammen und schaut zusammen fern, aber seine Geheimnisse beh\u00e4lt man lieber f\u00fcr sich. Umgekehrt sieht man von den Anderen auch nur so viel wie sie zeigen wollen, auch wenn alle eigentlich Bescheid wissen.<\/p>\n<p>Yukisada treibt diese Toleranz in seinem Film bis ins Absurde, wenn sich herausstellt, dass einer der WG-Bewohner ein M\u00f6rder ist \u2013 und alle wissen es schon lange.<\/p>\n<p>Andererseits ist Parade auch ein ausgesprochen unterhaltsamer Film mit vielen kleinen witzigen Szenen, z.B. wenn Ryosuke und Kotomi versuchen herauszufinden, ob in der Nachbarwohnung ein Bordell betrieben wird.<\/p>\n<p>Positiv hervorzuheben ist auch das hervorragende Cast, insbesondere Hayashi Kento als abgebr\u00fchtes Stra\u00dfenkind Satoru und Kanjiya Shihori als Kotomi.<\/p>\n<p>Ein Grund zur Freude: Parade gewann auf der Berlinale den FIPRESCI-Award (F\u00e9d\u00e9ration Internationale de la Presse Cin\u00e9matographique) als bester Film in der Sektion Panorama.<\/p>\n<p>Stephanie Klasen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Yukisada Isao ist bereits ein echter Berlinale-Profi. Parade, eine Adaption eines Romans von Yoshida Shuichi, der daf\u00fcr 2002 den Yamamoto Shugoro-Preis gewann, ist schon der dritte Film, den er auf der Berlinale pr\u00e4sentiert (GO 2002, Kyo no dekigoto 2004). Vier junge Leute wohnen zusammen in einer WG, aber haben sonst nicht viel gemeinsam. Ryosuke ist Student, jobbt nebenher und ist in die Freundin eines Freundes verliebt. Kotomi ist arbeitslos und schaut den ganzen Tag fern. Am liebsten guckt sie dorama in denen ihr Freund mitspielt, der sie ab und zu mal anruft, wenn er Sex haben will. Mirai ist Zeichnerin und verbringt die Abende in irgendwelchen Bars. Naoki ist scheinbar der normalste unter den WG-Bewohnern. Er arbeitet f\u00fcr einen Filmverleih und ist der Hauptmieter der Wohnung. Eines Morgens finden die Mitbewohner Satoru schlafend auf ihrem Wohnzimmersofa. Anscheinend hat Mirai den Stricher auf einer ihrer abendlichen Streifz\u00fcge aufgegabelt und mit nach Hause genommen, auch wenn sie sich nicht mehr daran erinnern kann. 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