{"id":26349,"date":"2025-04-30T14:29:16","date_gmt":"2025-04-30T12:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=26349"},"modified":"2025-04-30T14:32:20","modified_gmt":"2025-04-30T12:32:20","slug":"auslandsaufenthalt-an-der-tsukuba-universitaet-ein-bericht-von-alida-tendahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=26349","title":{"rendered":"Auslandsaufenthalt an der Tsukuba-Universit\u00e4t &#8211; Ein Bericht von Alida Tendahl"},"content":{"rendered":"<p><em>Ihr spielt mit dem Gedanken ein Auslandsjahr in Japan anzutreten? Bevor ihr euch aber entscheidet, m\u00f6chtet ihr gerne ein paar Erfahrungen von Studierenden h\u00f6ren und euch \u00fcber m\u00f6gliche Herausforderungen und bevorstehende Eindr\u00fccke bei so einem Auslandsstudium informieren? In diesem Interview-Beitrag berichtet uns die Bachelorstudierende Alida Tendahl freundlicherweise \u00fcber ihre Zeit an der Tsukuba-Universit\u00e4t:<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie liefen f\u00fcr dich die ersten Wochen nach Ankunft in Japan ab? Was erleichterte oder erschwerte f\u00fcr dich die Eingew\u00f6hnung vor Ort?<\/strong><br \/>\nDie erste Woche war ein Wechselbad der Gef\u00fchle. Ich hatte mich wahnsinnig drauf gefreut, endlich wieder in Japan zu sein (Ich war mit 15 schonmal f\u00fcr ein Jahr dr\u00fcben), aber genauso stark habe ich meine FreundInnen in Deutschland vermisst. Tsukuba \u2013 obgleich ich mich bewusst f\u00fcr die Stadt entschieden hatte \u2013 wirkte erstmal wie ein kleines Dorf, bei dem ich mir nicht sicher war, ob ich mich dort ein Jahr lang wohlf\u00fchlen w\u00fcrde. Erleichtert wurde mir die Ankunft und die Eingew\u00f6hnungsphase dann jedoch durch meine Freundinnen aus der Schulzeit, die sich mit mir getroffen haben und zwei Freundinnen aus Deutschland, die mit mir die vielen neuen Eindr\u00fccke geteilt haben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Was gefiel dir an deiner Austauschuniversit\u00e4t und was gefiel dir eher weniger?<\/strong><br \/>\nEigentlich hat mir die Tsukuba Universit\u00e4t wirklich gut gefallen. Die Sprachkurse waren, f\u00fcr mich pers\u00f6nlich, fordernd und unterhaltsam und es war vergleichsweise einfach Anschluss zu finden. Der Campus ist gro\u00df und \u00fcbersichtlich aufgeteilt und da die Austauschstudierenden in der N\u00e4he des Campus leben, konnte ich ein Jahr lang das ungewohnte Gef\u00fchl genie\u00dfen, nur f\u00fcnf Minuten zur Uni zu ben\u00f6tigen. Das Essen in den Mensen war auch lecker!<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-26351\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_9395-min-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1920\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_9395-min-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_9395-min-300x225.jpeg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_9395-min-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_9395-min-768x576.jpeg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_9395-min-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_9395-min-2048x1536.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/> <em>Das Bild zeigt den Bahnhofsvorplatz in Tsukuba.<\/em><\/p>\n<p><strong>Welche Kurse hast du an deiner Austauchuniversit\u00e4t besucht?<\/strong><br \/>\nIch bin in dem Jahr \u00fcberwiegend einem Interesse nachgegangen, f\u00fcr das MoJa leider noch nicht allzu viele Kurse anbietet: Literatur! Eine sehr nette Professorin, Eguchi Maki, hat immer sehr pro-aktiv ausl\u00e4ndische Studierende in ihre Kurse aufgenommen und somit hatte ich das Jahr \u00fcber Gelegenheit, Dinge \u00fcber Animal Studies in und die \u00dcbersetzung von japanischer Literatur zu lernen.<\/p>\n<p><strong>Wie bist du mit dem Japanisch-Niveau in den Kursen zurechtgekommen? Konntest du deine Japanisch-Kenntnisse im Alltag gut anwenden?<\/strong><br \/>\nDa ich mit anderen Japanisch-Vorkenntnissen ins MoJa Studium gegangen bin als wohl die Mehrheit, kann ich pers\u00f6nlich nicht beurteilen, wie gut die Kurse nach SM4 zu bew\u00e4ltigen sind. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich waren die Sprachkurse jedoch perfekt ausgelegt. In den normalen thematischen Kursen war es zwar teilweise noch etwas anstrengend zuzuh\u00f6ren, aber nach einem Semester bin ich gut drin gewesen und hab mich sogar immer drauf gefreut, neue Vokabeln zu lernen.<\/p>\n<p><strong>Hast du irgendwelche Schockerlebnisse oder negativen Erfahrungen in Japan gemacht?<\/strong><br \/>\nEs war nichts Schreckliches, aber ich bin dem Ky\u016bd\u014d Club beigetreten, worauf ich mich sehr gefreut hatte. Mir wurde allerdings schnell bewusst, dass ich in dem Club keinen Anschluss finden w\u00fcrde. Am Ende bin ich nicht mehr zum Training gegangen, da ich eh die meiste Zeit alleine war und kaum mit jemandem reden konnte. Das lag aber sicherlich nicht nur an den japanischen Mitgliedern, sondern auch an mir.<\/p>\n<p><strong>Gibt es einen Ort in Japan, wo du besonders gerne hingegangen bist oder den du empfehlen m\u00f6chtest?<\/strong><br \/>\nFukuoka! Das kommt jetzt wahrscheinlich unerwartet, weil es so weit weg ist, aber ich war das erste Mal da, obwohl ich schon ewig hin wollte. Ich kannte dort auch jemanden, was den Kurztrip (naja, \u201ekurz\u201c; es waren f\u00fcnf Tage) noch mehr vers\u00fc\u00dft hat.<br \/>\nIch m\u00f6chte aber auch allen einen Tagestrip nach Tsukuba empfehlen! Der Berg ist in jeder Jahreszeit ganz sch\u00f6n und oben am Gipfel gibt es ein Hotel mit Onsen. Ansonsten gibt es ein Kunstmuseum und ein kleines Naturkunde-Museum mit Planetarium. Auch die Japanese Space Agency (JAXA) hat ihren Hauptsitz in Tsukuba und bietet F\u00fchrungen an. Von Toky\u014d aus kommt man \u00fcbrigens in circa einer Stunde nach Tsukuba.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-26353\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4522-min-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1920\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4522-min-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4522-min-300x225.jpeg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4522-min-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4522-min-768x576.jpeg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4522-min-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/IMG_4522-min-2048x1536.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/> <em>Ein Bild von der Reise nach Fukuoka.<\/em><\/p>\n<p><strong>Gibt es etwas, das du w\u00e4hrend deiner Zeit in Japan aus deiner gewohnten deutschen Umgebung vermisst hast? Zum Beispiel etwas Bestimmtes zu essen?<\/strong><br \/>\n\u2026mein gutes, deutsches Kopfkissen. (Lach) Mein Kopfkissen im Wohnheim war ein Stein und hat mir, sprichw\u00f6rtlich, Kopfschmerzen bereitet. Aber sonst? Hmmm, nicht wirklich. Ich bin etwas seltsam, denn ich mag japanisches Brot viel lieber als deutsches. Eigentlich ist es umgekehrt: Ich vermisse mittlerweile japanisches Essen.<\/p>\n<p><strong>Neben der Gelegenheit deiner Japanisch-Kenntnisse praktisch anzuwenden, bist du auch f\u00fcr dein Bachelorarbeitsvorhaben nach Japan gegangen. Was genau ist dein Forschungsthema?<\/strong><br \/>\nIch habe zum \u00dcberthema LGBTQ + geforscht. Meine urspr\u00fcngliche Fragestellung war: Wie verstehen und definieren Mitglieder eines universit\u00e4ren LGBT+ Zirkels ihre sexuelle bzw. geschlechtliche Identit\u00e4t? Das hat sich dann als so semi-sinnvoll herausgestellt, da ich zwar LGBTQ+ Gruppen beitreten konnte, mehr als die H\u00e4lfte meiner Interview-PartnerInnen selbst nur Allies waren. Ich habe trotzdem sehr aufschluss- und umfangreiche Interviews f\u00fchren k\u00f6nnen und bin gespannt, was sich da in Zukunft so draus ergibt.<\/p>\n<p><strong>Gab es H\u00fcrden, die du bei der Umsetzung deines Forschungsthemas \u00fcberwinden musstest?<\/strong><br \/>\nErstmal Interview-PartnerInnen zu finden war wohl die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde. Ich hatte zuvor Recherche betrieben und rausgefunden, dass die Tsukuba Universit\u00e4t einen LGBTQ+ Zirkel hat, der noch aktiv zu sein schien. Dem Zirkel habe ich mich dann ein paar Monate nach meiner Ankunft angeschlossen und hab mich tats\u00e4chlich ziemlich gut mit den Mitgliedern angefreundet. Meine ersten Gespr\u00e4chspartnerInnen habe ich aber tats\u00e4chlich in einer Art Safe Space-Workspace gefunden, der von dem Diversit\u00e4tsb\u00fcro der Uni eingerichtet wurde. Es war also vergleichsweise einfach, an der Tsukuba Universit\u00e4t die geeigneten Orte zu finden. Was dann gedauert hat war, eine pers\u00f6nliche Beziehung aufzubauen, bis ich das Gef\u00fchl hatte, ich kenne die Personen gut genug, um sie um ein Interview zu bitten.<\/p>\n<p><strong>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich dich fragen, wie bewertest du den Entschluss f\u00fcr das Auslandsjahr f\u00fcr dich pers\u00f6nlich? Inwieweit hat es dich deiner Meinung nach in der pers\u00f6nlichen Entwicklung vorangebracht?<\/strong><br \/>\nMir hat das Auslandsjahr vor allem in der Hinsicht geholfen, dass sich meine Pers\u00f6nlichkeit stark entwickelt hat. Ich lebe auch in Deutschland allein und bin Selbst\u00e4ndigkeit gewohnt, aber im Ausland allein zur Bank zu fahren oder ganz neue Verkehrssysteme zu erkunden nimmt einem schnell die Angst vor unangenehmen Fragen und Fehlern.<br \/>\nZudem habe ich einen Senpai gehabt, der mir viel von seiner Forschungst\u00e4tigkeit berichtet hat und mich damit motiviert und inspiriert hat, selbst in die Wissenschaft zu gehen. H\u00e4tte ich nicht so viel mit diesem Senpai zu tun gehabt, h\u00e4tte ich es mir mit dem geplanten Masterstudium wahrscheinlich noch einmal anders \u00fcberlegt.<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Interview, es freut mich zu h\u00f6ren, dass du eine sch\u00f6ne und produktive Zeit in Japan hattest. Nun w\u00fcnsche ich dir viel Erfolg im weiteren Studienverlauf und bei den anstehenden Aufgaben bei der Fertigstellung deines Bachelorprojekts.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Interview mit Alida Tendahl (Auslandsjahr an der Tsukuba-Universit\u00e4t).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihr spielt mit dem Gedanken ein Auslandsjahr in Japan anzutreten? Bevor ihr euch aber entscheidet, m\u00f6chtet ihr gerne ein paar Erfahrungen von Studierenden h\u00f6ren und euch \u00fcber m\u00f6gliche Herausforderungen und bevorstehende Eindr\u00fccke bei so einem Auslandsstudium informieren? In diesem Interview-Beitrag berichtet uns die Bachelorstudierende Alida Tendahl freundlicherweise \u00fcber ihre Zeit an der Tsukuba-Universit\u00e4t: Wie liefen f\u00fcr dich die ersten Wochen nach Ankunft in Japan ab? Was erleichterte oder erschwerte f\u00fcr dich die Eingew\u00f6hnung vor Ort? Die erste Woche war ein Wechselbad der Gef\u00fchle. Ich hatte mich wahnsinnig drauf gefreut, endlich wieder in Japan zu sein (Ich war mit 15 schonmal f\u00fcr ein Jahr dr\u00fcben), aber genauso stark habe ich meine FreundInnen in Deutschland vermisst. Tsukuba \u2013 obgleich ich mich bewusst f\u00fcr die Stadt entschieden hatte \u2013 wirkte erstmal wie ein kleines Dorf, bei dem ich mir nicht sicher war, ob ich mich dort ein Jahr lang wohlf\u00fchlen w\u00fcrde. 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