{"id":22693,"date":"2022-01-12T17:15:07","date_gmt":"2022-01-12T15:15:07","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=22693"},"modified":"2022-01-12T17:15:08","modified_gmt":"2022-01-12T15:15:08","slug":"akademisches-arbeiten-waehrend-der-pandemie-eine-zwischenbilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=22693","title":{"rendered":"Akademisches Arbeiten w\u00e4hrend der Pandemie &#8211; eine Zwischenbilanz"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Beitrag von Angela Schuricht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ins kalte Wasser geworfen &#8211; der Anfang<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich w\u00e4hrend meines einj\u00e4hrigen Japanaufenthaltes im Januar 2020 zum ersten Mal von der neuen Variante des Corona-Virus (\u65b0\u578b\u30b3\u30ed\u30ca\u30a6\u30a4\u30eb\u30b9) h\u00f6rte, die schon kurz darauf zu \u201euns\u201c nach Yokohama kommen sollte, war ich nur wenig besorgt. Dass innerhalb k\u00fcrzester Zeit Masken und Toilettenpapier zu Mangelware wurden, fand ich zu diesem Zeitpunkt sogar noch befremdlich. Da ich ohnehin Ende Februar wieder nach Deutschland zur\u00fcckkehren sollte, erwartete ich, dass dort alles wieder ganz normal w\u00e4re. In Deutschland w\u00e4re ich so weit weg von der Krise, die ich in Japan kennengelernt habe, dass ich niemals erwartet h\u00e4tte, dass wir 2 Jahre sp\u00e4ter noch immer inmitten einer globalen Pandemie w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch tats\u00e4chlich sollte schon etwa zwei Wochen nach meiner R\u00fcckkehr der erste Lockdown in Deutschland beschlossen werden und mir wurde der Ernst der Lage schlagartig bewusst. Auch der rasante Ausverkauf von Toilettenpapier und Masken wirkte dann gar nicht mehr so seltsam auf mich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Beginn des Sommersemesters \u00e4nderte sich das Studium f\u00fcr uns alle drastisch. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit mussten Studieninhalte digitalisiert, Online-Veranstaltungen realisiert und ein m\u00f6glichst niederschwelliger Zugang f\u00fcr alle Beteiligten gew\u00e4hrleistet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den meisten F\u00e4llen verlief der \u00dcbergang in die digitale Lehre weitgehend problemlos: Lekt\u00fcre konnte wie bisher \u00fcber ILIAS bereitgestellt und anschlie\u00dfend per Video-Chat diskutiert werden. Der regelm\u00e4\u00dfige Austausch brachte gerade w\u00e4hrend des Lockdowns ein wenig Normalit\u00e4t und Struktur in den Alltag zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund der kurzfristigen Umstellung gab es nat\u00fcrlich auch einige Herausforderungen, die bew\u00e4ltigt werden mussten: technische Probleme, Verbindungsschwierigkeiten und gemutete Mikrofone auf der einen Seite und die Vermittlung von Studieneinhalten, die eigentlich pers\u00f6n\u00adlich erfahren werden m\u00fcssten oder die Durchf\u00fchrung von Klausuren und Pr\u00fcfungen auf der anderen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders die Projektfindung im Modul \u201eBeing Academic\u201c stellte mich vor einige Heraus\u00adforderungen. Urspr\u00fcnglich wollte ich an einem Symposium teilnehmen, einen Arbeitskreis besuchen oder einen Vortrag halten \u2013 im Lockdown war all dies jedoch nicht m\u00f6glich. Wie arbeitet man denn nun akademisch unter Pandemiebedingungen? Um dies herauszufinden habe ich \u00fcber den Zeitraum von einem halben Jahr mehrere digitale Veranstaltungen besucht, die alle unter unterschiedlichen Voraussetzungen stattfanden und konnte so einen guten Einblick gewinnen, den ich nun vorstellen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Veranstaltung, an der ich teilnahm war, das j\u00e4hrliche Treffen der AJJ (Anthropology of Japan in Japan)\u201c, welches normalerweise in Pr\u00e4senz stattfindet, aufgrund der pandemischen Lage jedoch online abgehalten wurde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;<strong>AJJ (Anthropology of Japan in Japan) 2020 Annual Meeting&#8220;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Datum: 5. und 6. Dez. 2020<\/li><li>Uhrzeit: 10:00 &#8211; 18:00 Uhr (JST) \/ 02:00 &#8211; 10:00 Uhr (CEST)<\/li><li>Sprache: Japanisch\/Englisch<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass ich als MoJa-Studentin fr\u00fcher oder sp\u00e4ter mit der Zeitverschiebung in Kontakt kommen w\u00fcrde, war mir theoretisch schon zu Beginn des Studiums bewusst. Ich h\u00e4tte aber nicht gedacht, dass ich meine Wochenenden damit verbringen w\u00fcrde, ab 02:00&nbsp;Uhr morgens f\u00fcr 8&nbsp;Stunden verschiedenen Vortr\u00e4gen auf Japanisch zu folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das j\u00e4hrliche Treffen der AJJ wurde Anfang Dezember&nbsp;2020 von der Temple University in Tokyo aus\u00adgerichtet. Die Veranstaltung fand an zwei Tagen jeweils in der Zeit von 02:00&nbsp;&#8211;&nbsp;10:00&nbsp;Uhr deutscher Zeit via Zoom-Meetings statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einem Er\u00f6ffnungsvortrag, in dem allgemein \u00fcber die Gegebenheiten im l\u00e4ndlichen Japan aus anthropologischer Sicht gesprochen wurde, folgten mehrere gr\u00f6\u00dfere Themenbl\u00f6cke: \u201eMulticultural Japan\u201c, \u201eBodies &amp; Beliefs\u201c, \u201ePopular Culture and Beyond\u201c und \u201eCovid-19 and Japanese Society\u201c. Die Vortr\u00e4ge dauerten jeweils 20&nbsp;Minuten plus 10&nbsp;Minuten Abschluss\u00addiskussion. Weiterhin gab es k\u00fcrzere Vortr\u00e4ge von Studierenden, die ihre Forschungsthemen vorstellten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die regul\u00e4ren Vortr\u00e4ge im Plenum stattfanden, wurden die Studierendenvortr\u00e4ge zeit\u00adgleich in mehreren Breakout-Rooms vorgetragen. F\u00fcr die Zuschauer war es so m\u00f6glich, frei zu w\u00e4hlen, welchen Vortrag sie sich anschauen wollen. Auch ein freier Wechsel zwischen den R\u00e4umen war m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders interessant fand ich die Vortr\u00e4ge \u00fcber den Umgang der japanischen Gesellschaft mit der Covid-19-Pandemie. Es wurden dabei unter anderem sowohl wirtschaftliche als auch politische Auswirkungen der Pandemie besprochen. Beispielsweise wurden die Auswirkungen auf das Kaufhaus \u201eNakano Broadway\u201c analysiert und wiederkehrende Sprachbilder der japani\u00adschen Medien besprochen. Eventuelle Fragen wurden dabei \u00fcber den Chat beantwortet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da es sich bei dem Symposium jedoch um ein Treffen der \u201eAJJ (Anthropology of Japan in Japan)\u201c handelte, wurden auch die Forschungsschwerpunkte aus anthropologischer Sicht behandelt, was sich f\u00fcr mich mit sozialwissenschaftlichem Hintergrund etwas befremdlich anf\u00fchlte. Die vorgestellten Themen wurden beobachtend dargestellt und den Fragen nach den sozio-\u00f6kologischen Gr\u00fcnden wurde nicht nachgegangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ich dieses Symposium gleichzeitig mit zwei Kommilitoninnen besuchte, konnten wir uns w\u00e4hrenddessen in einer Chatgruppe auf WhatsApp austauschen, Fragen kl\u00e4ren und \u00fcber die Themen diskutieren. Nat\u00fcrlich fehlte der direkte physische Kontakt und es war schwer, neue Kontakte zu kn\u00fcpfen, aber der Austausch nebenher steigerte meine Motivation und Konzentra\u00adtion sehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Woche nach dem Meeting der AJJ ergab sich die M\u00f6glichkeit, einem Symposium des Consortium for Global Japanese Studies\/International Research Center for Japanese Studies (Nichibunken) beizuwohnen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>&#8222;Japanese Studies in Europe: A Conference on Academic Exchange \u2013 Emergency Conference: The Evolvement of \u201cGlobal Japanese Studies\u201d after\/with COVID-19 and the Significance of the Consortium&#8220;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Datum: 12. und 13.12.2020<\/li><li>Uhrzeit: 17:00 &#8211; 21:00 Uhr (JST) \/ 9:00 &#8211; 13:00 Uhr (CEST)<\/li><li>Sprache: Japanisch (bei Bedarf Englisch)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei diesem Symposium gab es viele internationale Vortr\u00e4ge sowohl aus Japan als auch aus verschiedenen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wie England, Frankreich, Italien oder Tschechien.&nbsp; Die Anmeldung erfolgte \u00fcber eine kurze E-Mail.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend ich zun\u00e4chst unsicher war, welche Art von Vortr\u00e4gen mich erwarten w\u00fcrde, stellte sich diese Veranstaltung als eine tolle Gelegenheit heraus, einen Einblick in die internationale Japanforschung zu gewinnen. Die meisten Vortr\u00e4ge wurden auf Japanisch gehalten. Die Vor\u00adtragenden wurden aus ihren jeweiligen Heimatuniversit\u00e4ten zugeschaltet und berichteten \u00fcber die zu diesem Zeitpunkt aktuelle Pandemiesituation und die Herausforderungen, vor die sich Lehrkr\u00e4fte und Studierende gestellt sahen. Viele berichteten, dass gerade die fehlende M\u00f6glich\u00adkeit, pers\u00f6nlich nach Japan zu fahren, f\u00fcr Studierende zum Problem wurde und dass ein Ein\u00adstieg in eine wissenschaftliche Karriere erschwert wurde. Andererseits wurden auch neue Lern-M\u00f6glichkeiten, wie EDU-LARP (Educational Live Action Roleplay. Mehr Infos unter: http:\/\/www.waldritter.de\/) vorgestellt, die nun auch in Japan etabliert werden sollen, um Ein\u00adsamkeit entgegenzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben den sehr spannenden und aufschlussreichen Einblicken auch in andere europ\u00e4ische Institute f\u00fcr Japanforschung, wurde jedoch auch ein Nachteil der Online-Pr\u00e4sentationen deut\u00adlich: Die Vortr\u00e4ge unterschieden sich alle sehr stark in ihrer \u00dcbertragungsqualit\u00e4t. So lag bei einer Vortragenden w\u00e4hrend ihrer Pr\u00e4sentation ein Zettel auf dem Mikrofon und es wurde sehr schwer, sie zu verstehen; andere wiederum hatten Verbindungsprobleme oder bemerkten nicht, dass das Publikum nicht folgen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Auswahl der Fragen, die \u00fcber ein Q&amp;A im Chat gestellt wurden, wurde durch einen Moderator an die Vortragenden \u00fcbermittelt. Eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Austausch in den Pausen gab es nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im M\u00e4rz 2021 konnte ich ein Panel des Program on U.S.-Japan Relations der Harvard Univer\u00adsity besuchen. Es gab drei Vortr\u00e4ge, die sich mit dem Fortschreiten der Pandemie und dem gesellschaftlichen Kontext in Japan auseinandersetzten:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>&#8222;Public Health and Wellness in the COVID-19 Era: Japan in Global Context&#8220;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Datum: 29.03.2021<\/li><li>Uhrzeit: 11:30 &#8211; 13:00 Uhr (ET) \/ 17:30 &#8211; 19:00 Uhr (CEST)<\/li><li>Sprache: Englisch<\/li><li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=97CLgLX5dI0&amp;list=PL-Y62Rqs54-D0tJjYh3oY09KbgxGj6w0m&amp;index=6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Aufzeichnung der Veranstaltung<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Veranstaltung wurde vollst\u00e4ndig auf Englisch durchgef\u00fchrt. Die Vortr\u00e4ge umfassten jeweils etwa 15&nbsp;Minuten und wurden im Nachhinein mit einer Fragerunde abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders interessant fand ich dabei den Vortrag von Professorin Thornber \u00fcber den Einfluss von Literatur auf die Rezeption schwerer Krankheiten und Krisen in der Gesellschaft und das Aufdecken sozialer Stigmatisierungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiterhin war der Vortrag \u00fcber die Reaktion der japanischen Gesellschaft auf die Einf\u00fchrung der Covid-19-Impfung auch retrospektiv interessant. Es wurden vor allem auch auf die histori\u00adschen Hintergr\u00fcnde eingegangen, die erkl\u00e4ren, weshalb die japanische Gesellschaft einer Impfung gegen\u00fcber skeptisch eingestellt sei. Den Daten von Ourworldindata.org zufolge konnte diese Skepsis inzwischen jedoch anscheinend gr\u00f6\u00dftenteils beigelegt werden, da ca. 78&nbsp;% der japanischen Bev\u00f6lkerung inzwischen vollst\u00e4ndig geimpft wurde (Stand: 27.12.2021).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Panel war aufgrund der niedrigen Sprachbarriere (Englisch) auch f\u00fcr noch nicht so fort\u00adgeschrittene Japanisch Lernende geeignet und l\u00e4sst sich bei Interesse noch einmal unter oben genanntem Link anschauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das letzte Symposium im Rahmen dieses Projektes besuchte ich im Juni 2021:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>&#8222;Coping with the Crisis \u2013 The Psychosocial Impact of the Pandemic&#8220;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Datum: 10.06.2021<\/li><li>Uhrzeit: 18:00 Uhr (JST) \/ 11:00 Uhr (CEST)<\/li><li>Sprache: Japanisch \/ Deutsch (mit Simultan\u00fcbersetzung)<\/li><li><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dwih-tokyo.org\/de\/2021\/06\/18\/die-krise-bewaeltigen\/\" target=\"_blank\">Link zum Veranstaltungsberich<\/a><a href=\"https:\/\/www.dwih-tokyo.org\/de\/2021\/06\/18\/die-krise-bewaeltigen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">t<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Veranstaltung wurde vom DWIH Tokyo in Kooperation mit dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin ausgerichtet und befasste sich mit den psychosozialen Auswirkungen der Pan\u00addemie auf die Bev\u00f6lkerung. Besonderer Fokus wurden auf Einsamkeit, Armut, Depressionen und deren Gegenma\u00dfnahmen gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Symposium wurde durch Erfahrungsberichte des Gr\u00fcnders der Beratungsstelle \u201eA Place for you\u201c in Tokyo, \u014czora K\u014dki, sowie des Leiters des Berliner Krisendienstes, Jens Gr\u00e4bener er\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie berichteten dar\u00fcber, dass die Auslastungen ihrer Hilfsangebote im Zuge der Pandemie rasant angestiegen seien und dass vor allem im japanischen Kontext durch die steigende Einsam\u00adkeit immer mehr Menschen suizidgef\u00e4hrdet seien. Sie beschrieben sehr eindrucksvoll, dass durch die Omnipr\u00e4senz der Pandemie selbst die Krisenhelfer an ihre pers\u00f6nlichen psychischen Grenzen k\u00e4men.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschlie\u00dfend folgte eine Podiumsdiskussion, die von unserer ehemaligen Institutsmitarbeiterin Fr.&nbsp;Dr.&nbsp;Nora&nbsp;Kottmann moderiert wurde. Die Teilnehmer stellten ihre Forschungsergebnisse vor, besprachen die Auswirkungen der Pandemie aus wissenschaftlicher Sicht und beantwor\u00adteten Publikumsfragen. Positiv anzumerken ist, dass diese Veranstaltung neben Fragen \u00fcber die Chatfunktion auch Wortmeldungen akzeptierte, wodurch die Diskussion stets angeregt fortge\u00adf\u00fchrt werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonderer Fokus wurde dabei auf vulnerable Gruppen gelegt und in diesem Rahmen ein \u201ePan\u00addemieparadox\u201c besprochen: Demzufolge sei die alte Bev\u00f6lkerung zwar einem h\u00f6heren Risiko durch das Virus ausgesetzt, aber weniger psychisch belastet, w\u00e4hrend bei j\u00fcngeren Personen ein niedrigeres Risiko f\u00fcr einen schweren Krankheitsverlauf erkennbar sei, die mentale Belastung hingegen aber extrem hoch sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer sehr positiver Aspekt dieser Veranstaltung war die M\u00f6glichkeit der Simultan\u00fcber\u00adsetzung. Die Vortragenden hielten ihre Pr\u00e4sentationen sowohl auf Japanisch als auch auf Deutsch. Die Zuschauer konnten einfach ihre Sprachpr\u00e4ferenzen ausw\u00e4hlen und die gesamte Veranstaltung in \u00dcbersetzung verfolgen. Dadurch konnte das Teilnehmer- und Zuschauerfeld ausgeweitet werden, da keine besonderen Sprachkenntnisse von N\u00f6ten waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meines Erachtens nach war diese Veranstaltung sowohl organisatorisch als auch inhaltlich sehr gut aufgestellt und f\u00fchrte zu vielen spannenden Erkenntnissen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/grafik.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-22694\"\/><figcaption>Foto der Online-Veranstaltung (\u00a9Angela Schuricht)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Temperaturen von bis zu 30&nbsp;Grad Celsius war es \u00fcbrigens sehr angenehm, an einer Online-Veranstaltung teilzunehmen. So konnte ich entspannt mit meinem Laptop im Garten sitzen \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anschlie\u00dfend habe ich noch einmal die Vor- und Nachteile digitaler Symposien zusammengefasst:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><strong>Vorteile<\/strong><\/td><td><strong>Nachteile<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Viele Online-Veranstaltungen werden &nbsp;kostenlos angeboten.<\/td><td>Der Aufbau von pers\u00f6nlichen Kontakten ist nicht m\u00f6glich.<\/td><\/tr><tr><td>Keine Anfahrtszeiten und -kosten.<\/td><td>Gefahr der Ablenkung<\/td><\/tr><tr><td>Vortr\u00e4ge werden oft von PowerPoint- Pr\u00e4sentationen begleitet, die man problemlos abfotografieren\/speichern kann.<\/td><td>Hohe Qualit\u00e4tsunterschiede in den Pr\u00e4senta\u00adtionen durch schwache Internetverbin\u00addung\/ Soundqualit\u00e4t etc.<\/td><\/tr><tr><td>Manche Veranstaltungen werden im Nach\u00adhinein kostenfrei ver\u00f6ffentlicht und k\u00f6nnen bei Bedarf noch einmal angeschaut werden.<\/td><td>Kaum Gelegenheiten, \u201eJapanisch sprechen\u201c zu \u00fcben.<\/td><\/tr><tr><td>Kommunikation \u00fcber die Chatfunktion\/ Fragefunktion erm\u00f6glicht das Nachlesen von japanischen Fragen.<\/td><td>Einstieg in Gespr\u00e4che in den \u201eKaffee\u00adpausen\u201c aufgrund des fehlenden Kontaktes erschwert.<\/td><\/tr><tr><td>M\u00f6glichkeit an Veranstaltungen in Japan\/von japanischen Universit\u00e4ten organisierten Veranstaltungen teilzu-nehmen.<\/td><td>Recherche nach Veranstaltungen oft zeit\u00adintensiv.<\/td><\/tr><tr><td>Teilnehmerfeld oft breit gef\u00e4chert\/divers (viele renommierte Vortragende)<\/td><td>Oft hohe Sprachkenntnisse erforderlich.<\/td><\/tr><tr><td>Einfach zu dokumentieren.<\/td><td>Zeitverschiebung kann zu n\u00e4cht\u00adlichen Terminen f\u00fchren.<\/td><\/tr><tr><td>Kommunikation \u201enebenher\u201c st\u00f6rt das rest\u00adliche Publikum nicht.<\/td><td><strong>&nbsp;<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>\u00dcbersicht: Vor- und Nachteile digitaler Symposien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weitere Informationen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn euer Interesse f\u00fcr das digitale wissenschaftliche Arbeiten nun auch geweckt wurde, findet ihr einige spannende Angebote unter:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/datastudio.google.com\/u\/0\/reporting\/621571f0-8678-4efd-a158-c90f85b53513\/page\/DbleB\" target=\"_blank\">International Japanese Studies Events Database<\/a><\/li><li><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dwih-tokyo.org\/de\/aktivitaeten-und-service\/veranstaltungskalender\/\" target=\"_blank\">Veranstaltungskalender der DWIH Tokyo<\/a><\/li><li>Au\u00dferdem gibt es immer wieder Veranstaltungsmitteilungen auf unserem Modernes Japan <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/discord.gg\/n5C5ykXtk4\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/discord.gg\/n5C5ykXtk4\" target=\"_blank\">Discord-Server.<\/a> <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Server wird regelm\u00e4\u00dfig von Studierenden und Dozierenden gepflegt und informiert verl\u00e4sslich \u00fcber interessante Veranstaltungen mit Japanbezug.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich festhalten, dass die virtuelle akademische Arbeit f\u00fcr mich gr\u00f6\u00dftenteils positiv verlief. Vor allem die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen, die ich ohne die M\u00f6glichkeit einer Online-Teilnahme wohl nie h\u00e4tte besuchen k\u00f6nnen, lie\u00df mich manchmal auch ein wenig ehrf\u00fcrchtig werden. Die Live-Schaltungen in die B\u00fcros nach Japan lie\u00dfen Grenzen verschwimmen und auch mit der Zeitverschiebung kam ich meistens gut zurecht. Auch wenn es mir zugegebenerma\u00dfen schwerfiel, morgens um 2&nbsp;Uhr meine Japanisch-Kenntnisse zu aktivieren, war ich froh, dass ich mir dabei gem\u00fctlich mit einer Tasse Kaffee keine Gedanken \u00fcber meine Au\u00dfenwirkung machen musste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor ich in die Welt der Online-Veranstaltungen eingetaucht bin, hatte ich nur vereinzelt Ber\u00fchrung mit Symposien, Tagungen und \u00e4hnlichem und ich bin auch etwas wehm\u00fctig, dass ich dies w\u00e4hrend meines Studiums nicht noch nachholen konnte.&nbsp; Ich bin dennoch dankbar f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, wenn auch nur digital, an internationalen Veranstaltungen teilnehmen und mehr \u00fcber viele spannende Themen erfahren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Veranstalter zeigten sich stets sehr bem\u00fcht, f\u00fcr alle Zuschauer eine m\u00f6glichst angenehme Teilnahme zu erm\u00f6glichen. M\u00f6gliche Fragen wurden immer gut beantwortet und auch bei etwaigen Verbindungsschwierigkeiten reagierten sie unverz\u00fcglich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach nun knapp 2&nbsp;Jahren, in denen wir inzwischen mit der Pandemie leben, haben wir gelernt, dass nicht jede schw\u00e4chelnde Internetverbindung auch wirklich etwas mit dem WLAN zu tun hat, dass Stammtische und Spieleabende auch online viel Spa\u00df machen k\u00f6nnen und dass wir immer einen Weg finden werden, mit jeder Schwierigkeit umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis dahin verbleibe ich hoffnungsvoll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Angela Schuricht. Ins kalte Wasser geworfen &#8211; der Anfang Als ich w\u00e4hrend meines einj\u00e4hrigen Japanaufenthaltes im Januar 2020 zum ersten Mal von der neuen Variante des Corona-Virus (\u65b0\u578b\u30b3\u30ed\u30ca\u30a6\u30a4\u30eb\u30b9) h\u00f6rte, die schon kurz darauf zu \u201euns\u201c nach Yokohama kommen sollte, war ich nur wenig besorgt. Dass innerhalb k\u00fcrzester Zeit Masken und Toilettenpapier zu Mangelware wurden, fand ich zu diesem Zeitpunkt sogar noch befremdlich. Da ich ohnehin Ende Februar wieder nach Deutschland zur\u00fcckkehren sollte, erwartete ich, dass dort alles wieder ganz normal w\u00e4re. In Deutschland w\u00e4re ich so weit weg von der Krise, die ich in Japan kennengelernt habe, dass ich niemals erwartet h\u00e4tte, dass wir 2 Jahre sp\u00e4ter noch immer inmitten einer globalen Pandemie w\u00e4ren. Doch tats\u00e4chlich sollte schon etwa zwei Wochen nach meiner R\u00fcckkehr der erste Lockdown in Deutschland beschlossen werden und mir wurde der Ernst der Lage schlagartig bewusst. Auch der rasante Ausverkauf von Toilettenpapier und Masken wirkte dann gar nicht mehr so seltsam auf mich. Zu Beginn des Sommersemesters \u00e4nderte sich das Studium f\u00fcr uns alle drastisch. 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