{"id":17691,"date":"2017-12-13T14:46:25","date_gmt":"2017-12-13T12:46:25","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=17691"},"modified":"2020-07-17T13:02:51","modified_gmt":"2020-07-17T11:02:51","slug":"sutren-tee-und-diskussionskultur-ein-wochenende-mit-dem-shin-buddhismus-im-eko-haus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=17691","title":{"rendered":"Sutren, Tee und Diskussionskultur: Ein Wochenende mit dem Shin-Buddhismus im Ek\u00f4-Haus"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_17692\" style=\"width: 860px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17692\" class=\"wp-image-17692 size-full\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Hoonko-blog.jpg\" alt=\"Hoonko blog\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Hoonko-blog.jpg 850w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Hoonko-blog-300x200.jpg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Hoonko-blog-768x512.jpg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Hoonko-blog-840x560.jpg 840w\" sizes=\"(max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><p id=\"caption-attachment-17692\" class=\"wp-caption-text\">Erinnerungsfoto: Die Teilnehmer\/innen des buddhistischen Seminars im Ek\u00f4-Tempel. Foto: Ek\u00f4-Haus<\/p><\/div>\n<p><strong>Buddhistische Sutren rezitieren, ausgezeichneten gr\u00fcnen Tee trinken und \u00fcber Gut und B\u00f6se diskutieren \u2013 das Wochenende vom 1. bis 3. Dezember war f\u00fcr einige Teilnehmer\/innen des Seminars &#8222;Rituale in Japan&#8220; von Elisabeth Scherer mit nicht ganz allt\u00e4glichen Besch\u00e4ftigungen ausgef\u00fcllt. Die Studierenden waren zu Gast beim Seminar der Ek\u00f4-Gemeinschaft der europ\u00e4ischen Shin-Buddhisten im D\u00fcsseldorfer <a href=\"http:\/\/www.eko-haus.de\/de\/\">Ek\u00f4-Haus<\/a>, in dessen Rahmen auch das sogenannte H\u00f4onk\u00f4-Fest begangen wurde. Dieses Fest wird zu Ehren von Shinran, dem Gr\u00fcnder der buddhistischen J\u00f4do Shinsh\u00fb, gefeiert und gilt als das wichtigste Ereignis des Jahres in dieser Schule. In diesem Beitrag schildern einige die dort waren ihre Eindr\u00fccke, und Katharina Gr\u00f6ner und Charlotte Henschel berichten <a href=\"#bericht\">weiter unten<\/a> ausf\u00fchrlich von dem Ritual, das im Zentrum des Wochenendes stand.<\/strong><\/p>\n<p>Eine (f\u00fcr manche) schlechte Nachricht vorab: Eine Erleuchtung in diesem Leben ist nicht zu erwarten. Die Erl\u00f6sung tritt nach Shin-buddhistischer Lehre erst nach dem Tod ein, wenn man auf die Hilfe durch Amida Buddha vertraut. Auch Prof. Arai Toshikazu (auf dem Foto oben in der ersten Reihe im grauen Gewand), der das Seminar der Shin-Buddhisten leitete, sieht sich selbst weiterhin als <em>bombu<\/em>, als gew\u00f6hnlichen Menschen mit allen damit verbundenen Leiden und Fehlern. Arai war eigens aus Japan angereist, um mit den Teilnehmer\/innen \u00fcber Gut und B\u00f6se im Shin-Buddhistmus zu reflektieren. Die Lehren der J\u00f4do Shinsh\u00fb verdeutlichte er mit Geschichten, die von dem indischen K\u00f6nig Ajatashatru bis zu Gefangenen in japanischen Todeszellen reichten. Die Atmosph\u00e4re im Seminar l\u00e4sst sich am besten mit den Worten der Teilnehmer\/innen beschreiben: <!--more--><\/p>\n<p>\u201eZu Beginn des Seminars f\u00fchlte ich mich noch etwas orientierungslos. Man kannte die Teilnehmer noch nicht und die ersten Eindr\u00fccke waren sehr interessant. Es waren viele Herren dort, denen man im Gesicht eine Art Weisheit ablesen konnte. Vor allem dem Sensei mit seinem sanften willkommenden L\u00e4cheln. Er begr\u00fc\u00dfte uns herzlich und l\u00e4utete die Runde ein. Der erste Tag half uns einen \u00dcberblick dar\u00fcber zu bekommen, wer sich schon etwas in der Materie auskennt und wer nicht. In den langen und h\u00e4ufigen Kaffeepausen lernte man sich etwas kennen, dann im Laufe der n\u00e4chste beiden Tage sogar ziemlich gut. Es schien mir, dass schon ein gemeinsames Interesse wie der Shin-Buddhismus das Eis gebrochen hatte. Tats\u00e4chlich habe ich einen neuen Brieffreund dazugewonnen. Ehrlich gesagt bin ich sogar mit einem pers\u00f6nlichen Interesse an Spiritualit\u00e4t und Buddhismus in dieses Seminar hineingegangen, weswegen es mir vielleicht besonders leicht fiel, mit den Teilnehmern Gespr\u00e4chsthemen zu finden. Dies hat nat\u00fcrlich nichts an meiner Objektivit\u00e4t zum Sachverhalt ge\u00e4ndert. Alles in allem habe ich eine sehr positive Erinnerung an dieses Seminar. Alle waren freundlich und offen. Sowohl famili\u00e4r als auch herausfordernd gestaltete sich dieses Zusammentreffen, in dem auch kontroverse Ideen und Interpretationen der Lehre ausgetauscht wurden. Auch die Rezitationen gaben ein Gef\u00fchl von Gemeinsamkeit und Verbundenheit (was mich die Wirkungskraft von Ritualen hat sp\u00fcren lassen). Im Grunde kann ich jedem Interessenten dieses Seminar empfehlen, da man unter Garantie etwas Neues \u00fcber sich selbst und den Shin-Buddhismus lernen wird.\u201d<br \/>\n<em>Pamela Paul<\/em><\/p>\n<p>\u201eDas Shin-Buddhismus-Seminar war nicht nur informativ , sondern durch ein gut organisiertes Programm mit gem\u00fctlichen Kaffeepausen zwischendurch sehr unterhaltsam. F\u00fcr jeden mit Leidenschaft zur japanischen Kultur ein absolutes Muss.\u201d<br \/>\n<em>Thomas Pham<\/em><\/p>\n<p>\u201eDer Shin-Buddhismus hat einen sehr philosophisch gepr\u00e4gten Charakter, welcher nicht den Eindruck macht veraltet zu sein. Ganz im Gegenteil. Die gelegentlichen Kaffee- und Teepausen boten eine angenehme Abwechslung und die Gelegenheit, sich mit den anderen Teilnehmern zu unterhalten und auszutauschen. Die Vielfalt dieser Teilnehmer trug dazu bei, dass es zu einem interessanten, aber doch harmonischen Seminar wurde.\u201d<br \/>\n<em>Emre Asdarli<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_17693\" style=\"width: 860px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17693\" class=\"wp-image-17693 size-full\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Samstagklein.jpg\" alt=\"dav\" width=\"850\" height=\"478\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Samstagklein.jpg 850w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Samstagklein-300x169.jpg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Samstagklein-768x432.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><p id=\"caption-attachment-17693\" class=\"wp-caption-text\">Der Seminar-Samstag: Neblig, aber gem\u00fctlich. Foto: Peer Arne Vo\u00df<\/p><\/div>\n<p>\u201e\u201eFair is foul, and foul is fair.\u201d \u2013 Egal ob Shakespeare, die antiken Philosophen Griechenlands oder eben in der J\u014ddo Shinsh\u016b (\u6d44\u571f\u771f\u5b97), die Frage nach Gut &amp; B\u00f6se besch\u00e4ftigt die Menschheit schon immer, auch uns besch\u00e4ftigte sie das gesamte Seminar \u00fcber. Eine wirkliche Antwort darauf konnten wir zwar auch nicht finden, trotz einer ausgesprochen entspannten Arbeitsatmosph\u00e4re, einem wirklich bunten Mix an G\u00e4sten mit ganz unterschiedlichen Hintergr\u00fcnden, einem phantastischen Lehrer aus Japan und einem extrem leckeren Tee. Aber am Ende ging es auch nicht um die Antwort auf diese Frage, sehr zur Entt\u00e4uschung mancher Seminarteilnehmer, sondern darum sich auszutauschen und viel \u00fcber die Ansichten der J\u014ddo Shinsh\u016b zu lernen, die einen vielleicht sogar jenseits von rein akademischem Interesse besch\u00e4ftigen, was diese Seminar dadurch zu einer wirklich sch\u00f6nen Erfahrung gemacht haben, die ich auf jeden Fall im n\u00e4chsten Jahr gerne wiederholen m\u00f6chte.\u201d<br \/>\n<em>Peer Arne Vo\u00df<\/em><\/p>\n<p>\u201eDas Seminar hat sehr dazu eingeladen, \u00fcber Religion nachzudenken! Alle Anwesenden waren tolerant gegen\u00fcber Meinungen, die der eigenen nicht komplett glichen, wodurch das Seminar im Ganzen sehr interessant und lehrreich war. N\u00e4chstes Jahr gerne wieder! \ud83d\ude00 \u201c<br \/>\n<em>Ole Marschik<\/em><\/p>\n<p>\u201eIch war dieses Jahr zum zweiten Mal dabei und \u00fcberrascht davon, wie vertraut der Umgang mit den anderen Teilnehmer\/innen sofort wieder war und wie leicht man an das vergangene Seminar ankn\u00fcpfen konnte. Es ist zwar nur eine kleine Runde, aber ich habe das Gef\u00fchl, dass sich hier Menschen mit sehr verschiedenen Hintergr\u00fcnden und den unterschiedlichsten Ansichten versammeln \u2013&nbsp;was die Diskussion immer wieder besonders spannend macht. Und Arai-Sensei bleibt auch in der hitzigsten Debatte wunderbar ruhig und gibt die richtigen Impulse. Das Seminar ist f\u00fcr mich vor allem etwas besonderes, weil hier ein freies und undogmatisches Sprechen \u00fcber Religion stattfinden kann.\u201c<br \/>\n<em>Elisabeth Scherer<\/em><\/p>\n<p>\u201eDie Teilnehmer am Seminar ergaben insgesamt eine durchgemischte Gruppe von uns Studenten \u00fcber Interessenten und Professoren, die unter anderem extra aus England und \u00d6sterreich angereist kamen. Das ganze Seminar stand unter dem Thema \u201eGood and Evil in J\u014ddo Shinsh\u016b\u201c, wor\u00fcber uns ein japanischer Professor berichtete. Einige \u00e4u\u00dferten auch ihre eigenen Ansichten und Meinungen dazu, was an manchen Stellen auch mal zu Unstimmigkeiten zwischen den Teilnehmern f\u00fchrte. Trotz allem hatte das Seminar und auch das H\u014donk\u014d-Fest insgesamt eine ruhige Stimmung und war sehr informativ. Ich pers\u00f6nlich fand vor allem die \u201eFarewell Poems\u201c interessant, die der Professor uns vorgelesen hat.\u201c<br \/>\n<em>Eine weitere Teilnehmerin<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_17694\" style=\"width: 860px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17694\" class=\"wp-image-17694 size-full\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Sonntagklein.jpg\" alt=\"dav\" width=\"850\" height=\"478\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Sonntagklein.jpg 850w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Sonntagklein-300x169.jpg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Sonntagklein-768x432.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><p id=\"caption-attachment-17694\" class=\"wp-caption-text\">Der Seminar-Sonntag mit dem ersten Schnee in diesem Winter. Foto: Peer Arne Vo\u00df<\/p><\/div>\n<p>Im Mittelpunkt des Wochenendes stand neben den Seminar-Bl\u00f6cken auch ein Ritual, das hier nun genauer beschrieben und erkl\u00e4rt wird.<\/p>\n<div id=\"bericht\"><strong>Das H\u00f4onk\u00f4-Fest \u2013 Ein Bericht von Katharina Gr\u00f6ner und Charlotte Henschel<\/strong><\/div>\n<p><strong>Das H\u00f4onk\u00f4-Fest ist eines der wichtigsten Feste der J\u014ddo Shinsh\u016b und findet normalerweise \u2013 je nachdem, ob man sich nach dem Gregorianischen oder dem alten japanischen Mondkalender richtet \u2013 um den 28. November statt. Ein sp\u00e4terer Termin kann auch Anfang Januar liegen, meist in der zweiten Woche des neuen Jahres, etwa vom 9. bis zum 16. Januar. <\/strong><strong>Doch was genau steckt eigentlich dahinter?<\/strong><\/p>\n<p>In der Kamakura-Zeit entstanden, fokussiert sich die buddhistische Schule der \u201eWahren Lehre des Reinen Landes\u201c auf die Anrufung des Amida-Buddha mithilfe des sogenannten Nembutsu und, wie es ihr Gr\u00fcnder Shinran Sh\u014dnin bezeichnete, auf reinstes Vertrauen. Oder, um es kurz zu fassen: die alleinige Anrufung und simples Vertrauen reichen aus, um Erl\u00f6sung zu finden. Dabei spiele es keine Rolle, von welchem Standpunkt aus man beginne, welche Geschichten man mit sich herumtrage oder was man alles verbrochen haben k\u00f6nnte. \u201eWir werden immer wieder gefragt, welchen Praktiken wir denn eigentlich nachgehen\u201c, erz\u00e4hlte uns Frank Kobs, Priester im <a href=\"http:\/\/www.jodoshinshu.de\/\">Anjin-D\u014d<\/a> und gleichzeitig mitwirkender Priester beim H\u014donk\u014d-Fest. \u201eDabei haben wir nur das Nembutsu und sonst keine Praktiken, wie man sie von vielen anderen Schulen kennt. Wenn ich diese Frage gestellt bekomme, antworte ich deswegen schlicht mit: Wir \u00fcben uns in Dankbarkeit.\u201c<\/p>\n<p>Dankbarkeit scheint auch bei dem Fest eine wichtige Position einzunehmen. Das erste H\u014donk\u014d-Fest 1333 war urspr\u00fcnglich nichts anderes als eine Beerdigungs- oder Gedenkfeier zum Todestag Shinran Sh\u014dnins mit einer Erkl\u00e4rung seines Lebens und seiner Lehre. Also aufgebaut wie ein \u201eSeminarfest\u201c, aber den Gr\u00fcnder dennoch ehrend und sich dankbar an ihn erinnernd. Bis heute hat sich daran kaum etwas ge\u00e4ndert. Selbst im Wort H\u014donk\u014d steht das <em>h\u014don<\/em> im Deutschen in etwa f\u00fcr \u201eDankbarkeit erwidern\u201c, <em>k\u014d<\/em> f\u00fcr \u201edie Bedeutung von etwas verdeutlichen\u201c.<\/p>\n<p>Mittelpunkt des Festes ist die Festerkl\u00e4rung (jap. <em>hy\u014dbyaku<\/em> \u8868\u767d) mit der Lebensgeschichte Shinran Sh\u014dnins und das sogenannte \u201eSh\u014dshin-Nembutus-Ge\u201c, die Hymne des wahren Vertrauens und des Nembutsu, wie auch im Ablauf der Zeremonie deutlich wird: Nach dem L\u00e4uten der kleinen Glocke, dem Einzug der Priester und der Ausrufung der \u201edrei Einladungen\u201c (jap. <em>san-buj\u014d<\/em> \u4e09\u5949\u8acb) folgen die Ehrung des Gr\u00fcnders und die Ausrufung seiner Lehre als l\u00e4nger andauernder Mittelteil, bevor die eigentliche Zeremonie abgeschlossen und von einer zus\u00e4tzlichen Lesung einzelner Station im Leben des Gr\u00fcnders (auf Altjapanisch) au\u00dferhalb des Altarbereichs abgerundet wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_17701\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17701\" class=\"wp-image-17701\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_0503-1.jpg\" alt=\"IMG_0503\" width=\"300\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_0503-1.jpg 1448w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_0503-1-221x300.jpg 221w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_0503-1-756x1024.jpg 756w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_0503-1-768x1041.jpg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_0503-1-1134x1536.jpg 1134w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-17701\" class=\"wp-caption-text\">Hier konnten die Teilnehmer Weihrauch darbringen. Foto: Elisabeth Scherer<\/p><\/div>\n<p>\u201eDie Form enth\u00fcllt den Zweck der Zeremonie\u201c, erkl\u00e4rte uns Jan-Marc Nottelmann-Feil, Priester und Bibliothekar am Ek\u00f4-Haus. Dabei sei auch die r\u00e4umliche Anordnung von Bedeutung: \u201eSobald der Bereich vor dem Altar, (der innerste Bereich der Halle, also das <em>naijin<\/em> \u5185\u9663), verlassen wird, ist die eigentliche Zeremonie vorbei. Sobald die Priester das <em>gejin<\/em> \u5916\u9663 (alle anderen, meist tiefergelegten Bereiche) betreten, folgt ein au\u00dferzeremonieller Teil, der dennoch in starkem Bezug zu ihr steht. Das ist auch der Moment, in dem wir durchaus den feierlichen Ton ablegen und zu plaudern beginnen.\u201c<\/p>\n<p>Das Buch, in dem die einzelnen, ausf\u00fchrlich beschriebenen Lebensstationen Shinran Sh\u014dnins verfasst sind (das sog. <em>Sh\u014dshinge<\/em>), wird zum Abschluss der Zeremonie vor dem Altar geehrt, bevor aus ihm verlesen wird. In unserem Fall bekamen wir von dem jungen Priester Shoju Hironobu mit sehr kr\u00e4ftiger, singender Stimme die Geschichte zur Fragestellung \u201eVertrauen oder Praxis\u201c zu h\u00f6ren, in der Shinran, Sch\u00fcler des H\u00f4nen, der den Glauben an eine Geburt ins \u201ewahre Land der Vergeltung\/Belohnung\u201c lehrte, seinen Meister bat, die Sch\u00fcler zu testen, um herauszufinden, ob sie seine Lehre verstanden. Es stellte sich jedoch heraus, dass ein Gro\u00dfteil der bei einer Versammlung zusammengekommenen Sch\u00fcler von (teilweise) sehr schweren Praktiken \u00fcberzeugt war und nur sehr wenige, darunter Shinran, an das Vertrauen glaubten. Letzterer mitunter der Erfahrung wegen, dass er das Gef\u00fchl hatte, mit den Praktiken nichts zu erreichen. Der Meister schloss sich schlie\u00dflich ebenfalls der Seite des Vertrauens an.<\/p>\n<p>Um den Verlauf des H\u014donk\u014d-Festes etwas greifbarer zu machen, folgt nun eine n\u00e4here Beschreibung.<\/p>\n<p>Die Zeremonie wird mit dem L\u00e4uten der kleinen Glocke \u201eeingel\u00e4utet\u201c, bis die Priester \u00fcber T\u00fcren hinter dem Altar eingezogen sind und vor dem Altar in zwei sich gegen\u00fcberliegenden Reihen Platz genommen haben, wobei der Zeremonienmeister, meist der \u00e4lteste und erfahrenste Priester, auf der linken Seite (der Herzseite) des Buddha sitzt.<br \/>\nEr ist es auch, der mit der Anrufung der \u201eDrei Buddha\u201c (Amida, Shakyamuni und die \u201eanderen der Zehn Welten\u201c) mit der Bitte um Gegenwart im Zuge der \u201eDrei Einladungen\u201c beginnt \u2013 die Anwesenden antworten daraufhin im Chor. Hierbei ist anzumerken, dass es sich nicht um einfaches Sprechen handelt, sondern um feierlich-meditativen Gesang in Sino-Japanisch. Es folgen einige Strophen, die immer abwechselnd von einem anderen Priester angesungen und dann von den Anwesenden im Chor weitergesungen werden, die Reihenfolge der Priester erfolgt im Uhrzeigersinn.<\/p>\n<p>Die Festerkl\u00e4rung zum H\u014donk\u014d-Fest wird ebenfalls vom Zeremonienmeister durchgef\u00fchrt \u2013 in vergleichsweise einfachem Japanisch. Anschlie\u00dfend folgt das 17-strophige Sh\u014dshin-Nembutsu-Ge, die Ausrufung des Nembutsu, das von allen zusammen gesungen wird und sehr meditativen Charakter annimmt. Anzumerken ist hierbei, dass dies die einzige Zeitspanne ist, in der die Anwesenden nach vorne kommen und Weihrauch in dem daf\u00fcr vorgesehenen Kessel verbrennen und beten k\u00f6nnen. Dieser Vorgang wird als \u713c\u9999 (sh\u014dk\u014d) bezeichnet.<\/p>\n<p>Das sogenannte Godensh\u014d, die Verlesung einer Station im Leben Shinran Sh\u014dnins, erfolgt schlie\u00dflich, wie bereits beschrieben, nicht mehr im innersten Teil der Halle (<em>naijin<\/em>), sondern im tiefer gelegten <em>gejin<\/em>. Hierf\u00fcr verlassen alle Priester den inneren Teil durch T\u00fcren hinter dem Altar und betreten nacheinander den \u00e4u\u00dferen Teil \u00fcber Sh\u014dji (Schiebet\u00fcren mit durchscheinendem Papier), verbinden sich also sozusagen mit dem Publikum. Einer verl\u00e4sst nur kurzzeitig den inneren Teil, betritt ihn jedoch kurz darauf wieder, verbeugt sich vor dem Altar und vor dem <em>Sh\u014dshinge<\/em>, aus dem er vortragen wird, nimmt dieses auf einer Art kleinem Tischchen mit und gelangt schlie\u00dflich \u00fcber zwei Stufen aus dem <em>naijin<\/em> ins <em>gejin<\/em>. Dort verbeugt er sich vor den knienden Priestern und l\u00e4uft dann auf die andere Seite des Tatami-Podests, um sich dort, das Gesicht den Priestern zugewandt, ebenfalls hinzuknien, das Buch ehrend anzuheben und mit dem Rezitieren zu beginnen. Anschlie\u00dfend wird das Tischchen auf demselben Weg wieder zur\u00fcckgebracht und der Priester verl\u00e4sst den Altarbereich \u00fcber die T\u00fcren dahinter.<\/p>\n<p>Zum Schluss erfolgt eine Ansprache, die in unserem Fall von Frank Kobs durchgef\u00fchrt wurde, der die zuvor auf Altjapanisch rezitierte Geschichte aus dem Leben des Gr\u00fcnders noch einmal auf Deutsch und auf Englisch verst\u00e4ndlicher erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Nach Beendigung der Feier werden die Anwesenden zu einer Tasse Tee und gemeinsamen Gespr\u00e4chen eingeladen \u2013 so auch wir. Das gab uns die Gelegenheit, uns etwas genauer mit dem deutschen Priester Jan-Marc Nottelmann-Feil zu unterhalten und interessante Einblicke in die Arbeit eines solchen, in die Zeremonie des H\u014donk\u014d-Festes speziell im Ek\u014d-Haus, als auch in die Hintergr\u00fcnde des Festes zu erhalten. W\u00e4hrend der Zeremonie wechselten zum Beispiel hin und wieder die Anwesenden, da immer wieder Leute kamen und gingen, doch das sei laut Nottelmann-Feil nichts Ungew\u00f6hnliches, sondern eher etwas vollkommen Normales und Akzeptiertes. Die Priester zumindest w\u00fcrden sich dadurch nicht gest\u00f6rt f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Unter die korrekte Ausf\u00fchrung der Rituale f\u00e4llt zum Beispiel auch, dass der Buddha-Altar \u201erechtsdrehend\u201c umwandert, und auch die Reihenfolge der Vors\u00e4nger erfolgt im Uhrzeigersinn. Das Ek\u014d-Haus sei in dieser Praxis sehr auf Gleichheit bedacht, so Nottelmann-Feil. Abschlie\u00dfend k\u00f6nnte man den Sinn der Feier etwa so zusammenfassen: Eine Zeremonie m\u00fcsse nicht sch\u00f6n sein, sondern den Riten folgen. Das wichtigste hierbei sei das oberste Sutra der Jod\u014d Shinsh\u016b, das Nembutsu. Es sei die eigentliche Zeremonie, alles drumherum k\u00f6nne man auch als ein \u201egro\u00dfes Nembutsu\u201c sehen, so wie zum Beispiel die Rezitation aus dem<em> Sh\u014dshinge<\/em>. Die Bedeutung der Feier sei es, das Nembutsu zu erkl\u00e4ren und auch normalen Menschen zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>Alles in allem war es eine interessante Erfahrung, diesem doch besonderen buddhistischen Fest beizuwohnen und von Weihrauch und meditativem Gesang umgeben einmal die Gedanken schweifen zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buddhistische Sutren rezitieren, ausgezeichneten gr\u00fcnen Tee trinken und \u00fcber Gut und B\u00f6se diskutieren \u2013 das Wochenende vom 1. bis 3. Dezember war f\u00fcr einige Teilnehmer\/innen des Seminars &#8222;Rituale in Japan&#8220; von Elisabeth Scherer mit nicht ganz allt\u00e4glichen Besch\u00e4ftigungen ausgef\u00fcllt. Die Studierenden waren zu Gast beim Seminar der Ek\u00f4-Gemeinschaft der europ\u00e4ischen Shin-Buddhisten im D\u00fcsseldorfer Ek\u00f4-Haus, in dessen Rahmen auch das sogenannte H\u00f4onk\u00f4-Fest begangen wurde. Dieses Fest wird zu Ehren von Shinran, dem Gr\u00fcnder der buddhistischen J\u00f4do Shinsh\u00fb, gefeiert und gilt als das wichtigste Ereignis des Jahres in dieser Schule. In diesem Beitrag schildern einige die dort waren ihre Eindr\u00fccke, und Katharina Gr\u00f6ner und Charlotte Henschel berichten weiter unten ausf\u00fchrlich von dem Ritual, das im Zentrum des Wochenendes stand. Eine (f\u00fcr manche) schlechte Nachricht vorab: Eine Erleuchtung in diesem Leben ist nicht zu erwarten. Die Erl\u00f6sung tritt nach Shin-buddhistischer Lehre erst nach dem Tod ein, wenn man auf die Hilfe durch Amida Buddha vertraut. 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