{"id":17104,"date":"2017-06-20T15:58:01","date_gmt":"2017-06-20T13:58:01","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=17104"},"modified":"2020-07-17T13:05:24","modified_gmt":"2020-07-17T11:05:24","slug":"bericht-natur-und-laendlicher-raum-im-gegenwaertigen-japan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=17104","title":{"rendered":"Bericht: &#8222;Natur und l\u00e4ndlicher Raum im gegenw\u00e4rtigen Japan&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_17001\" style=\"width: 802px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17001\" class=\"wp-image-17001 size-full\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Foto-Blog.jpg\" alt=\"Foto Blog\" width=\"792\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Foto-Blog.jpg 792w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Foto-Blog-300x139.jpg 300w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Foto-Blog-768x357.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 792px) 100vw, 792px\" \/><p id=\"caption-attachment-17001\" class=\"wp-caption-text\">Hafen von Saki, Ama, Pr\u00e4fektur Shimane. Foto: Ludgera Lewerich<\/p><\/div>\n<p>Walfang, Literatur aus Tohoku, das <em>s<\/em><em>atoyama<\/em>-Konzept&nbsp;oder der Fuji in der zeitgen\u00f6ssischen Kunst &#8211; so vielf\u00e4ltig waren die Themen, die&nbsp;am 9. und 10.06. im Rahmen eines an unserem Institut organisierten DoktorandInnen-Workshop im Haus der Universit\u00e4t vorgestellt wurden. Forschende&nbsp;unseres Institutes und der Japanologien in Berlin, Z\u00fcrich und Wien pr\u00e4sentierten&nbsp;ihre Dissertationsprojekte rund um Natur und den l\u00e4ndlichen Raum. Aus unterschiedlichen Perspektiven wurde beleuchtet, woher bestimmte Natur- und Landschaftskonzepte&nbsp;stammen und wie bzw. wof\u00fcr sie in Politik, Tourismus und Kunst verwendet werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im ersten Panel &#8222;Bilder des L\u00e4ndlichen in Tourismus und Binnenmigration&#8220; ging es um&nbsp;die Vermarktung des l\u00e4ndlichen Raumes im Tourismus und in der Binnenmigration. <strong>Michiko Uike-Bormann<\/strong>&nbsp;(Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf) sprach \u00fcber die Inszenierung von europ\u00e4ischer Natur und l\u00e4ndlicher Idylle in Themenparks. <strong>Theresa Sieland<\/strong> (Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf) trug \u00fcber&nbsp;die Rolle der touristischen Vermarktung in der Etablierung einer &#8222;authentisch japanischen&#8220; Landschaft vor. Den Abschluss bildete <strong>Ludgera Lewerich&nbsp;<\/strong>(Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf), die die Narrativen von Stadt-Land-Migranten und die Werbung f\u00fcr einen Ausstieg aus dem urbanen Leben erforscht. Dabei wurde als \u00fcbergreifendes Thema der drei Vortr\u00e4ge die Dichotomie zwischen Stadt und Land deutlich. Ging es einmal um europ\u00e4ische und zweimal um japanische Natur, so blieben die Projizierungen aber gleich: idealisierte und affektive Bilder japanischer <em>furusato<\/em>-Kulturlandschaften oder europ\u00e4ischer L\u00e4ndlichkeit versprechen St\u00e4dtern eine romantische und nostalgische Zuflucht. Der l\u00e4ndliche Raum wird als Gegenentwurf zu der Enge und Hektik der Gro\u00dfstadt inszeniert.<\/p>\n<p>Das zweite Panel setze sich mit &#8222;Natur und l\u00e4ndlicher Raum&nbsp;in Medien, Kunst und Literatur&#8220; auseinander.<strong> Andreas Riessland<\/strong> (Gastforscher aus unserer Partneruniversit\u00e4t Nanzan) stellte anhand von Autowerbung f\u00fcr den Toyota Crown anschaulich dar, wie hier <em>furusato<\/em>-Idealisierungen und Natur als Projektionsfl\u00e4che urbaner Sehns\u00fcchte zur Vermarktung des Konsumobjekts Auto genutzt wurden und immer noch werden.&nbsp;Jutta Teuwsen und Tamara Kamerer (Universit\u00e4t Wien) konnten&nbsp;in ihren Vortr\u00e4gen aufzeigen, dass es aber durchaus auch eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Naturkonzepten und einen Widerstand gegen die Idealisierung des l\u00e4ndlichen Raumes&nbsp;gibt. In der Literatur aus der Pr\u00e4fektur Iwate, die <strong>Tamara Kamerer<\/strong> untersucht, wird die Natur als unheimlicher und teilweise auch als antagonistischer Raum gegen\u00fcber den Menschen dargestellt. Die Autorinnen schreiben ebenso schonungslos \u00fcber den Alltag in den von \u00dcberalterung und Strukturschwache bedrohten l\u00e4ndlichen Gebieten. <strong>Jutta Teuwsen&nbsp;<\/strong>(Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf) erforscht zeitgen\u00f6ssische Kunst und stellt \u00e4hnliche Tendenzen fest. Gegenw\u00e4rtige Darstellungen etwa brechen und entfremden vermehrt die \u00dcberh\u00f6hung des Fuji als nationales Symbol.<\/p>\n<p>Am Samstag ging es dann um &#8222;Natur und Nation: Revitalisierungsstrategien f\u00fcr die Fischerei&#8220;. Den Anfang bildete der Vortrag von <strong>Timo&nbsp;Thelen<\/strong>&nbsp;(Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf), der deutlich machte, dass das als genuin japanisch konzipierte&nbsp;Umweltkonzept <em>satoyama satoumi&nbsp;<\/em>haupts\u00e4chlich der au\u00dfenpolitischen Darstellung Japans als &#8222;green softpower&#8220; dient, bei Akteuren vor Ort wie etwa bei den Austernfischern der Nanao-Bucht aber weitgehend ohne Auswirkungen bleibt. <strong>Fynn Holm<\/strong> (Universit\u00e4t Z\u00fcrich) zeigte in seinem Vortrag auf, wie&nbsp;der Walfang in Tohoku &#8211; obwohl dort erst seit etwa 100 Jahren betrieben und mit nur rund 20 Angestellten vor 2011 eine marginale Branche &#8211; zum&nbsp;wichtigen Ort genuin japanischer Walfangkultur und zum Schl\u00fcssel f\u00fcr den Wiederaufbau Tohokus erkl\u00e4rt wurde. Den Abschluss bildete <strong>Susanne Auerbach<\/strong> (FU Berlin), die ihr Projekt zu Japans K\u00fcstenfischerei vorstellte. Viele Fischereigemeinden sind von Strukturproblemen bedroht und sollen durch neue Entwicklungen in der Fischerpolitik revitalisiert werden. Dabei geht es auch um das Spannungsfeld zwischen (Aus)nutzen und Erhalt maritimer Ressourcen.<\/p>\n<p>Den Abschluss an beiden Tagen bildete eine gemeinsame Diskussion der Themen.&nbsp;Dabei wurde deutlich, dass Bilder des l\u00e4ndlichen Raumes weiterhin meist eng mit japanischen nationalen Selbstkonzepten&nbsp;verbunden sind, wenn etwa von &nbsp;<em>satoyama<\/em> als besonderem, &#8222;urspr\u00fcnglich japanischen Umweltkonzept&#8220; oder einem &#8222;besonderen Verh\u00e4ltnis der Japaner zur Natur&#8220; die Rede ist. Der l\u00e4ndliche Raum wird zudem weiterhin oft idealisiert und im Sinne von <em>furusato<\/em> als nostalgisch behafteter oft einer authentischen japanischen Vergangenheit inszeniert. Diese Konzepte dienen&nbsp;oft politischen und wirtschaftlichen Zwecken, wie in vielen der Vortr\u00e4gen deutlich wurde. Potential zur Subversion dieser Narrative scheinen dabei haupts\u00e4chlich Kunst und Literatur zu bieten.<\/p>\n<hr>\n<p>Unser Dank gilt der <strong>Gesellschaft von Freunden und F\u00f6rderern der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t e.V.<\/strong> die den Workshop finanziell unterst\u00fctzt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Walfang, Literatur aus Tohoku, das satoyama-Konzept&nbsp;oder der Fuji in der zeitgen\u00f6ssischen Kunst &#8211; so vielf\u00e4ltig waren die Themen, die&nbsp;am 9. und 10.06. im Rahmen eines an unserem Institut organisierten DoktorandInnen-Workshop im Haus der Universit\u00e4t vorgestellt wurden. Forschende&nbsp;unseres Institutes und der Japanologien in Berlin, Z\u00fcrich und Wien pr\u00e4sentierten&nbsp;ihre Dissertationsprojekte rund um Natur und den l\u00e4ndlichen Raum. 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