{"id":22056,"date":"2021-05-27T11:41:38","date_gmt":"2021-05-27T09:41:38","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=22056"},"modified":"2022-07-06T11:39:29","modified_gmt":"2022-07-06T09:39:29","slug":"japan-aufenthalt-in-coronazeiten-ein-blick-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=22056","title":{"rendered":"Japan-Aufenthalt in Coronazeiten. Ein Blick zur\u00fcck."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ein Jahr an einer japanischen Uni, in dem man fast \u00fcberall Maske tr\u00e4gt, kaum einmal den Campus betritt und nur eine Stunde Unterricht in Pr\u00e4senz hat \u2013 das h\u00e4tte man sich vor 2020 wohl kaum so vorgestellt. Von M\u00e4rz 2020 bis Februar 2021 hat unsere Masterstudentin <strong>Ariane Hertel <\/strong>&#8211; als Einzige der Studierenden unseres Institutes &#8211; in Japan gelebt und an der Ferris-Universit\u00e4t in Kanagawa studiert. Im Mai 2020 hat sie <a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=20103\">bereits im Institutsblog<\/a> \u00fcber das Studium unter Corona-Bedingungen berichtet und erz\u00e4hlt heute im R\u00fcckblick \u00fcber ihre  weiteren Erfahrungen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein St\u00fcck Normalit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich im letzten Jahr f\u00fcr diesen Blog versucht habe in Worte zu fassen, wie es mir unter den Corona-Bedingungen in Japan ging, war ich gerade erst 2 Monate dort. Zu diesem Zeitpunkt war zwar bereits abzusehen, dass es mit dieser Pandemie l\u00e4nger dauern w\u00fcrde, aber damit, dass ich dann doch mein gesamtes Auslandsjahr unter eben diesen Bedingungen absolvieren w\u00fcrde, hatte ich nicht gerechnet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem zu Beginn meines Auslandssemesters noch der Ausnahmezustand galt, wurden im Mai dann die Notstandserkl\u00e4rungen f\u00fcr alle Pr\u00e4fekturen Japans aufgehoben. Da die Infektionszahlen den Sommer \u00fcber niedrig blieben, konnte ich \u00fcber die kommenden Monate auch ab und an das Wohnheim verlassen und ein paar Ausfl\u00fcge unternehmen. So habe ich mit anderen Studentinnen aus meinem Wohnheim w\u00e4hrend der japanischen Regenzeit die Hortensien in Kamakura bewundert und wenige Wochen sp\u00e4ter mit der gleichen Gruppe einen zweit\u00e4gigen Ausflug nach Hakone und&nbsp;\u014cwakudani unternommen. Zudem gingen wir viel spazieren und verbrachten einige Sommernachmittage am Strand von Enoshima. Da alle diese Orte innerhalb der Pr\u00e4fektur Kanagawa lagen, hielten wir uns mit diesen Ausfl\u00fcgen an alle Auflagen, die es zu diesem Zeitpunkt gab. Die M\u00f6glichkeit im Sommer etwas unterwegs zu sein, verlieh mir pers\u00f6nlich auch ein wenig ein Gef\u00fchl von Normalit\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/line_291625462877528-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-22063\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/line_291625462877528-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/line_291625462877528-300x169.jpg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/line_291625462877528-768x432.jpg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/line_291625462877528.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Eine Wunschtafel an einem Schrein mit der Bitte, dass Corona bald endet, damit man wieder in die Schule gehen kann.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Allein auf dem Campus<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab Anfang August 2020 kehrten die anderen Studentinnen zur\u00fcck in ihre Heimatl\u00e4nder. Obwohl es zun\u00e4chst hie\u00df, dass neue Studentinnen Anfang September kommen sollten, wurde ihre Ankunft aufgrund der Gesetzeslage aber auf Oktober und schlie\u00dflich auf November verlegt. \u00dcber diesen Zeitraum war ich komplett allein auf meiner Wohnheimsetage und in meinen Sprachkursen. Meine beiden Japanischlehrerinnen haben diesen Umstand gro\u00dfartig geh\u00e4ndelt. Ich durfte selbst mitbestimmen, welche Kursinhalte mich interessierten und mit welchen Lehrb\u00fcchern ich weiterarbeiten wollte. Zweimal die Woche durfte ich in den Sprachkursen mitmachen, die f\u00fcr diejenigen Studentinnen konzipiert waren, die auf Japanisch ihren Abschluss machen wollten. Und da ich mich f\u00fcr das N2-Niveau des JLPT angemeldet hatte, konnte ich im Einzelunterricht die Grammatik im Detail durchgehen und mich wirklich gut vorbereiten. Auch alle diese Kurse des Wintersemesters fanden erneut ausschlie\u00dflich online statt, woran sich aber zu diesem Zeitpunkt alle schon gew\u00f6hnt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl ich also meinen zwischenzeitlichen Einzelunterricht als bereichernd empfand, war ich sehr froh, als Mitte November 2020 zwei neue Austauschstudentinnen aus Taiwan ins Wohnheim zogen und am Sprachunterricht teilnehmen konnten. W\u00e4hrend im Sommersemester viel Englisch unter den Austauschstudentinnen gesprochen wurde, gew\u00f6hnte ich mich schnell im Wintersemester daran, mich ausschlie\u00dflich auf Japanisch mit den anderen zu unterhalten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/tanabata-769x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"22064\" data-link=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?attachment_id=22064\" class=\"wp-image-22064\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/tanabata-769x1024.jpg 769w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/tanabata-225x300.jpg 225w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/tanabata-768x1023.jpg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/tanabata-420x560.jpg 420w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/tanabata.jpg 906w\" sizes=\"(max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img decoding=\"async\" width=\"503\" height=\"711\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/\uff13\u3064\u306e\u5bc6\u3092\u907f\u3051\u307e\u3057\u3087\u3046.png\" alt=\"\" data-id=\"22066\" data-full-url=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/\uff13\u3064\u306e\u5bc6\u3092\u907f\u3051\u307e\u3057\u3087\u3046.png\" data-link=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?attachment_id=22066\" class=\"wp-image-22066\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/\uff13\u3064\u306e\u5bc6\u3092\u907f\u3051\u307e\u3057\u3087\u3046.png 503w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/\uff13\u3064\u306e\u5bc6\u3092\u907f\u3051\u307e\u3057\u3087\u3046-212x300.png 212w\" sizes=\"(max-width: 503px) 100vw, 503px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\">W\u00fcnsche zum Tanabata-fest; Die japanischen AHA-Regeln, die auch ausgedruckt an der T\u00fcr des Gemeinschaftsraumes im Wohnheim hingen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">R\u00fcckkehr in ein ungewohntes Deutschland<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ende 2020 verlegte ich dann meinen R\u00fcckflug auf Anfang Februar 2021 vor, da auch in Japan zum Jahresende erneut die Infektionszahlen stiegen und abzusehen war, dass Reisen und andere Freizeitaktivit\u00e4ten zwischen den Semestern schwer umzusetzen sein w\u00fcrden. In diesem Zeitraum habe ich mir viele Gedanken \u00fcber das Zur\u00fcckkehren nach Deutschland gemacht \u2013 ein Pandemiedeutschland, das ich ja \u00fcberhaupt nicht kannte. Was ich w\u00e4hrend meines Auslandsaufenthaltes vermisst hatte \u2013 das Treffen mit Freund*innen, das Campusleben, meinen Nebenjob als Nachhilfelehrerin \u2013 all das w\u00fcrden auch Sachen sein, die ich in Deutschland aufgrund der Pandemiebedingungen weiter vermissen w\u00fcrde. Da ich von vornherein nicht damit gerechnet hatte, mein ganzes Auslandsjahr im Schatten der Pandemie zu verbringen, muss ich gestehen, dass mir diese Gedanken Ende 2020 zum ersten Mal kamen. Gl\u00fccklicherweise stiegen im Januar 2021 die Infektionszahlen in Japan nie so stark an, dass ich mir Sorgen um meinen Flug oder die Einreise nach Deutschland machen musste. Bis heute wurde Japan&nbsp;vom Ausw\u00e4rtigen Amt nie als Risikogebiet eingestuft und so musste ich bei der Einreise weder ein negatives Testergebnis vorlegen noch mich in Quarant\u00e4ne begeben ( \u2013 habe ich aber freiwillig trotzdem gemacht).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Pandemiedeutschland habe ich mich trotz meiner Sorgen schnell eingew\u00f6hnt. Dass es nur wenige offene Gesch\u00e4fte und es in den Superm\u00e4rkten h\u00e4ufig kein Desinfektionsmittel gibt, waren dabei die Sachen, die mir am st\u00e4rksten auffielen. Dass es in Deutschland jetzt vorgeschrieben ist Masken mit einem h\u00f6heren Schutzstandard zu benutzen, finde ich gut, aber ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, die Deutschen w\u00fcrden sie auch h\u00e4ufiger drau\u00dfen tragen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach nun 3 Monaten in Deutschland blicke ich auf ein Auslandsjahr zur\u00fcck, in dem ich meine Campusbesuche an einer Hand abz\u00e4hlen kann und in dem ich exakt eine Unterrichtsstunde in Pr\u00e4senz hatte. Es war auch ein Auslandsjahr, in dem der Alltag im Studentinnenwohnheim im Zentrum stand und in dem ich dadurch sehr enge Freundschaften zu meinen Mitbewohnerinnen aufbauen konnte. Ich kann auch nicht von der Hand weisen, dass meine Japanischf\u00e4higkeiten einen gewaltigen Sprung gemacht haben und dass mein zwischenzeitlicher Einzelunterricht und die geringe Anzahl an Austauschstudentinnen dazu erheblich beigetragen haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist schwierig ein abschlie\u00dfendes Fazit f\u00fcr mein Auslandsjahr zu finden. Es wei\u00df schlie\u00dflich niemand, wie dieses Jahr ohne die Pandemie verlaufen w\u00e4re. Aber wir alle machen seit \u00fcber einem Jahr das Beste aus unseren M\u00f6glichkeiten. Und unter diesem Aspekt bin ich sehr froh und auch dankbar, dass ein Auslandsjahr in Japan im Pandemiejahr 2020 durch einen Zufall im Bereich meiner M\u00f6glichkeiten lag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ariane Hertel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Jahr an einer japanischen Uni, in dem man fast \u00fcberall Maske tr\u00e4gt, kaum einmal den Campus betritt und nur eine Stunde Unterricht in Pr\u00e4senz hat \u2013 das h\u00e4tte man sich vor 2020 wohl kaum so vorgestellt. Von M\u00e4rz 2020 bis Februar 2021 hat unsere Masterstudentin Ariane Hertel in Japan gelebt und an der Ferris-Universit\u00e4t in Kanagawa studiert und berichtet \u00fcber dieses besondere Jahr.<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":22062,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1200,1953],"tags":[210,1712,18,156,1608],"class_list":["post-22056","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-austausch","category-studierendenberichte","tag-auslandsstudium","tag-corona","tag-japan","tag-japanaufenthalt","tag-studium-in-japan"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/line_256303144799431.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22056","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22056"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22056\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22165,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22056\/revisions\/22165"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/22062"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22056"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22056"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22056"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}