{"id":13755,"date":"2015-03-11T14:29:36","date_gmt":"2015-03-11T12:29:36","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=13755"},"modified":"2020-07-06T09:30:57","modified_gmt":"2020-07-06T07:30:57","slug":"bericht-aus-dem-seminar-beziehungswelten-wise-201415","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=13755","title":{"rendered":"Bericht aus dem Seminar &#8222;Beziehungswelten&#8220; (WiSe 2014\/15)"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen des Seminars &#8222;Beziehungswelten&#8220; (WiSe 2014\/15) haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine eigene Umfrage zum Thema &#8222;romantische Beziehungen&#8220; entworfen und in D\u00fcsseldorf durchgef\u00fchrt. Hier der &#8211; spannende &#8211; Abschlussbericht:<\/p>\n<div id=\"attachment_13760\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13760\" class=\"wp-image-13760\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/couple.jpg\" alt=\"couple\" width=\"250\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/couple.jpg 427w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/couple-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><p id=\"caption-attachment-13760\" class=\"wp-caption-text\">Flickr <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0\/\">cc<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/mrhayata\/\">mrhayata<\/a><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Jugend<em> mit<\/em> Beziehung?!<\/strong><br \/>\n<strong>Wie junge Japanerinnen und Japaner in D\u00fcsseldorf \u00fcber Liebesbeziehungen denken<\/strong><br \/>\nvon Lisa Fink, Cigdem Altinpicak, Susanne B\u00f6cker, Stefanie Follmann, Gina Graf, Dagmara Kowalkowski, Raphaela Miesen, Sebastian Sabas (und Nora Kottmann)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Rahmen des Seminars \u201eBeziehungswelten in Japan\u201c (Wintersemester 2014\/15) haben wir, circa 40 Studierende des Instituts Modernes Japan der Heinrich-Heine Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf, unter der Leitung von Frau Nora Kottmann eine Untersuchung zum Thema Liebesbeziehungen von jungen japanischen Erwachsenen in D\u00fcsseldorf durchgef\u00fchrt. Das Ziel der Befragung war es, individuelle Beziehungsgeschichten zu erfassen sowie Einstellungen zu (romantischen) Beziehungen und deren m\u00f6glichen Wandel aufgrund des Deutschlandaufenthalts zu untersuchen. Ein Ausl\u00f6ser f\u00fcr unser Interesse an dieser Fragestellung war der Artikel <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/24\/japan-jugend-sex\">\u201eJapan: Jugend ohne Sex\u201c<\/a> der Wochenzeitschrift \u201eDie Zeit\u201c (Juni 2014), in der unter anderem die These vertreten wird, dass junge Erwachsene in Japan kein Interesse an Intimit\u00e4t haben oder aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden auf (romantische) Beziehungen verzichten (m\u00fcssen). Inwiefern sich diese These mit unseren Ergebnissen deckt, wird sich im Folgenden zeigen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mithilfe eines innerhalb der Lehrveranstaltung erstellten Umfragebogens wurden 21 Personen im Durchschnittsalter von 24 Jahren auf Deutsch, Englisch oder Japanisch anonym zu ihrer Beziehungsgeschichte sowie ihrem gegenw\u00e4rtigen Beziehungsstatus befragt. Dar\u00fcber hinaus wurden auch m\u00f6gliche Beziehungsw\u00fcnsche und -vorstellungen erfragt. Unter den Befragten waren 14 Frauen und 7 M\u00e4nner. Jeweils etwa die H\u00e4lfte der Frauen und M\u00e4nner befand sich zum Zeitpunkt der Befragung eigenen Aussagen zufolge in einer festen Beziehung. Diese Befragten gaben an, ihre Partnerinnen und Partner \u00fcber Freunde, in der Schule oder w\u00e4hrend des Studiums kennengelernt zu haben. Bis auf eine partnerlose Befragte gaben alle anderen Singles an, dass sie sich derzeit auf der Suche nach einem neuen Partner befinden. Auff\u00e4llig hierbei ist jedoch, dass die meisten dieser Singles eine aktive Suche f\u00fcr sich ablehnen und erkl\u00e4rten, nur \u201apassiv\u2018 zu suchen, das hei\u00dft das Zusammentreffen mit \u201aMr. oder Mrs. Right\u2018 \u2013 im Sinne eines romantischen Beziehungsideals \u2013 dem Zufall zu \u00fcberlassen. Nur eine der befragten Frauen gab an, derzeit nicht an einer Beziehung interessiert zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vielleicht aus gutem Grund? Insgesamt fiel uns auf, dass viele Befragte recht konservative Geschlechterrollenvorstellungen \u00e4u\u00dfern: So gab beispielsweise eine Befragte an, dass die Rolle \u201eFreundin\u201c in Japan sehr anstrengend sei, weil man gezwungen sei, sich betont weiblich zu verhalten, immer gut auszusehen und beispielsweise f\u00fcr den Freund zu kochen. Gleichzeitig zeigte die Umfrage jedoch deutlich, dass viele Frauen einen \u201astarken\u2018, \u201am\u00e4nnlichen\u2018 Partner und eine klassische Rollenverteilung bevorzugen. So wurde von einer 21-J\u00e4hrigen der Wunsch nach einem Partner, der die Familie besch\u00fctzt und ern\u00e4hrt ge\u00e4u\u00dfert: \u201eWie Samurai, wei\u00dft du. Er ist stark und \u2026 er arbeitet f\u00fcr seine Familie\u201c.<br \/>\nHinsichtlich der Beziehungsgeschichten ergab sich folgendes Bild: Die weiblichen Befragten gaben im Durchschnitt an, in der Vergangenheit bereits drei Beziehungen von durchschnittlich 15 Monaten gef\u00fchrt zu haben. Die m\u00e4nnlichen Befragten wiederum sprachen durchschnittlich von f\u00fcnf vergangenen Beziehungen, die knapp acht Monate anhielten. Nichtsdestotrotz gab es auch Befragte, die von deutlich l\u00e4ngeren Beziehungen berichteten: Eine Befragte erz\u00e4hlte von einer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Beziehung, ein Befragter von zwei jeweils vierj\u00e4hrigen Beziehungen. Als Trennungsursache wurde oftmals ein \u201aVerlust der Gef\u00fchle\u2018 benannt. Auch dies deutet auf ein romantisches Beziehungsverst\u00e4ndnis hin. Es fiel uns jedoch auf, dass Beziehungen als \u201aStatussymbol\u2018 bezeichnet oder beschrieben wurden und alle Befragten ihre vergangenen Beziehungen \u2013 \u00fcber die alle Befragten verf\u00fcgten \u2013 betonten. Dies kann so verstanden werden, dass es als angebracht verstanden wird, sich in einer Beziehung zu befinden oder eine umfassende Beziehungsgeschichte zu haben und dies den gesellschaftlichen Status hebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da sich die weiblichen Befragten sich zum Zeitpunkt des Interviews durchschnittlich knapp 14 Monate und die m\u00e4nnlichen Befragten etwa 22 Monate in Deutschland aufhielten, fragten wir auch nach ihrer Einsch\u00e4tzung hinsichtlich m\u00f6glicher Unterschiede im Hinblick auf Liebesbeziehungen in Deutschland und Japan. Tats\u00e4chlich betonten fast alle der Befragten entsprechende Unterschiede: So gaben einige Befragte beispielsweise an, dass das F\u00fchren einer Beziehung in Japan teure Geschenke notwendig mache und somit recht kostspielig sei. Dahingegen \u00e4u\u00dferten diese Befragten den Eindruck, dass in Deutschland Emotionalit\u00e4t und Intimit\u00e4t einen h\u00f6heren Stellenwert h\u00e4tten. Ebenfalls fiel uns aus, dass viele der Befragten zwar den Wunsch nach regelm\u00e4\u00dfigen Dates mit ihrer Freundin beziehungsweise ihrem Freund \u00e4u\u00dferten, gleichzeitig aber immer wieder die Wichtigkeit des pers\u00f6nlichen Freiraums hervorhoben. In diesem Zusammenhang sprachen viele Befragte davon, dass Partnerschaften und Freundeskreis in Japan streng getrennt werden. Zwei weitere Unterschiede, die von einigen Befragten benannt wurden, beziehen sich auf das \u00f6ffentliche Zuschaustellen von Gef\u00fchlen sowie die \u00f6ffentliche Bekanntmachung der eigenen Beziehung. Viele Befragte erz\u00e4hlten, dass es in Japan \u2013 anders als in Deutschland \u2013 noch ungew\u00f6hnlich sei, in der \u00d6ffentlichkeit H\u00e4ndchen zu halten oder sich zu k\u00fcssen. Des Weiteren vereinbare man in Japan explizit, ob man eine Beziehung f\u00fchrt oder nicht; der Beziehungsbeginn kann somit klar ausgemacht werden. In Deutschland \u2013 so einige der Befragten \u2013 sei dies manchmal unklar und der Status einer Beziehung befinde sich in einem grauen Zustand. Abschlie\u00dfend verwiesen einige der Befragten au\u00dferdem darauf, dass in Japan Beziehungen ab Mitte zwanzig oftmals mit Blick auf eine Hochzeit und Familiengr\u00fcndung eingegangen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der Diskussion \u00fcber die erhobenen Daten wurden von uns viele Fragen aufgeworfen: Warum sprach keiner der Befragten \u00fcber die Wichtigkeit von Gef\u00fchlen bei der Partnersuche und welche Rolle spielen diese somit? Warum \u00e4u\u00dfern so viele der Befragten Idealvorstellungen von einem Partner beziehungsweise einer Partnerin, die sich auf den Charakter, den sozialen Status oder das Aussehen des Wunschpartners beziehen und die heutzutage m\u00f6glicherweise nicht verwirklicht werden k\u00f6nnen? Warum erscheint die klassische Rollenverteilung so stark verinnerlicht? Warum werden Freundeskreis und Partnerschaft den Befragten zufolge so explizit getrennt? Warum wird der Wunsch nach pers\u00f6nlichem Freiraum so deutlich betont? Und schlie\u00dflich erstaunte uns der Umstand, dass das Thema \u201aSex\u2018 oder \u201arein sexuelle Beziehungen\u2018 praktisch nicht angesprochen wurde. Wir gehen aber davon aus, dass dies nicht bedeuten muss, dass Sexualit\u00e4t keine Bedeutung f\u00fcr unsere Befragten hat. Viel wahrscheinlicher ist, dass es den Befragten schwer fiel, so offen \u00fcber ein so privates Thema zu sprechen; zumal wir nicht explizit danach gefragt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zusammenfassend wurde in unserer Studie deutlich, dass die Partnersuche f\u00fcr viele der Befragten durchaus ein Problem darstellt und Beziehungslosigkeit den gesellschaftlichen Status negativ beeinflusst. W\u00e4hrend sich dies mit den Ergebnissen des eingangs erw\u00e4hnten Artikels \u201eJapan: Jugend ohne Sex\u201c der Wochenzeitschrift \u201eDie Zeit\u201c deckt, haben wir doch den Eindruck, dass zumindest in unserer Studie die These, dass junge japanische Erwachsene auf Intimit\u00e4t und Beziehungen verzichten (m\u00fcssen), so nicht best\u00e4tigt werden kann. Vielmehr sprechen alle unsere Befragten von einem Leben voller Beziehungserfahrungen oder zumindest voller Beziehungsw\u00fcnschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen des Seminars &#8222;Beziehungswelten&#8220; (WiSe 2014\/15) haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine eigene Umfrage zum Thema &#8222;romantische Beziehungen&#8220; entworfen und in D\u00fcsseldorf durchgef\u00fchrt. Hier der &#8211; spannende &#8211; Abschlussbericht: Jugend mit Beziehung?! Wie junge Japanerinnen und Japaner in D\u00fcsseldorf \u00fcber Liebesbeziehungen denken von Lisa Fink, Cigdem Altinpicak, Susanne B\u00f6cker, Stefanie Follmann, Gina Graf, Dagmara Kowalkowski, Raphaela Miesen, Sebastian Sabas (und Nora Kottmann) Im Rahmen des Seminars \u201eBeziehungswelten in Japan\u201c (Wintersemester 2014\/15) haben wir, circa 40 Studierende des Instituts Modernes Japan der Heinrich-Heine Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf, unter der Leitung von Frau Nora Kottmann eine Untersuchung zum Thema Liebesbeziehungen von jungen japanischen Erwachsenen in D\u00fcsseldorf durchgef\u00fchrt. Das Ziel der Befragung war es, individuelle Beziehungsgeschichten zu erfassen sowie Einstellungen zu (romantischen) Beziehungen und deren m\u00f6glichen Wandel aufgrund des Deutschlandaufenthalts zu untersuchen. Ein Ausl\u00f6ser f\u00fcr unser Interesse an dieser Fragestellung war der Artikel \u201eJapan: Jugend ohne Sex\u201c der Wochenzeitschrift \u201eDie Zeit\u201c (Juni 2014), in der unter anderem die These vertreten wird, dass junge Erwachsene in Japan kein Interesse an Intimit\u00e4t haben oder aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden auf (romantische) Beziehungen verzichten &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":50,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[13,5],"tags":[],"class_list":["post-13755","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-featured","category-studium"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/50"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13755"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13755\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20857,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13755\/revisions\/20857"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}