{"id":18393,"date":"2018-08-22T14:57:03","date_gmt":"2018-08-22T12:57:03","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=18393"},"modified":"2020-09-08T09:14:44","modified_gmt":"2020-09-08T07:14:44","slug":"konferenz-queerying-japan-ein-blick-auf-die-maerkte-und-den-konsum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=18393","title":{"rendered":"Konferenz \u201eQueerying Japan\u201c \u2013 Ein Blick auf die M\u00e4rkte und den Konsum"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_18417\" style=\"width: 529px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18417\" class=\"wp-image-18417 size-full\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Queerying_Japan_17.jpg\" alt=\"Andrea Germer bei der Er\u00f6ffnung der Konferenz\" width=\"519\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Queerying_Japan_17.jpg 519w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Queerying_Japan_17-300x229.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><p id=\"caption-attachment-18417\" class=\"wp-caption-text\">Andrea Germer bei der Er\u00f6ffnung der Konferenz. Foto: Huynh Vu Thuy Doan<\/p><\/div>\n<p><strong>Anfang Juli hat unser Institut (Lehrstuhl I, Prof. Dr. Andrea Germer) die internationale Konferenz <a href=\"http:\/\/www.queerying-japan.hhu.de\/\">\u201eQueerying Japan\u201c<\/a> organisiert, die auf reges Interesse stie\u00df und zu lebendigen Diskussionen angeregt hat. Drei Masterstudierende unseres Instituts waren dabei und berichten in n\u00e4chster Zeit hier auf dem Blog von einzelnen Panels der Veranstaltung. Den Anfang macht heute Dana Persch, die sich besonders dem Thema \u201eMarkets and Consumers\u201c gewidmet hat.<\/strong><\/p>\n<p>Bei wundersch\u00f6nem sonnigen Wetter fand am 6. und 7. Juli die Konferenz \u201eQueerying Japan\u201c im Haus der Universit\u00e4t in D\u00fcsseldorf statt. Die vom Institut f\u00fcr Modernes Japan organisierte Konferenz war die erste ihrer Art in Deutschland, die \u201equeer subjects\u201c thematisierte und hoffentlich weitere Veranstaltungen anregen wird. \u00dcber die Frage, wie Geschlecht und Sexualit\u00e4t soziale Beziehungen formen und \u00fcber Chancen im Leben entscheiden, diskutierten Teilnehmer aus Japan, Deutschland, Australien und den USA.<\/p>\n<p>Der Forschungsbereich der \u201eQueer Studies\u201c ist noch eine relativ junge kulturwissenschaftliche Forschungsrichtung, die Geschlecht, Sexualit\u00e4t und sexuelle Identit\u00e4ten untersucht. Innerhalb dieser sehr breit aufgestellten Themen fokussierte sich das Symposium vor allem auf die Gesetzeslage und Politik, auf die Institution Ehe, auf Konsum und M\u00e4rkte, auf das Gesundheits- und Erziehungswesen und auf Popul\u00e4rmedien. Aus den f\u00fcnf Panels, die sehr unterschiedliche Teilbereiche des Themas ansprachen, habe ich mir Konsum und M\u00e4rkte f\u00fcr eine n\u00e4here Betrachtung ausgesucht und werde im Folgenden die drei Redebeitr\u00e4ge zu diesem Thema vorstellen. <!--more--><\/p>\n<p>Ich habe mich im Vorfeld bereits gefragt, wie in den letzten Jahren aus Konsumentensicht \u201equeer subjects\u201c und \u201eLGBTIQ\u201c Beachtung fanden, welche Rolle die Medien spielen und wie sich die M\u00e4rkte in Japan in Bezug auf diese Themen verhalten.<br \/>\nEinen Einstieg in das Thema lieferte der Soziologe <strong>Kawaguchi<\/strong> <strong>Kazuya <\/strong>von der Hiroshima Shudo Universit\u00e4t durch seinen Vortrag \u201eConsuming gay identity and lifestyle in Japan: consideration on a TV program\u201c. Am Beispiel der Fernsehserie \u201eShutsubotsu! Adomachikku tengoku\u201c (seit 1995) beschreibt Kawaguchi, wie sexuelle Minderheiten oder Orte, die mit diesen Minderheiten verbunden werden, kommerzialisiert wurden. Neben einer allgemeinen Zunahme von Filmen, TV-Serien und Artikeln \u00fcber sexuelle Minderheiten seit den 1990er Jahren, seien die M\u00e4rkte immer wieder auf der Suche nach neuen LGBT-Konsumenten. Kawaguchi ging es in seiner Darstellung vor allem darum aufzuzeigen, wie sehr die Visualisierung durch eine bestimmte TV-Serie die \u00f6ffentliche Meinung zu einem Thema ver\u00e4ndern kann und wie sehr Bilder uns beeinflussen.<\/p>\n<p>Diese Serie spielt in verschiedenen Stadtteilen in und um T\u014dky\u014d, in denen wiederum Locations durch einen Kommentator vorgestellt und bewertet werden. Vor allem die Ausstrahlung \u00fcber den Stadtteil Shinjuku Ni-ch\u014dme im Jahr 2004 zeige sehr deutlich, wie sich das Image eines Stadtteils durch die Serie \u00e4ndern kann. Der zuvor allgemein eher gemiedene Stadtteil ist bekannt f\u00fcr seine zahlreichen \u201egay bars\u201c und gelte als Szenegebiet (so Kawaguchi). Das exotische Bild einer eigenen Kultur, die die Serie beschreibt, habe den Stadtteil sehr beliebt gemacht und viele erst \u00fcber das Thema aufgekl\u00e4rt. Die \u201eHeilung\u201c (jap. <em>iyashi<\/em>), die dadurch bei vielen Zuschauern stattgefunden habe, sich dem Thema gegen\u00fcber nicht mehr zu verschlie\u00dfen, sieht Kawaguchi durchaus kritisch. Seine Studenten h\u00e4tten in ihrem Feedback zur Serie kaum noch sexuelle oder erotische Verbindungen zu der Serie hergestellt: \u201e[&#8230;] the students desexualized &#8218;Ni-ch\u014dme&#8216; (or &#8218;Ni-ch\u014dme&#8216; people) [&#8230;]\u201c.<\/p>\n<p>Die Darstellung sei somit eher darauf ausgerichtet, neue Konsumenten zu gewinnen und nicht ein realistisches Bild der Szene zu zeichnen oder generell aufzukl\u00e4ren. Der mediale Einfluss m\u00fcsse immer kritisch betrachtet werden und die Intention der Produzenten im Hinterkopf behalten werden. \u201eThe influence of media is really strong, that is shown even by surveys on the question where people get their information on \u2018LGBT\u2018-topics from. Most answered, they only know from television about the topic.\u201d, sagt Kawaguchi in einem kurzen Interview.<\/p>\n<p>Im zweiten Vortrag wurde ebenfalls die Darstellung in den Medien \u2013 vor allem in Online-Medien \u2013 thematisiert. <strong>Elisabeth Scherer<\/strong> stellte in Ihrem Vortrag \u201eQueer wedding ceremonies in Japan\u201c das gezielte Marketing der Hochzeitsindustrie vor, die zunehmend Angebote f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare anbietet. Obwohl die \u201equeer wedding ceremonies\u201c in Japan nicht gesetzlich anerkannt sind, da nach wie vor keine gleichgeschlechtlichen Ehen m\u00f6glich sind, gibt es immer mehr Paare, die sich daf\u00fcr entscheiden, ihre Beziehung mit einer entsprechenden Zeremonie zu feiern. Es handelt sich dabei teilweise auch um eine \u00f6ffentliche Demonstration f\u00fcr gleiche Rechte und die Ablehnung der konventionellen Ehe, die in Japan das Spiegelbild heterosexueller Identit\u00e4t darstellt.<\/p>\n<p>Seit 2010 gibt es die ersten professionellen Anbieter f\u00fcr LGBT-Hochzeitszeremonien in Japan, die vor allem eine Hochzeit \u201ewie im Westen\u201c verkaufen. Weil es sich aber um ein Tabuthema handelt, sind die (Online-)Angebote oft verdeckt, auf Fotos sind keine Gesichter zu sehen, bestimmte Schlagw\u00f6rter werden vermieden und es wird versucht nach au\u00dfen das Bild einer \u201enormalen\u201c Hochzeit zu kreieren. Ein spezielles Branding wie \u201erainbow wedding\u201c oder \u201epartnership wedding\u201c verdeckt den eigentlichen Hintergrund des strittigen Themas.<\/p>\n<p>Einerseits ist der LGBT-Hochzeitsmarkt so lukrativ, dass sich die Agenturen mit ihren Angeboten fast \u00fcberschlagen und andererseits ist das Thema noch immer schwierig anzusprechen, sodass es nur verdeckt oder mit einem \u201enormalen\u201c Anschein \u00f6ffentlich vertretbar ist. Die Angebote f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare nehmen zwar zu, haben aber fast immer eine Sonder-Webseite, getrennt von den Angeboten heterosexueller Paare und sind oft nur bei gezielter Suche zu finden.<\/p>\n<p>Den Einfluss von Medien und Bildern zeigte in besonderem Ma\u00dfe das Instagram-Foto eines lesbischen Paares auf der sogenannten \u201eDisney Wedding\u201c, einer glitzernden Trauungsfeier im Disneyland T\u014dky\u014d. Das Foto wurde in der \u00d6ffentlichkeit sehr positiv wahrgenommen und stellte eine schillernde Traumhochzeit dar, die aber nur wenig in politischer Weise auf das Thema LGBT bezogen oder diskutiert wurde. Was k\u00f6nnte auch an einer Hochzeit im beliebten Disneyland verwerflich sein? Es werden Bilder von gl\u00e4nzenden LGBT-Hochzeiten entworfen ohne dabei die Thematik zu sehr in den Vordergrund zu r\u00fccken. Dadurch wird der Eindruck erzeugt, dass sich in Japan etwas ver\u00e4ndert hat in Bezug auf LGBT, aber in Wirklichkeit ist noch nichts erreicht worden, was Gleichberechtigung betrifft.<\/p>\n<p>Der dritte Vortrag von <strong>Iseri&nbsp;Makiko <\/strong> ersetzte spontan den Vortrag der kurzfristig erkrankten Ilse Lenz und widmete sich der ebenso brisanten Thematik von Menschen mit Behinderung und ihrem Kampf um mehr Rechte. Der Vortrag \u201eShowcasing Diversity: Disability, Market and Queer\/Crip Criticism\u201c wirkte zun\u00e4chst etwas distanziert zum Themenblock, zeigte dann aber doch einige Parallelen zu bisher diskutierten Punkten auf.<br \/>\nAuch in diesem Beispiel diente ein gezieltes Marketing von behinderten Athleten und Olympioniken als \u201eSupermenschen\u201c dazu, medial das Bild von Gleichberechtigung und einem aufgebesserten Image von Menschen mit Behinderung zu schaffen. Der T\u014dky\u014dter Stadtteil Shibuya habe im Rahmen seiner \u201ediversity policy\u201c ebenfalls versucht, mit gezielten Branding Kampagnen das Bild von Behinderung zu ver\u00e4ndern. Es zeigten sich jedoch \u00e4hnliche Schwierigkeiten wie beim Thema LGBT, denn auch Behinderung ist ein Tabuthema, das in der \u00d6ffentlichkeit viel zu wenig diskutiert wird.<\/p>\n<p>Iseri verweist auf das Verflie\u00dfen von Begriffen wie \u201ecrip\u201c (deut. \u201eKr\u00fcppel\u201c) und \u201equeer\u201c (deut. \u201eeigenartig\u201c, \u201esonderbar\u201c), bei denen die Grenzen langsam verschwimmen. Beide Themen haben \u00e4hnliche Schwierigkeiten Anerkennung zu finden und die Betroffenen k\u00e4mpfen in beiden F\u00e4llen um ihre Rechte und allgemeine Gleichberechtigung. Die eher k\u00fcnstlich wirkenden Kampagnen sind dabei wenig hilfreich und erzeugen eher ein unscharfes Bild, das von der Realit\u00e4t ablenkt.<\/p>\n<p>Um auf die Anfangsfrage zur\u00fcckzukommen, zeigen alle drei Beitr\u00e4ge, dass die mediale Repr\u00e4sentation von LGBT zwar umfangreich und einflussstark ist, es sich aber meist um Marketingstrategien handelt, die ein gezieltes Bild erschaffen und dieses f\u00fcr den Kommerz nutzen. Die M\u00e4rkte scheinen sich zunehmend auf LGBT einzustellen und sich auf neue Zielgruppen auszurichten ohne dabei kritisch zu reflektieren, wie die Situation der Betroffenen wirklich aussieht. Auch wenn diese Bilder oft sehr schillernd, positiv behaftet und eindrucksvoll sind, spiegeln sie nicht die Konflikte wider, mit denen gesellschaftliche Minderheiten zu k\u00e4mpfen haben.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich sagen, dass alle Beitr\u00e4ge des zweit\u00e4gigen Symposiums sehr spannend waren und an vielen Stellen zum Nachdenken und Diskutieren anregten. Mir hat besonders die Vielf\u00e4ltigkeit der Beitragsthemen und der dadurch zustande gekommenen Diskussionsrunden gefallen. Ich bin gespannt, ob es in Zukunft weitere Veranstaltungen zu diesem viel zu wenig anerkannten Thema geben wird.<\/p>\n<p><em>Dana Persch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Juli hat unser Institut (Lehrstuhl I, Prof. Dr. Andrea Germer) die internationale Konferenz \u201eQueerying Japan\u201c organisiert, die auf reges Interesse stie\u00df und zu lebendigen Diskussionen angeregt hat. Drei Masterstudierende unseres Instituts waren dabei und berichten in n\u00e4chster Zeit hier auf dem Blog von einzelnen Panels der Veranstaltung. Den Anfang macht heute Dana Persch, die sich besonders dem Thema \u201eMarkets and Consumers\u201c gewidmet hat. Bei wundersch\u00f6nem sonnigen Wetter fand am 6. und 7. Juli die Konferenz \u201eQueerying Japan\u201c im Haus der Universit\u00e4t in D\u00fcsseldorf statt. Die vom Institut f\u00fcr Modernes Japan organisierte Konferenz war die erste ihrer Art in Deutschland, die \u201equeer subjects\u201c thematisierte und hoffentlich weitere Veranstaltungen anregen wird. \u00dcber die Frage, wie Geschlecht und Sexualit\u00e4t soziale Beziehungen formen und \u00fcber Chancen im Leben entscheiden, diskutierten Teilnehmer aus Japan, Deutschland, Australien und den USA. Der Forschungsbereich der \u201eQueer Studies\u201c ist noch eine relativ junge kulturwissenschaftliche Forschungsrichtung, die Geschlecht, Sexualit\u00e4t und sexuelle Identit\u00e4ten untersucht. 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