{"id":18069,"date":"2018-05-15T14:42:39","date_gmt":"2018-05-15T12:42:39","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=18069"},"modified":"2020-07-17T13:01:08","modified_gmt":"2020-07-17T11:01:08","slug":"die-japanische-art-brasilianer-zu-sein-ueber-arbeitsmigration-und-japanische-identitaet-in-brasilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=18069","title":{"rendered":"\u201eDie japanische Art Brasilianer zu sein\u201c: \u00dcber Arbeitsmigration und japanische Identit\u00e4t in Brasilien"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_18068\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18068\" class=\"size-full wp-image-18068\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/IMG_5183.jpg\" alt=\"Peter Bernardi\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/IMG_5183.jpg 640w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/IMG_5183-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-18068\" class=\"wp-caption-text\">Peter Bernardi<\/p><\/div>\n<p>Ein Tag wie jeder andere in Brasilien: Betagte japanische Damen stehen auf der B\u00fchne und singen Enka \u2013 das Pendant zum deutschen Schlager \u2013, ein japanisches Publikum klatscht. Moment, wie kann das sein? Fakt ist: Dies ist nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches in der japanischen Gemeinde in Brasiliens gr\u00f6\u00dfter Stadt S\u00e3o Paulo. Wie eine solche Minderheit zustande kommen kann, ist offensichtlich: Migration.<\/p>\n<p>Es gibt verschiedene Gr\u00fcnde, warum Menschen sich dazu entschlie\u00dfen, in ein anderes Land zu ziehen. Sei es aufgrund von Flucht aus dem Heimatland, wegen Heirat, aus beruflichen oder sonstigen Gr\u00fcnden. Im Master-Seminar \u201eLiving Abroad &#8211; Lifestyle Migration, Heiratsmigration und japanische Diaspora\u201c unter der Leitung von Frau Dr. Kottmann haben wir uns am 8. Mai mit dem Thema Arbeitsmigration besch\u00e4ftigt und zu diesem Anlass den Dokumentarfilm <em>Nipo Brasil \u2013 Die japanische Art Brasilianer zu sein<\/em> angeschaut, der sich mit japanischen Migranten in Brasilien besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Als Experten auf diesem Gebiet hatten wir Herrn Peter Bernardi zu Gast,&nbsp;der im Studiendekanat der Philosophischen Fakult\u00e4t als Ansprechpartner f\u00fcr den Bereich eLearning t\u00e4tig ist und zum Thema der japanischen Gemeinde in S\u00e3o Paulo promoviert. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Japanische Diaspora in Brasilien <\/strong><\/p>\n<p>Brasilien hat aktuell die weltweit gr\u00f6\u00dfte japanische Gemeinschaft im Ausland zu verzeichnen. An dieser Stelle kommt wom\u00f6glich die Frage auf, wie es dazu kam. Eine Antwort darauf kennt Herr Bernardi, der uns \u00fcber die Migrationsgeschichte der Japaner in Brasilien ausf\u00fchrlich berichten konnte.<\/p>\n<p>Die ersten Auswanderungen von Japanern ins Ausland gab es bereits nach der Meiji-Restauration im Jahr 1868, denn diese brachte das Ende der Landesabschlie\u00dfung, des sogenannten <em>sakoku<\/em> (\u9396\u56fd) mit sich. Der japanisch-brasilianische Freundschaftsvertrag sowie der Boom der Kaffeeindustrie bewirkten in Kombination mit sozio\u00f6konomischen Problemen, die durch die Landes\u00f6ffnung verursacht wurden, dass sich die erste Welle japanischer Arbeitsmigranten Anfang des 20. Jahrhunderts nach Brasilien aufmachte. Im Zweiten Weltkrieg trat Brasilien den Alliierten bei, was einen Einwanderungsstopp zur Folge hatte sowie zu einer starken Diskriminierung der japanischen Gemeinde f\u00fchrte. Die Situation besserte sich jedoch nach Kriegsende, so dass Immigration erneut m\u00f6glich wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_18071\" style=\"width: 1666px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18071\" class=\"size-full wp-image-18071\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Torii_Liberdade.jpg\" alt=\"(Quelle: Wikimedia Commons https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Torii_Liberdade.jpg)\" width=\"1656\" height=\"1242\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Torii_Liberdade.jpg 1656w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Torii_Liberdade-300x225.jpg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Torii_Liberdade-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Torii_Liberdade-768x576.jpg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Torii_Liberdade-1536x1152.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1656px) 100vw, 1656px\" \/><p id=\"caption-attachment-18071\" class=\"wp-caption-text\">(Quelle: Wikimedia Commons https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Torii_Liberdade.jpg)<\/p><\/div>\n<p>Heutzutage lebt die Mehrheit japanischst\u00e4mmiger Brasilianer, sogenannter <em>nikkei<\/em> <em>burajiru-jin<\/em> (\u65e5\u7cfb\u30d6\u30e9\u30b8\u30eb\u4eba), in Liberdade, einem Stadtteil von S\u00e3o Paulo. Un\u00fcbersehbar in diesem Stadtviertel ist die japanische Architektur, die japanischen Restaurants, die Tempel und das \u201eMuseum der japanischen Immigration\u201c, weshalb Liberdade zweifellos als \u201eJapantown\u201c unverkennbar ist.<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nikkei \u2013 Japaner oder Brasilianer?<\/strong><\/p>\n<p>Einen wichtigen Beitrag zu dieser Thematik leistet der Dokumentarfilm <em>Nipo Brasil \u2013 Die japanische Art Brasilianer zu sein, <\/em>der 2005 vom schweizerisch-brasilianischen Filmteam VIROfilm produziert wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_18072\" style=\"width: 955px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18072\" class=\"size-full wp-image-18072\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Film-Nipo-Brasil.png\" alt=\"(Quelle: https:\/\/www.virofilm.ch\/deutsch\/filme\/nipo-brasil\/)\" width=\"945\" height=\"524\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Film-Nipo-Brasil.png 945w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Film-Nipo-Brasil-300x166.png 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Film-Nipo-Brasil-768x426.png 768w\" sizes=\"(max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><p id=\"caption-attachment-18072\" class=\"wp-caption-text\">(Quelle: https:\/\/www.virofilm.ch\/deutsch\/filme\/nipo-brasil\/)<\/p><\/div>\n<p><em>Nipo Brasil <\/em>handelt von der Familie Naka, die seinerzeit als Gastarbeiter nach Brasilien ausgewandert und bis heute dortgeblieben ist. Gro\u00dfvater Luis Senzo Naka, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 93 Jahre alt, stammt urspr\u00fcnglich aus Okinawa. Er wanderte im Alter von 17 Jahren auf der Suche nach Arbeit von seiner Heimat Okinawa nach Brasilien aus. Naka gr\u00fcndete eine Familie, sein Sohn Juaquim wuchs in einem brasilianischen Umfeld mit japanischer Erziehung auf. Auch dieser gr\u00fcndete eine Familie, heiratete eine Brasilianerin und bekam Kinder. Diese wuchsen \u00fcberwiegend brasilianisch auf. Wie werden wohl die Kinder seiner Kinder \u2013 Luis Nakas Urenkel \u2013 aufwachsen? Denn mit jeder weiteren Generation geht ein St\u00fcck der japanischen Identit\u00e4t verloren \u2013 oder etwa nicht?<\/p>\n<p>Die Frage der Identit\u00e4t ist bei Weitem nicht so leicht zu beantworten. \u201eWer bin ich?\u201c und vor allem \u201eWas bin ich: Japaner, Brasilianer?\u201c, dies ist vielen <em>nikkei<\/em> selbst nicht immer hundertprozentig klar. Der Umstand, dass in Brasilien Geborene automatisch die brasilianische Staatsangeh\u00f6rigkeit erlangen, macht die Beantwortung dieser Frage nicht leichter. In einem japanischen Umfeld aufzuwachsen, wie es in Liberdade \u2013 Klein-Tokio \u2013 der Fall ist, muss f\u00fcr die sp\u00e4teren Generationen der <em>nikkei<\/em> nicht hei\u00dfen, dass sie sich auch japanisch f\u00fchlen.<\/p>\n<p><em>Nipo Brasil <\/em>zeigt auf einer Alltagsebene auf, wie sich Arbeitsmigration im Laufe der Jahre entwickeln und auswirken kann und wirft Fragen auf, die sich nur schwer beantworten lassen: Was macht Identit\u00e4t aus? Die Sprache, das Umfeld, oder die Erziehung? Ob der Film auf diese Frage eine f\u00fcr jeden zufriedenstellende Antwort geben kann, bleibt unklar. Doch Denkanst\u00f6\u00dfe gibt er allemal.<\/p>\n<p>Interessierte k\u00f6nnen sich den Film unter folgendem Link gerne anschauen:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.virofilm.ch\/deutsch\/filme\/nipo-brasil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.virofilm.ch\/deutsch\/filme\/nipo-brasil\/<\/a><\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten uns vielmals bei Herrn Bernardi f\u00fcr seinen Besuch in unserem Seminar und die spannende Einf\u00fchrung in dieses wichtige Thema bedanken!<em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Text: Noelia Mu\u00f1iz Schley<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Tag wie jeder andere in Brasilien: Betagte japanische Damen stehen auf der B\u00fchne und singen Enka \u2013 das Pendant zum deutschen Schlager \u2013, ein japanisches Publikum klatscht. Moment, wie kann das sein? Fakt ist: Dies ist nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches in der japanischen Gemeinde in Brasiliens gr\u00f6\u00dfter Stadt S\u00e3o Paulo. Wie eine solche Minderheit zustande kommen kann, ist offensichtlich: Migration. Es gibt verschiedene Gr\u00fcnde, warum Menschen sich dazu entschlie\u00dfen, in ein anderes Land zu ziehen. Sei es aufgrund von Flucht aus dem Heimatland, wegen Heirat, aus beruflichen oder sonstigen Gr\u00fcnden. Im Master-Seminar \u201eLiving Abroad &#8211; Lifestyle Migration, Heiratsmigration und japanische Diaspora\u201c unter der Leitung von Frau Dr. Kottmann haben wir uns am 8. Mai mit dem Thema Arbeitsmigration besch\u00e4ftigt und zu diesem Anlass den Dokumentarfilm Nipo Brasil \u2013 Die japanische Art Brasilianer zu sein angeschaut, der sich mit japanischen Migranten in Brasilien besch\u00e4ftigt. 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