{"id":18212,"date":"2018-07-05T14:03:46","date_gmt":"2018-07-05T12:03:46","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=18212"},"modified":"2020-07-17T12:58:46","modified_gmt":"2020-07-17T10:58:46","slug":"ein-seminar-zu-aktuellen-tendenzen-der-japanischen-schullandschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=18212","title":{"rendered":"Ein Seminar zu aktuellen Tendenzen der japanischen Schullandschaft"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/3a.jpg\" rel=\"attachment wp-att-18213\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-18213\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/3a.jpg\" alt=\"3a\" width=\"250\" height=\"444\"><\/a><strong>Viele aktuelle Informationen zu Schule in Japan und zum Japanischlernen in Deutschland gab es vom 8. bis 10. Juni 2018 beim 30. VJS-Fortbildungsseminar im Arbeitnehmerzentrum K\u00f6nigswinter. Unsere Masterstudentin Celeste Yau war dabei und berichtet hier von ihren Eindr\u00fccken und Erfahrungen.<\/strong><\/p>\n<p>Der VJS, Verein der Japanischlehrkr\u00e4fte an weiterf\u00fchrenden Schulen im deutschsprachigen Raum e.V. (\u30c9\u30a4\u30c4\u8a9e\u570f\u4e2d\u7b49\u6559\u80b2\u65e5\u672c\u8a9e\u6559\u5e2b\u4f1a) verschreibt sich dem Aufbau freundschaftlicher Beziehungen zwischen Sch\u00fclern aus dem deutschsprachigen Raum und Japan. Das Fortbildungsseminar findet jedes Jahr in Deutschland statt, um aktuelle Themen des japanischen Sprachunterrichts zu diskutieren, die Japanisch-Lehrer fortzubilden und um zuk\u00fcnftigen Japanisch-Lehrern zu helfen. Das Thema des dreit\u00e4gigen Seminars war dieses Mal \u201eAktuelle Tendenzen in der japanischen Schullandschaft\u201c. Dabei wurden Aspekte wie Lehrmaterial f\u00fcr den Japanischunterricht, die gegenw\u00e4rtige Situation an Schulen in Japan, sowie Informationen zum Japanisch-Lehramt in Deutschland pr\u00e4sentiert und diskutiert. Ca. 30 Japanisch-Lehrer (von denen der gr\u00f6\u00dfte Teil am Gymnasium unterrichtet) und Lehramtsstudierende nahmen an diesem Seminar teil. Das Seminar war in zwei Teile gegliedert, einen informativen Teil und einen praktischen Teil. Am ersten und zweiten Tag gab es vormittags Vortr\u00e4ge und Referate, und anschlie\u00dfend fand ein Workshop statt.<\/p>\n<div id=\"attachment_18214\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-18214\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18214\" class=\"wp-image-18214\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1.jpg\" alt=\"1\" width=\"500\" height=\"375\"><\/a><p id=\"caption-attachment-18214\" class=\"wp-caption-text\">Eine Auswahl an Japanisch-Lehrb\u00fcchern<\/p><\/div>\n<p>Am ersten Tag wurden verschiedene japanische Lehrb\u00fccher vorgestellt, wobei die Japanisch-Lehrer Vor-und Nachteile der Lehrb\u00fccher anf\u00fchrten. Laut der Lehrer verwenden die meisten deutschen Sch\u00fcler\/innen und Studierende \u201eMinna no nihongo\u201c f\u00fcr Grammatik und Vokabeln sowie \u201eTamago\u201c f\u00fcr Kanji. Das Buch \u201eDaichi\u201c, das in Deutschland noch unbekannt ist, ist mir dabei pers\u00f6nlich aufgefallen. Laut einer japanischen Lehrerin sei \u201eDaichi\u201c \u00e4hnlich wie \u201eMinna no nihongo\u201c strukturiert, allerdings seien die Texte im Buch im Vergleich zu \u201eMinna no nihongo\u201c mehr muttersprachlich formuliert. Z.B. kann man das an dem Ausdruck \u201e\uff5e\u306b\u3057\u307e\u3059\u3002 \u201c sehen, der w\u00e4hrend der Bestellung in einem Restaurant verwendet wird. In den meisten Lehrb\u00fcchern wird in der gleichen Situation der Ausdruck \u201e\uff5e\u3092\u98f2\u307f\u305f\u3044\u30fb\u98df\u3079\u305f\u3044\u3067\u3059\u3002\u201c verwendet, obwohl dieser Ausdruck in dieser Situation eher unnat\u00fcrlich klingt. Japaner\/innen benutzen bei einer Bestellung f\u00fcr gew\u00f6hnlich tats\u00e4chlich \u201e\uff5e\u306b\u3057\u307e\u3059\u3002 \u201c , d.h. die Form, die auch in dem Buch \u201eDaichi\u201c empfohlen wird. <!--more--><\/p>\n<p>Au\u00dferdem tauschten vier Studierende und Hochschulabsolventen f\u00fcr Japanisch-Lehramt ihre Erfahrungen und Beobachtungen aus Grundschulen in Japan aus. Laut ihnen seien die japanischen Sch\u00fcler einerseits sehr diszipliniert, aber andererseits passiv im Unterricht gewesen. Eine Lehramtsstudierende beobachtete einen Englischunterricht in einer Grundschule. Obwohl die Schule Englisch muttersprachige Lehrer als Assistant Language Teacher (ALT) anstellte, wurde der Englischunterricht haupts\u00e4chlich von japanischen Lehrern durchgef\u00fchrt. Die ALT brachten den Sch\u00fcler\/innen die Aussprache durch Wiederholung von S\u00e4tzen bei und es fand kaum Kommunikation auf Englisch im Unterricht statt. Laut der Lehramtsstudierenden ergebe sich ein Dilemma: Einerseits wollen die Schulen die Kommunikationsf\u00e4higkeit der Sch\u00fcler verbessern, andererseits lassen die Schulen die ALT nicht oft im Unterricht teilnehmen, da die Schulen Angst haben, dass die ALT und die Sch\u00fcler nicht miteinander kommunizieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_18215\" style=\"width: 577px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/10.jpg\" rel=\"attachment wp-att-18215\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18215\" class=\"wp-image-18215 size-full\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/10.jpg\" alt=\"10\" width=\"567\" height=\"319\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/10.jpg 567w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/10-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 567px) 100vw, 567px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18215\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Stephanie Osawa bei ihrem Vortrag<\/p><\/div>\n<p>Am zweiten Tag gab es vormittags Vortr\u00e4ge von Dr. Stephanie Osawa von unserem Institut und von Mika Sato, Lehrerin an der Japanischen Internationalen Schule in D\u00fcsseldorf. Im Vortrag von Frau Osawa wurde Problemverhalten der Jugendlichen vorgestellt. Probleme wie Schulverweigerung, Mobbing und Gewalt in der Schule wurden diskutiert. Au\u00dferdem zeigte Frau Osawa die kleinlichen Regeln in japanischen Schulen auf. Regeln wie das Verbot von Kaugummi, Verbot von kurzen R\u00f6cke, Verbot von kurzen Socken usw. sind wesentlich in der Schule und werden nach strikten Vorgaben durchgef\u00fchrt. Daher legen die Sch\u00fcler gro\u00dfen Wert auf die Schulregeln. In einem Interview von Frau Osawa mit einem japanischen Sch\u00fcler \u00e4u\u00dferte dieser entsprechend, dass die Schulregeln wichtiger als die Gesetze seien.<\/p>\n<p>Frau Sato pr\u00e4sentierte das aktuelle Bildungssystem in Japan. Laut Frau Sato habe das Ministerium f\u00fcr Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie Japans einen neuen Lehrplan (f\u00fcr Grundschulen ab 2011 und Mittelschulen ab 2012) eingesetzt. Der neue Lehrplan wird in vier Punkten zusammengefasst: 1. Unterrichtsinhalte vollst\u00e4ndig machen; 2. Unterrichtszeit verl\u00e4ngern; 3. Lebenskunde unterrichten; 4. Schulen, Familien und Region kooperieren. Im Vergleich zu dem bisherigen Unterricht fokussiert sich der neue Unterricht mehr auf die Ausbildung der Denkf\u00e4higkeit, der Urteilskraft und der Ausdrucksf\u00e4higkeit. Um dies zu erreichen, wird die aktive statt die traditionelle passive Methoden verwandt. Z.B. Gruppendiskussion \u00fcber aktuelle Ereignisse, Referat, Verfassen von Berichten etc. Au\u00dferdem halten die Schulen Fremdsprachen \u2013 insbesondere Englisch \u2013 f\u00fcr wichtig. Bisher m\u00fcssen nur Mittelsch\u00fcler und Obersch\u00fcler an Englischkursen teilnehmen. Allerdings sollen sich Grundsch\u00fcler ab der f\u00fcnften Klasse jetzt auch w\u00f6chentlich eine dreiviertel Stunde am Kurs beteiligen.<\/p>\n<p>Der Englischkurs von Obersch\u00fclern wird um ca. eine Stunde verl\u00e4ngert. Der Unterricht der Lebenskunde wurde schon im Jahr 2002 erstmals eingef\u00fchrt, und im Fokus stehen Gesundheit, Menschlichkeit und wissenschaftliche Begabung von Sch\u00fclern. Im neuen Lehrplan werden Grundwissen, Ausdrucksf\u00e4higkeit und Wille hinzugef\u00fcgt. Nicht nur die Schulen haben die Verantwortung der Erziehung von Kindern, sondern auch die Eltern und die Region m\u00fcssen daran teilhaben. Ein Unterst\u00fctzungsteam der Erziehung in der Familie wird gegr\u00fcndet und Menschen aus der Region melden sich freiwillig zum Unterst\u00fctzung der Schulaktivit\u00e4ten, z.B. f\u00fcr Klubaktivit\u00e4ten, Aufr\u00e4umen in der Bibliothek, Nachhilfe etc.<\/p>\n<p>Der praktische Teil des Seminars fand Samstagnachmittags im Workshop statt. In Kleingruppen wurden Texte zum Thema Schule in Japan und Aufgabenmaterial erstellt. Das Thema unserer Gruppe war \u201eAlltag in japanischen Schulen\u201c. Wir bauten dazu einen japanischen Text auf Sprachniveau A2 bis B1 auf und formulierten einige Fragen in Bezug auf den Text. Im Text wurden ein genereller Tagesablauf eines Sch\u00fclers\/einer Sch\u00fclerin in einer japanischen Oberschule beschrieben, n\u00e4mlich vom Betreten der Schule bis zum Ende des Nachhilfeunterrichts (juku). In unserer Diskussion setzten wir uns auch mit Klischees zu japanischen Schulen bzw. Sch\u00fclern auseinander, z.B. k\u014dhai respektieren senpai im Klub, alle Sch\u00fcler von Oberschulen m\u00fcssen die Aufnahmepr\u00fcfung von Universit\u00e4ten ablegen etc. Diese Klischees, die durch Manga, Anime und dorama auch Ausl\u00e4nder\/innen bekannt sind, stimmen aber tats\u00e4chlich nicht ganz.<\/p>\n<p>Insgesamt war das Seminar f\u00fcr mich eine wertvolle Erfahrung: Durch den kulturellen Austausch lernte ich viel \u00fcber den japanischen Schulalltag und das Bildungssystem in Japan.<\/p>\n<p><em>Celeste Yau<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele aktuelle Informationen zu Schule in Japan und zum Japanischlernen in Deutschland gab es vom 8. bis 10. Juni 2018 beim 30. VJS-Fortbildungsseminar im Arbeitnehmerzentrum K\u00f6nigswinter. Unsere Masterstudentin Celeste Yau war dabei und berichtet hier von ihren Eindr\u00fccken und Erfahrungen. Der VJS, Verein der Japanischlehrkr\u00e4fte an weiterf\u00fchrenden Schulen im deutschsprachigen Raum e.V. (\u30c9\u30a4\u30c4\u8a9e\u570f\u4e2d\u7b49\u6559\u80b2\u65e5\u672c\u8a9e\u6559\u5e2b\u4f1a) verschreibt sich dem Aufbau freundschaftlicher Beziehungen zwischen Sch\u00fclern aus dem deutschsprachigen Raum und Japan. Das Fortbildungsseminar findet jedes Jahr in Deutschland statt, um aktuelle Themen des japanischen Sprachunterrichts zu diskutieren, die Japanisch-Lehrer fortzubilden und um zuk\u00fcnftigen Japanisch-Lehrern zu helfen. Das Thema des dreit\u00e4gigen Seminars war dieses Mal \u201eAktuelle Tendenzen in der japanischen Schullandschaft\u201c. Dabei wurden Aspekte wie Lehrmaterial f\u00fcr den Japanischunterricht, die gegenw\u00e4rtige Situation an Schulen in Japan, sowie Informationen zum Japanisch-Lehramt in Deutschland pr\u00e4sentiert und diskutiert. Ca. 30 Japanisch-Lehrer (von denen der gr\u00f6\u00dfte Teil am Gymnasium unterrichtet) und Lehramtsstudierende nahmen an diesem Seminar teil. 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