{"id":12228,"date":"2013-12-09T17:25:26","date_gmt":"2013-12-09T16:25:26","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=12228"},"modified":"2020-07-16T16:38:28","modified_gmt":"2020-07-16T14:38:28","slug":"karate-do-auf-okinawa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=12228","title":{"rendered":"Karate-D\u014d auf Okinawa"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es in unserer <a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=12185\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interviewreihe<\/a>&nbsp;\u00fcber die Forschungsprojekte des zweiten Bachelor Plus Jahrgangs. Heute sprechen wir mit Thilo B\u00f6wer \u00fcber seine Forschung zu Karate auf Okinawa. &nbsp;<b><\/b><\/p>\n<p><i>Wer eine Kampfkunst betreibt wei\u00df, dass heutzutage oft ein Unterschied zwischen einer sportlichen und einer traditionellen Ausrichtung der jeweiligen Kampfkunst gemacht wird. Dieses Ph\u00e4nomen l\u00e4sst sich bei fast allen Kampfsystemen beobachten, so auch im japanischen Karate. Hier wird z.B. mittlerweile zwischen Sport-Karate und Karate-D\u014d unterschieden.&nbsp;W\u00e4hrend seines einj\u00e4hrigen Studienaufenthaltes auf Okinawa hat Thilo B\u00f6wer im Rahmen seines BA+ Projektes <\/i><strong>Karate-D\u014d auf Okinawa \u2013 Sport oder Bud\u014d?<\/strong> <i>regelm\u00e4\u00dfig am Karatetraining eines lokalen D\u014dj\u014d teilgenommen und mit Karate Praktizierenden und Lehrenden Interviews gef\u00fchrt.<\/i><\/p>\n<p><b>BA+: <\/b>Herr B\u00f6wer, wie sind Sie auf Ihr sportliches Thema gekommen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Da ich bereits seit einigen Jahren selbst Karate betreibe, hatte ich daran nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes pers\u00f6nliches Interesse. Durch das Auslandsjahr bot sich also zum ersten Mal die Gelegenheit, Karate so kennenzulernen, wie es auf Okinawa seit langer Zeit praktiziert wird. \u201eSeit langer Zeit\u201c w\u00fcrde ich allerdings mit einem Fragezeichen versehen, denn in Deutschland hatte ich w\u00e4hrend des Studiums bereits einige bekannte Theorien wie die der \u201einvented tradition\u201c kennengelernt und mir dann \u00fcberlegt, ob Karate sich im dem Zusammenhang als vern\u00fcnftiges Forschungsobjekt eignen w\u00fcrde. Und ja, es gab durchaus sehr interessante Aspekte, die es sich vom wissenschaftlichen Standpunkt her zu erforschen lohnte. So kam ich zu meinem Thema.<\/p>\n<p><b>BA+: <\/b>Lief das Karatetraining in Japan denn anders ab als Sie es von Deutschland her gewohnt waren?<b> <\/b><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Ich habe in Deutschland bisher immer im Verein in meiner Heimatstadt Ochtrup trainiert. Weitere Gelegenheiten, ein Training kennenzulernen, das sich vom gewohnten Training unterscheidet, boten sich auf gr\u00f6\u00dferen Lehrg\u00e4ngen. Auf Okinawa besuchte ich vor allem das Training im <i>Jund\u014dkan<\/i>. Es handelte sich um denselben Karatestil G\u014dj\u016b-Ry\u016b, den ich auch zuvor in Deutschland betrieben hatte. Trotzdem gab es kleine und gr\u00f6\u00dfere Unterschiede. So waren z.B. die <i>Kata<\/i>, die die Grundlage eines jeden Stils bilden, leicht verschieden zu denen, die ich in Deutschland ge\u00fcbt hatte. Etwas, was auch sofort ins Auge fiel, war der besondere Ort, an dem trainiert wird. Also nicht wie in Deutschland in einer Turnhalle, sondern in einem eigens f\u00fcr das Karate Training erbauten <i>D\u014dj\u014d<\/i>. Eine Sache, die man ebenfalls in Deutschland vergeblich sucht, ist das <i>H\u014dj\u014d Und\u014d<\/i> (karatespezifisches Krafttraining). Dar\u00fcber hinaus habe ich viele Unterschiede in der Art und Weise des Lehrens, bei der Organisation und dem Aufbau des Trainings, den Trainingszeiten, dem Verhalten im <i>D\u014dj\u014d<\/i>, dem Ablauf von Pr\u00fcfungen usw. feststellen k\u00f6nnen. Also kurz gesagt: Ja, das Karatetraining hier auf Okinawa lief in vielen Bereichen anders ab, als ich es von Deutschland her gewohnt war. Dazu sollte man allerdings sagen, dass das Training sich grunds\u00e4tzlich von Verein zu Verein, von <i>D\u014dj\u014d<\/i> zu <i>D\u014dj\u014d<\/i> unterscheidet.<\/p>\n<p><b>BA+: <\/b>Welche Besonderheiten gibt es beim Karatetraining auf Okinawa und wie hat sich Ihr Karate durch den Aufenthalt auf Okinawa ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Eine \u201eBesonderheit\u201c war sicher, dass ich auf Okinawa viel mehr trainiert habe als in Deutschland. Training findet an sechs Tagen die Woche, jeweils f\u00fcr f\u00fcnf Stunden statt. Nat\u00fcrlich muss man nicht jeden Tag die volle Zeit da sein. Aber der Punkt ist, dass man die M\u00f6glichkeit dazu hat. Das Training ist au\u00dferdem generell anders strukturiert. In Deutschland trainiert man z.B. zwei Mal die Woche, jeweils 90 Minuten. Dies ist auch dadurch bedingt, dass es keine <i>D\u014dj\u014d<\/i> gibt. Diese 90 Minuten trainiert man dann nicht, sondern man \u201ewird trainiert\u201c. Es gibt also jemanden, der \u00dcbungen vormacht, die nachgemacht werden, oder \u00dcbungen werden ansagt usw. Auf Okinawa hingegen wird den Trainierenden Eigenverantwortung zugetraut. Es ist also quasi ein \u201efreies Training\u201c. An drei Stunden in der Woche ist ein Gruppentraining angesetzt, bei dem unter Anleitung von einem hochrangigen <i>Sensei<\/i>, \u00e4hnlich wie in Deutschland, Partnerformen und <i>Bunkai<\/i> ge\u00fcbt werden. Im <i>Jund\u014dkan<\/i> wird sehr gro\u00dfer Wert auf eine spezielle Gymnastik (<i>Jumbi Und\u014d<\/i>) gelegt. Mindestens 30 bis 60 Minuten wird diese auf jeden Fall als erste \u00dcbung ausgef\u00fchrt. In Deutschland ist dies allein schon durch die Hallenzeiten von 90 Minuten ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. <i>Jumbi Und\u014d<\/i> und korrekte Gymnastik ist auch das erste, was man als Neuling lernt. Eine weitere Besonderheit sind nat\u00fcrlich die <i>Kata<\/i>. Die <i>Kata <\/i>haben hier einen besonderen Stellenwert im Karate. Alle anderen \u00dcbungen wie Gymnastik, Krafttraining usw. sollen auf die <i>Kata<\/i> vorbereiten, die <i>Kata<\/i> verfeinern und verbessern. Auf mein Karate hat sich das Training hier in dem Ma\u00dfe ausgewirkt, dass meine Bewegungen feiner und genauer geworden sind. Auch das Wissen, dass die <i>Sensei<\/i> w\u00e4hrend des Trainings mit mir teilten, hat mir geholfen, die Bewegungen und die <i>Kata <\/i>besser zu verstehen und somit meinen Umgang mit diesen ver\u00e4ndert.<\/p>\n<div style=\"width: 305px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Karatemuseum_2.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" \" alt=\"Karatemuseum_2\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Karatemuseum_2.jpg\" width=\"295\" height=\"393\"><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Karatemuseum, Nishihara<\/p><\/div>\n<p><b>BA+: <\/b>W\u00e4hrend Ihrer Zeit auf Okinawa haben Sie ja auch ein Karatemuseum besucht. Was kann man sich darunter vorstellen und was wird dort ausgestellt?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">In Nishihara gibt es ein <i>D\u014dj\u014d<\/i> unter der Leitung von Herrn Tetsuhiro Hokama. Herr Hokama unterrichtet abends Karate in seinem <i>D\u014dj\u014d<\/i> im Erdgeschoss eines mehrst\u00f6ckigen, knallgelben Geb\u00e4udes. Eine Etage dar\u00fcber hat Herr Hokama eine Art Sammlung alter Trainingsger\u00e4te, Waffen, Dokumente, Fotos von ber\u00fchmten Karate Lehrern usw. zusammengetragen. Dieser Bereich ist das ber\u00fchmte Karatemuseum von Okinawa. Es ist zwar sehr \u00fcberschaubar, aber auch ungemein interessant. Allerdings kommen viele Leute, die die Ausstellung einmal gesehen haben, nicht nur wegen der Ausstellungsst\u00fccke wieder, sondern vielmehr wegen Herrn Hokama, der im Laufe der Zeit ein wirklich beeindruckendes Wissen zu Karate und dessen Geschichte angesammelt hat.<\/p>\n<div style=\"width: 331px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Karatemuseum-Hojo-Undo_2.jpg\"><img decoding=\"async\" alt=\"Karatemuseum - Hojo Undo_2\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Karatemuseum-Hojo-Undo_2.jpg\" width=\"321\" height=\"241\"><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Karatemuseum, Nishihara<\/p><\/div>\n<p><b>BA+: &nbsp;<\/b>Wir sind sicher, dass auch Sie auf Okinawa ein umfangreiches Wissen zu Karate zusammengetragen haben und sind schon gespannt auf Ihre Bachelorarbeit! Herr B\u00f6wer, vielen Dank, dass Sie uns von Ihren Erfahrungen erz\u00e4hlt haben!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es in unserer Interviewreihe&nbsp;\u00fcber die Forschungsprojekte des zweiten Bachelor Plus Jahrgangs. Heute sprechen wir mit Thilo B\u00f6wer \u00fcber seine Forschung zu Karate auf Okinawa. &nbsp; Wer eine Kampfkunst betreibt wei\u00df, dass heutzutage oft ein Unterschied zwischen einer sportlichen und einer traditionellen Ausrichtung der jeweiligen Kampfkunst gemacht wird. Dieses Ph\u00e4nomen l\u00e4sst sich bei fast allen Kampfsystemen beobachten, so auch im japanischen Karate. Hier wird z.B. mittlerweile zwischen Sport-Karate und Karate-D\u014d unterschieden.&nbsp;W\u00e4hrend seines einj\u00e4hrigen Studienaufenthaltes auf Okinawa hat Thilo B\u00f6wer im Rahmen seines BA+ Projektes Karate-D\u014d auf Okinawa \u2013 Sport oder Bud\u014d? regelm\u00e4\u00dfig am Karatetraining eines lokalen D\u014dj\u014d teilgenommen und mit Karate Praktizierenden und Lehrenden Interviews gef\u00fchrt. 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