{"id":13408,"date":"2014-11-04T18:16:21","date_gmt":"2014-11-04T16:16:21","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=13408"},"modified":"2020-07-06T09:35:07","modified_gmt":"2020-07-06T07:35:07","slug":"bachelor-plus-5-questions-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=13408","title":{"rendered":"Bachelor Plus 5 Questions"},"content":{"rendered":"<p>Unsere Studierenden des inzwischen dritten Bachelor Plus Jahrgangs sind aus Japan zur\u00fcck und starten jetzt ins Wintersemester in D\u00fcsseldorf. W\u00e4hrend eines einj\u00e4hrigen Japanaufenthaltes haben <strong>Theresa Behle<\/strong>, <strong>C\u00e9dric Klein<\/strong>, <strong>Carolin Maibach<\/strong>, <strong>Gerrit Neumann<\/strong> und <strong>Evelyn Szawerski<\/strong> an einer der Partneruniversit\u00e4ten des Instituts studiert und spannende Feldforschungsprojekte zu selbstgew\u00e4hlten Themen bearbeitet. Nach einem <a title=\"Neues vom Bachelor Plus: Der dritte Jahrgang ist aus Japan zur\u00fcck\" href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=13340\">Willkommen-zur\u00fcck-Treffen<\/a>, bei dem sich alle TeilnehmerInnen des BA+ und das BA+ Projektteam wiedersehen und \u00fcber die in Japan gemachten Erfahrungen austauschen konnten, wollen wir jetzt nat\u00fcrlich genauer wissen, wie es unseren Studierenden in Japan ergangen ist und wie sie ihre Forschungsprojekte geplant und durchgef\u00fchrt haben. Wie auch bereits bei den vorangegangenen BA+ Jahrg\u00e4ngen (<a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=9408\">erster Jahrgang <\/a>und <a title=\"Bachelor Plus 5 Questions\" href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=12185\">zweiter Jahrgang<\/a>) haben wir die Studierenden daher zum Interview gebeten und werden diese in den n\u00e4chsten Wochen hier auf dem Blog ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Als erste in unserer Reihe berichtet uns <strong>Theresa Behle<\/strong> von ihrer Forschung zu <strong>\u201eDemenz im famili\u00e4ren Kontext: Die Situation Angeh\u00f6riger am Beispiel des Pflegeheims <em>Yoriai<\/em>\u201c<\/strong>. Frau Behle war an der Nanzan Daigaku und hat nach dem Abschluss ihres Studienprogramms mehrere Wochen in der Pflegeeinrichtung Yoriai geforscht und als Volunteer mitgeholfen. Zu diesem Pflegeheim in Fukuoka besteht \u00fcber Prof. Shimada eine langj\u00e4hrige <a href=\"http:\/\/www.modernes-japan.hhu.de\/forschung-institut\/aktuelle-forschungsprojekte.html#c182366\">Verbindung<\/a> unseres Instituts.<\/p>\n<h2>Altersdemenz und Pflege: Feldforschung im <em>Yoriai<\/em><\/h2>\n<p><em>Angesichts des demographischen Wandels und der zunehmenden Alterung der Gesellschaft ist auch das Thema Demenz immer st\u00e4rker in das \u00f6ffentliche Bewusstsein ger\u00fcckt. Unsere Studierende Theresa Behle hat sich mit ihrem Forschungsprojekt eines Themas angenommen, das insbesondere f\u00fcr Japan von aktueller gesamtgesellschaftlicher Relevanz ist. Dabei interessiert sie besonders, wie die Angeh\u00f6rigen dementer Menschen mit der Situation umgehen. Wie betrachten und empfinden Angeh\u00f6rige von Dementen die Erkrankung ihrer Verwandten? Wird man als demente Person unweigerlich zu einer Last f\u00fcr seine Familie und sein Umfeld? Wie kann die Pflege im famili\u00e4ren Kontext organisiert werden, gibt es auch Alternativen und wie sehen diese aus? Diesen und anderen Fragen ist sie anhand des Beispiels der Pflegeeinrichtung Yoriai in Fukuoka nachgegangen.&nbsp;&nbsp; <\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_13411\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSCF9235.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13411\" class=\"wp-image-13411\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSCF9235.jpg\" alt=\"DSCF9235\" width=\"250\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSCF9235.jpg 768w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSCF9235-225x300.jpg 225w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSCF9235-420x560.jpg 420w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13411\" class=\"wp-caption-text\">Basar von Yoriai<\/p><\/div>\n<p><strong> BA+: <\/strong>Frau Behle, was ist das Besondere an <em>Yoriai<\/em> im Vergleich zu anderen Pflegeeinrichtungen in Japan?<\/p>\n<p><em>Yoriai<\/em> unterscheidet sich von anderen Pflegeeinrichtungen in Japan durch sein ungew\u00f6hnliches Konzept. <em>Yoriai<\/em> ist nicht nur ein einzelnes Demenzpflegeheim, sondern umfasst drei einzelne Pflegeheime \u2013 <em>Yoriai<\/em> 1 bis 3 \u2013 und ein wachsendes Netzwerk, zu dem auch ein Caf\u00e9, ein sehr beliebter Basar, eine sehr gro\u00dfe Medienpr\u00e4senz und eine starke Einbindung in die lokale Gemeinde geh\u00f6ren. Es gibt zwar in Japan andere kleine Einrichtungen, die <em>Yoriai<\/em> \u00e4hneln, trotzdem ist <em>Yoriai<\/em> mit seinem gro\u00dfen Netzwerk einzigartig und war tats\u00e4chlich auch das erste Pflegeheim dieser Art in Japan.<\/p>\n<div id=\"attachment_13412\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSCF9236.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13412\" class=\"wp-image-13412\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSCF9236.jpg\" alt=\"DSCF9236\" width=\"300\" height=\"225\"><\/a><p id=\"caption-attachment-13412\" class=\"wp-caption-text\">Basar von Yoriai<\/p><\/div>\n<p><strong>BA+: <\/strong>Um Ihr Forschungsprojekt durchzuf\u00fchren, haben Sie ja einen mehrw\u00f6chigen Feldforschungsaufenthalt in Fukuoka verbracht und im <em>Yoriai<\/em> als Volunteer mitgearbeitet. Welche Aufgaben haben Sie denn \u00fcbernommen?<!--more--><\/p>\n<p>Ich habe kleinere Aufgaben \u00fcbernommen und geholfen, wo es mir m\u00f6glich war. Ich habe zum Beispiel Geschirr aus- und abger\u00e4umt, Malzeiten verteilt, Kaffee und Tee gemacht und an alle verteilt und hin und wieder Geschirr gesp\u00fclt. Zweimal habe ich f\u00fcr alle Mittagessen gekocht. Einmal bin ich mit zwei Mitarbeitern von <em>Yoriai<\/em> zum Erdbeerpfl\u00fccken gefahren und habe danach mit ihnen Erdbeermarmelade gekocht, die dann im Caf\u00e9 von <em>Yoriai<\/em> 3 verkauft wurde. Au\u00dferdem habe ich zweimal samstags im Caf\u00e9 von <em>Yoriai<\/em> 3 als Kellnerin ausgeholfen, was sehr viel Spa\u00df gemacht hat.<\/p>\n<p><strong>BA+: <\/strong>Wie haben Sie als junger Mensch den Umgang mit alten, dementen Menschen empfunden?<\/p>\n<p>Da ich bis zu meinem Praktikum bei <em>Yoriai<\/em> keinen direkten Kontakt mit dementen Menschen hatte, war es f\u00fcr mich eine neue Erfahrung und ich f\u00fchlte mich zu Beginn unsicher. Ich wusste nicht genau, wie ich mit den Dementen umgehen muss und ob ich sie \u00fcberhaupt verstehe (auch wegen meiner noch begrenzten Japanischkenntnisse). Au\u00dferdem hatte ich durch meine mangelnde Erfahrung in diesem Bereich auch keine genaue Vorstellung davon, wie sich Demente verhalten. Durch die intensive Unterst\u00fctzung und Hilfe der Mitarbeiter habe ich mich aber sehr schnell zurechtgefunden und hatte weniger Verst\u00e4ndigungsprobleme als bef\u00fcrchtet. Ich merkte auch sehr schnell, dass es nicht \u201e<em>eine <\/em>Form des Dementseins\u201c gibt, sondern dass jeder Mensch unterschiedlich ist, und im Nachhinein kann ich sagen, dass sich anf\u00e4ngliche \u00c4ngste oder Unsicherheiten schnell aufgel\u00f6st haben. Es hat im Gro\u00dfen und Ganzen sehr viel Spa\u00df gemacht und war sehr interessant, mit den alten Menschen zusammenzuleben.<\/p>\n<div id=\"attachment_13410\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSCF8994.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13410\" class=\"wp-image-13410\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/DSCF8994.jpg\" alt=\"DSCF8994\" width=\"500\" height=\"375\"><\/a><p id=\"caption-attachment-13410\" class=\"wp-caption-text\">Gemeinsames Singen in Yoriai<\/p><\/div>\n<p><strong>BA+: <\/strong>Wie gehen die Angeh\u00f6rigen mit der Situation um, einen Demenzkranken in der Familie zu haben und wie werden sie im <em>Yoriai<\/em> unterst\u00fctzt?<\/p>\n<p>In einem Interview mit einer Angeh\u00f6rigen konnte ich erfahren, dass die Demenzerkrankung an sich von ihr als nicht so schlimm empfunden wurde. Meine Interviewpartnerin beriet sich auch mit Freunden und Verwandten \u00fcber die Krankheit. Die Pflege innerhalb der Familie allerdings wurde als gro\u00dfe Belastung empfunden und so entschied man sich, die Angeh\u00f6rigen zu <em>Yoriai<\/em> zu bringen.<\/p>\n<p>Laut meiner Interviewpartnerin wurde sie sehr fr\u00fch von <em>Yoriai<\/em> unterst\u00fctzt, man tauschte sich schon fr\u00fch aus und hielt Kontakt, noch bevor es zu einem Umzug ins <em>Yoriai<\/em> kam.<\/p>\n<p><strong>BA+: <\/strong>Hat Ihr Projekt Ihre Sichtweise auf das Thema Demenz ver\u00e4ndert und wo m\u00f6chten Sie selber im Alter leben?<\/p>\n<p>Ja, das Projekt hat meine Sichtweise auf jeden Fall ver\u00e4ndert. Ich hatte mich zwar vorher schon ein wenig mit <em>Yoriai<\/em> besch\u00e4ftigt, aber vor Ort alles zu erleben, hat mich wirklich sehr beeindruckt. Ich hatte vorher keine wirkliche Vorstellung davon, was es bedeutet \u201edement\u201c zu sein und hatte ein eher negatives Bild davon. Durch den t\u00e4glichen Umgang mit den Alten habe ich gemerkt, dass auch Demente noch sehr viel selbst tun k\u00f6nnen, sich verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen und durchaus noch ein sehr vielseitiges und sch\u00f6nes Leben f\u00fchren k\u00f6nnen. Meine Wunschvorstellung f\u00fcr mein eigenes Alter sieht so aus, dass ich gerne mit einem Hund und ein paar Schafen und H\u00fchnern in einem kleinen H\u00e4uschen wohnen w\u00fcrde und mich selbst versorgen. Sollte ich aber dement werden, m\u00f6chte ich definitiv in <em>Yoriai<\/em> oder an einem \u00e4hnlichen Ort leben!<\/p>\n<p><strong>BA+: <\/strong>Wir w\u00fcnschen Ihnen nat\u00fcrlich, dass Ihr Wunsch in Erf\u00fcllung geht! Frau Behle, vielen Dank f\u00fcr das Interview und den Einblick in die Erfahrungen, die Sie mit einem Thema gemacht haben, das f\u00fcr uns alle fr\u00fcher oder sp\u00e4ter relevant werden kann!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Studierenden des inzwischen dritten Bachelor Plus Jahrgangs sind aus Japan zur\u00fcck und starten jetzt ins Wintersemester in D\u00fcsseldorf. W\u00e4hrend eines einj\u00e4hrigen Japanaufenthaltes haben Theresa Behle, C\u00e9dric Klein, Carolin Maibach, Gerrit Neumann und Evelyn Szawerski an einer der Partneruniversit\u00e4ten des Instituts studiert und spannende Feldforschungsprojekte zu selbstgew\u00e4hlten Themen bearbeitet. Nach einem Willkommen-zur\u00fcck-Treffen, bei dem sich alle TeilnehmerInnen des BA+ und das BA+ Projektteam wiedersehen und \u00fcber die in Japan gemachten Erfahrungen austauschen konnten, wollen wir jetzt nat\u00fcrlich genauer wissen, wie es unseren Studierenden in Japan ergangen ist und wie sie ihre Forschungsprojekte geplant und durchgef\u00fchrt haben. Wie auch bereits bei den vorangegangenen BA+ Jahrg\u00e4ngen (erster Jahrgang und zweiter Jahrgang) haben wir die Studierenden daher zum Interview gebeten und werden diese in den n\u00e4chsten Wochen hier auf dem Blog ver\u00f6ffentlichen. Als erste in unserer Reihe berichtet uns Theresa Behle von ihrer Forschung zu \u201eDemenz im famili\u00e4ren Kontext: Die Situation Angeh\u00f6riger am Beispiel des Pflegeheims Yoriai\u201c. 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