{"id":3001,"date":"2009-08-05T10:42:01","date_gmt":"2009-08-05T09:42:01","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=3001"},"modified":"2020-07-17T11:58:13","modified_gmt":"2020-07-17T09:58:13","slug":"die-muhlen-der-burokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=3001","title":{"rendered":"Erfahrungsbericht aus Japan: Die M\u00fchlen der B\u00fcrokratie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2086 aligncenter\" title=\"banner-blog\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/banner-blog.jpg\" alt=\"banner-blog\" width=\"400\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/banner-blog.jpg 400w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/banner-blog-300x112.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Der n\u00e4chste Beitrag von unseren Austauschstudierenden kommt aus Chiba von<strong> Neeltje Schubert<\/strong>, die von ihren Erfahrungen mit der japanischen B\u00fcrokratie und ihrem spannenden Bachelorprojekt berichtet &#8211; viel Spa\u00df beim Lesen und vielen Dank an unsere Gastautorin!<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_3006\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3006\" class=\"wp-image-3006 size-large\" title=\"Rillakuman in Akiba\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Rillakuman-in-Akiba-1024x768.jpg\" alt=\"Rillakuman in Akiba\" width=\"625\" height=\"469\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Rillakuman-in-Akiba-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Rillakuman-in-Akiba-300x225.jpg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Rillakuman-in-Akiba-768x576.jpg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Rillakuman-in-Akiba-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Rillakuman-in-Akiba.JPG 2048w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><p id=\"caption-attachment-3006\" class=\"wp-caption-text\">(C) Neeltje Schubert<\/p><\/div>\n<p>Nun bin ich seit ca. 10 Monaten hier in Chiba und habe schon diverse Zusammenst\u00f6\u00dfe mit der B\u00fcrokratie gehabt. Man muss Formulare noch einmal komplett ausf\u00fcllen, sollte man sich auch nur einmal verschrieben haben. Man rennt auch locker w\u00e4hrend dem Versuch, ein Konto zu er\u00f6ffnen, f\u00fcnf mal hin und zur\u00fcck zu seiner Bank, weil dies und jenes noch fehlt oder weil diese Filiale deinen Wohnort nicht abdeckt, und so weiter und so fort. Man bekommt sogar im Unterricht von japanischen Lehrern erz\u00e4hlt, wie getrimmt die japanische Servicewelt ist. Es gibt diverse Probleme mit diversen L\u00f6sungss\u00e4tzen, welche das Servicepersonal brav auswendig lernt und artig herunterspult, sollte diese Problem auftreten. Ist dein Problem nun aber keines der genannten oder auch nur ein Grenzfall, dann kannst du dir die immer gleichen Floskeln anh\u00f6ren, die dich nicht weiterbringen, bist du resigniert aufgibst oder dich an den Chef-Chef wendest, der immerhin etwa Individualit\u00e4t aufweist. Individualit\u00e4t ist hier eh eine Rarit\u00e4t.<br \/>\nZudem bist du hier als Ausl\u00e4nder auch eh was ganz besonderes und jagst diversen Leuten tats\u00e4chlich auch Angst ein. So kommt es des \u00f6fteren vor, dass du in ein Koban (Polizeibox) eintrittst, um nach dem Weg zu fragen und der Beamte das Wort \u201ePanik\u201c in den Augen stehen hat und nach hinten flieht, um einen Kollegen vorzuschicken. Und das, obwohl die japanische Polizei ja als wirklich hilfsbereit gilt! Auch die diversen Blicke, die man hier (vor allem als blonde Frau mit einem 2 Meter langen Freund) einsammelt sind kurios und wecken in mir den Wunsch, ein T-Shirt mit der Aufschrift \u300c\u4e00\u56de\u898b\u305f\u3089\u3001500\u5186\u3092\u304a\u9858\u3044\u3057\u307e\u3059\uff01\u300d(\u201eEinmal schauen, 500 Yen\u201c) zu erstellen. Nicht selten f\u00fchlt man sich wie ein Zootier.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und nun wage ich es auch noch ein Krankenhaus mit einer unglaublich kuriosen Bitte zu betreten. Zur\u00fcck in Deutschland m\u00f6chte ich meine Bachelor Arbeit zu dem Thema \u201eHebammen in Japan\u201c schreiben und bin daher am Materialien und Infos suchen. Unter anderem wollte ich einen japanischen Krei\u00dfsaal mal von innen sehen und mit dem Personal sprechen. Mit diesem Anliegen trat ich dann gemeinsam mit meiner Tutorin in das B\u00fcro der medizinischen Fakult\u00e4t der Uni Chiba. Tutorin Hiromi beruhigte die Gesellschaft zuerst, aber nach Nennung des Anliegens war erst mal Ruhe und Austauschen unsicherer Blicke angesagt. \u201eDas hat bisher noch keiner gefragt.\u201c Ja nu, is ja ein \u00f6ffentlicher Raum, oder nich? Ich will keine Internas klauen.<br \/>\nNach intensiver Beratung entschied sich die Belegschaft mir die schwere Aufgabe einer Bewerbung aufzudr\u00fccken \u2013 wohl einerseits um sich selber Bedenkzeit zu geben, andererseits in der Hoffnung, mich zur Aufgabe zu zwingen. Aber mit Hiromis Hilfe lieferte ich die Bewerbung eine Woche sp\u00e4ter im sp\u00e4ten Mai diesen Jahres ab. Dass daraufhin nicht noch ein Bewerbungsgespr\u00e4ch folgte war alles&#8230; \ud83d\ude09<br \/>\nMitte Juni bekam ich dann endlich Nachricht und vor zwei Wochen durfte ich dann tats\u00e4chlich rein. Und das Warten und der Stress haben sich wirklich gelohnt! Denn wenn du dann einmal durch die Grenzen durch bist, dann bekommst du aber auch alles, was sie geben k\u00f6nnen. Und so wurden all meine Fragen geduldig beantwortet, meine fehlenden Keigo Kenntnisse verziehen und ich durfte sogar Fotos machen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3010\" title=\"Gyn\u00e4kologenstuhl\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Gyn\u00e4kologenstuhl-225x300.jpg\" alt=\"Gyn\u00e4kologenstuhl\" width=\"203\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Gyn\u00e4kologenstuhl-225x300.jpg 225w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Gyn\u00e4kologenstuhl-768x1024.jpg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Gyn\u00e4kologenstuhl-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Gyn\u00e4kologenstuhl-420x560.jpg 420w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Gyn\u00e4kologenstuhl.JPG 1536w\" sizes=\"(max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/p>\n<p>Vor ein paar Wochen habe ich zudem eine japanische Hebamme interviewt, die mir drei Stunden lang relativ frei \u00fcber ihren Beruf erz\u00e4hlt hat \u2013 Fragen waren kaum n\u00f6tig. Auch hier wieder kaum in Worte zu fassende Hilfsbereitschaft.<br \/>\nWas das Krankenhaus angeht, es ist wirklich nicht sch\u00f6n, aber ich denke, da wird es hier wie in Deutschland gravierende Unterschiede zwischen den diversen Krankenh\u00e4usern geben. Die Privatsph\u00e4re ist so eine Sache, teils hoch gesch\u00e4tzt (Frauen werden von der H\u00fcfte ab mit einem Vorhang versteckt, w\u00e4hrend sie untersucht werden) und dann wieder sehr niedrig (f\u00fcr \u201ewestliche\u201c F\u00fchlweise). Aber ich denke, das resultiert auch aus dem Rudelverhalten, welches hier sehr ausgepr\u00e4gt ist. Und so wird hier einiges, was uns Euop\u00e4ern zu nah ist, als normal empfunden.<\/p>\n<div id=\"attachment_3008\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3008\" class=\"wp-image-3008 size-large\" title=\"Fr\u00fchst\u00fcck im Ryokan\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Fr\u00fchst\u00fcck-im-Ryokan-1024x768.jpg\" alt=\"Fr\u00fchst\u00fcck im Ryokan\" width=\"625\" height=\"469\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Fr\u00fchst\u00fcck-im-Ryokan-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Fr\u00fchst\u00fcck-im-Ryokan-300x225.jpg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Fr\u00fchst\u00fcck-im-Ryokan-768x576.jpg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Fr\u00fchst\u00fcck-im-Ryokan-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Fr\u00fchst\u00fcck-im-Ryokan.JPG 2048w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><p id=\"caption-attachment-3008\" class=\"wp-caption-text\">(C) Neeltje Schubert<\/p><\/div>\n<p>Am Wochenende beispielsweise war ich in einem Ryokan. Da wurde uns das Essen im Zimmer serviert. Sehr spannend und interessant, aber f\u00fcr mich als Europ\u00e4er war das komisch, dass ohne gro\u00dfe Vorwarnung eine Frau in meinem Zimmer steht und mir mein Essen zubereitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der n\u00e4chste Beitrag von unseren Austauschstudierenden kommt aus Chiba von Neeltje Schubert, die von ihren Erfahrungen mit der japanischen B\u00fcrokratie und ihrem spannenden Bachelorprojekt berichtet &#8211; viel Spa\u00df beim Lesen und vielen Dank an unsere Gastautorin! Nun bin ich seit ca. 10 Monaten hier in Chiba und habe schon diverse Zusammenst\u00f6\u00dfe mit der B\u00fcrokratie gehabt. Man muss Formulare noch einmal komplett ausf\u00fcllen, sollte man sich auch nur einmal verschrieben haben. Man rennt auch locker w\u00e4hrend dem Versuch, ein Konto zu er\u00f6ffnen, f\u00fcnf mal hin und zur\u00fcck zu seiner Bank, weil dies und jenes noch fehlt oder weil diese Filiale deinen Wohnort nicht abdeckt, und so weiter und so fort. Man bekommt sogar im Unterricht von japanischen Lehrern erz\u00e4hlt, wie getrimmt die japanische Servicewelt ist. Es gibt diverse Probleme mit diversen L\u00f6sungss\u00e4tzen, welche das Servicepersonal brav auswendig lernt und artig herunterspult, sollte diese Problem auftreten. 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