{"id":19644,"date":"2020-01-16T15:33:14","date_gmt":"2020-01-16T13:33:14","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=19644"},"modified":"2022-07-06T11:44:32","modified_gmt":"2022-07-06T09:44:32","slug":"so-spannend-kann-eine-tagung-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=19644","title":{"rendered":"Metropolitan Japan: So spannend kann eine Tagung sein!"},"content":{"rendered":"<p>Die Master-Studentin Alexandra Strzykalski hat f\u00fcr ihr Projekt im Modul &#8222;Being Academic&#8220; die Tagung der Vereinigung f\u00fcr Sozialwissenschaftliche Japanforschung besucht. Lesen Sie hier ihren Bericht &#8211; es lohnt sich!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Pers\u00f6nlicher Erfahrungsbericht zur Teilnahme an der Jahrestagung der VSJF 2019 &#8211; &#8222;Metropolitan Japan in Historical and Contemporary Perspective&#8220;<\/strong><br \/>\nvon Alexandra Strzykalski<br \/>\nFoto: Huynh Vu Thuy Doan<\/p>\n<p>Welche politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Faktoren beeinflussten die Urbanisierungs- und Transformationsdynamiken in Japan? Wie k\u00f6nnen dicht besiedelte Lebensr\u00e4ume gestaltet werden, die Kreativit\u00e4t und Lebensqualit\u00e4t zulassen, gleichzeitig jedoch Nachhaltigkeit, Sicherheit und Resilienz versprechen? Diese und viele weitere Fragen pr\u00e4gten den anregenden wissenschaftlichen Diskurs im Rahmen der Jahrestagung der Vereinigung f\u00fcr sozialwissenschaftliche Japanforschung (VSJF), die vom 8. bis 10. November an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum stattfand.<\/p>\n<p>Bevor ich meine kleine Bahn-Odyssee in Richtung Ruhrgebiet antrat, waren meine Erwartungen an die Tagung ehrlicherweise eher gering. Mein pers\u00f6nliches Forschungsinteresse gilt den Kulturwissenschaften, dies deckte sich daher nicht unbedingt mit den Themen, die dieses Jahr auf der Tagung pr\u00e4sentiert wurden. Umso positiver \u00fcberrascht war ich dar\u00fcber, wie viel ich aus der kurzen Zeit in Bochum mitnehmen konnte. Dank des gehobenen Niveaus der Vortr\u00e4ge und Diskussionen, sowie der Aktualit\u00e4t der Thematik hatte ich eine wirklich wunderbare Erfahrung.<\/p>\n<p>Neben international renommierten WissenschaftlerInnen wie Prof. Dr. Andr\u00e9 Sorensen (University of Toronto), der den Auftakt der Tagung vollzog, oder auch Prof. Dr. Fumihiko Seta (Universit\u00e4t Tokio), war es besonders erfreulich, dass Nachwuchs-WissenschaftlerInnen ebenfalls die Gelegenheit erhielten, ihre sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekte und -ergebnisse auf Augenh\u00f6he mit ihren etablierten Kollegen in Rahmen der Panels zu pr\u00e4sentieren und diskutieren. Die Panels standen dabei ganz im Zeichen der Interdisziplinarit\u00e4t. So machte sich das erste Themenpanel, bestehend aus f\u00fcnf WissenschaftlerInnen aus Japan und \u00d6sterreich, zum Ziel, anhand historischer, soziogeographischer und sozialwissenschaftlicher Ans\u00e4tze die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio zu beleuchten und neue Perspektiven auf diese zu er\u00f6ffnen. Hierf\u00fcr wurden u.a. \u00f6ffentliche Repr\u00e4sentationen Tokios olympischer Vergangenheit, Anti-Olympia-Bewegungen in Tokio, der Einfluss der Olympiade auf die urbanen Strukturen der Stadt, aber auch die Rolle des Events auf die Ehevermittlung n\u00e4her untersucht.<\/p>\n<p>Aufgrund der vielen Beitr\u00e4gen und knappen Zeiteinteilung blieb bedauerlicherweise nicht immer genug Zeit, um die Vortr\u00e4ge der Panels ausreichend zu diskutieren, jedoch hatten wir im Rahmen der Fachgruppen die M\u00f6glichkeit, sozialwissenschaftliche Subdisziplinen auch in einem kleineren Kreis genauer zu besprechen. \u00a0Mit einer breit gef\u00e4cherten Auswahl von Themen wie beispielsweise \u201eBildung und Erziehung\u201c, \u201eStadt- und Regionalforschung\u201c oder aber auch \u201eGeschichte\u201c, \u201ePolitik\u201c und \u201eTechnik\u201c konnte sichergestellt werden, dass das Interessensgebiet jedes Teilnehmers abgedeckt wurde. Ich pers\u00f6nlich entschied mich, die Sitzung der Fachgruppe zum Thema \u201eKultur und Medien\u201c zu besuchen, in der Dr. Florian Mei\u00dfner des Kommunikations- und Medienwissenschaftlichen Instituts unser Universit\u00e4t einen besonders spannenden Vortrag zur Katastrophenberichterstattung in Japan hielt. Anhand von zwei Fallbeispielen zum medialen Umgang mit einerseits der Dreifach-Katastrophe, die sich Anfang M\u00e4rz 2011 in Japan ereignete, und andererseits der Quecksilber-Katastrophe, die sich in den 1950er Jahren abspielte und die Minamata-Krankheit ausl\u00f6ste, wurden die Charakteristika und die Probleme der Risikokommunikation japanischer Medienunternehmen dargestellt und diskutiert. Im Anschluss referierte Dr. Michaela Oberwinkler der Eberhard Karls Universit\u00e4t T\u00fcbingen \u00fcber die Rolle von Stickern (\u30b9\u30bf\u30f3\u30d7 <em>sutanpu<\/em>), die durch den in Japan beliebten Messenger LINE im Jahre 2011 eingef\u00fchrt und verbreitet wurden. Besonderes Augenmerk der Analyse richtete sich hierbei auf die gender-spezifischen Unterschiede bei der Verwendung der Sticker. Zu guter Letzt bekam Markus Hoffmann der Universit\u00e4t Wien die Gelegenheit, sein Masterprojekt zum Thema <em>hensachi<\/em> \u504f\u5dee\u5024 (Schwierigkeit- und Bewertungsranking f\u00fcr Universit\u00e4ten) als Technologie zur Bewertung von Universit\u00e4ten vorzustellen. Hierf\u00fcr wurden Interviews mit Studierenden aus f\u00fcnf japanischen Universit\u00e4ten durchgef\u00fchrt. Anhand der konzeptuellen Basis der Actor-Network-Theorie wurde anschlie\u00dfend untersucht, inwieweit diese Rankings in der Praxis wirklich von Bedeutung f\u00fcr die Studierende sind. Wer mehr \u00fcber die Vortr\u00e4ge der anderen Fachgruppen sowie der Tagung generell erfahren will, kann einen Blick auf das <a href=\"https:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/vsjf2019\/\">offizielle Programm<\/a> werfen.<\/p>\n<p>Auch au\u00dferhalb der Vortr\u00e4ge und Diskussionen fand der wissenschaftliche Gedankenaustausch lebhaft statt \u2013 beispielsweise in Form des gemeinsamen Mittagessens am zweiten Tag der Konferenz, bei dem ich zuf\u00e4llig, aber willkommener weise, die M\u00f6glichkeit erhielt, mit etablierten WissenschaftlerInnen an einem Tisch zu sitzen und so aus erster Hand etwas \u00fcber universit\u00e4re Abl\u00e4ufe zu erfahren und einen kleinen Einblick hinter den Kulissen des wissenschaftlichen Betriebs zu bekommen.<\/p>\n<p>Trotz anf\u00e4nglicher Zweifel, wie viel ich f\u00fcr mich pers\u00f6nlich aus dieser Tagung rausholen kann, bin ich bin sehr froh dar\u00fcber, teilgenommen zu haben. Auch wenn es zu keiner abrupten wissenschaftlichen Neuorientierung meines Forschungsthemas gekommen ist, konnte ich doch viel aus den vier Tagen in Bochum mitnehmen. Dies ist sicherlich der qualitativ hochwertigen fachlichen Arbeit der Vortragenden, der aktiven Teilnahme des Publikums und der gespr\u00e4chsoffenen, diskussionsfreudigen Atmosph\u00e4re zu verdanken. Daher ist mein Tipp an alle Studierenden, die mit dem Gedanken spielen an einer wissenschaftlichen Konferenz teilzunehmen, die ihnen eventuell inhaltlich nicht unbedingt auf Anhieb zusagt \u2013 einfach mitmachen! Es werden einem viele neuen Perspektiven er\u00f6ffnet, ihr schlie\u00dft neue Bekanntschaften und es macht jede Menge Spa\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Master-Studentin Alexandra Strzykalski hat f\u00fcr ihr Projekt im Modul &#8222;Being Academic&#8220; die Tagung der Vereinigung f\u00fcr Sozialwissenschaftliche Japanforschung besucht. 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