{"id":11544,"date":"2013-06-24T15:54:08","date_gmt":"2013-06-24T14:54:08","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=11544"},"modified":"2020-07-04T16:48:08","modified_gmt":"2020-07-04T14:48:08","slug":"winzige-inseln-sorgen-fur-reichlich-zundstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=11544","title":{"rendered":"Winzige Inseln sorgen f\u00fcr reichlich Z\u00fcndstoff"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am Montag, 3. Juni, gab es an unserer Uni in der Reihe \u201eAu\u00dfenpolitik Live\u201c eine Podiumsdiskussion zum Thema \u201eTerritorialkonflikte im Chinesischen Meer\u201c, moderiert von Prof. Dr. Christian Tagsold.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Rhea Handgretinger Ishizaka war dort und gibt hier Ihre Eindr\u00fccke von der Veranstaltung wieder.<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer Begr\u00fc\u00dfung durch den Dekan der Philosophischen Fakult\u00e4t der HHU, Prof. Bleckmann, wurden die beiden Referenten, Volker Stanzel, Deutscher Botschafter aus Tokyo, und Gudrun Wacker von der Stiftung Wissenschaft und Politik vorgestellt.<\/p>\n<p>Botschafter Stanzel gab zun\u00e4chst einen historischen \u00dcberblick \u00fcber die acht Riffe im ostchinesischen Meer, die immer wieder Anlass f\u00fcr Konflikte bieten: Die Inseln sind 1893 zusammen mit Taiwan mit den Pescadore-Inseln Teil Japans. Nach dem 2. Weltkrieg\u00a0 ging Taiwan zur\u00fcck an die Republik China unter der Guomindang-Regierung. Die Volksrepublik China wurde erst am 1. Oktober 1949 ausgerufen. Die anderen Inseln waren unter US-Besatzung. Ende der 1960er Jahre vermuteten UNO- Wissenschaftler Bodensch\u00e4tze im Bereich dieser Inseln. Daraufhin wurden von chinesischer und japanischer Seite Anspruch auf die Inseln erhoben. Als Okinawa 1972 seine Souver\u00e4nit\u00e4t zur\u00fcckerlangte, gab es bez\u00fcglich der Inseln keine Festlegung. Sie unterstanden der Schutzklausel der japanisch-amerikanischen Allianz. Mit China unterhielt Japan ab 1978 freundschaftliche Beziehungen. Deng Xiaoping \u00fcberlie\u00df die L\u00f6sung des Problems zuk\u00fcnftigen Generationen.<!--more--><\/p>\n<p>2010 rammte ein betrunkener Fischer mit seinem Boot ein Schiff der japanische K\u00fcstenwache und wurde daraufhin festgenommen. Daraufhin wurden Importe von Japan in die Volkrepublik zur\u00fcckgefahren. Der damalige Gouverneur von Tokyo, Ishihara Shintar\u00f4, schlug vor, diese Inseln zu kaufen und dadurch bewusst einen Konflikt mit der Regierung in Peking zu erzwingen. Die Regierung entschied sich dann daf\u00fcr die Inseln zu kaufen. Als Reaktion darauf ver\u00f6ffentlichte Peking im September 2012 eine eigene pr\u00e4zise Definition der Grenzen des eigenen Territoriums. Seither\u00a0 patrouillieren chinesische und japanische Boote gleicherma\u00dfen im Bereich um die Inseln herum, was manchmal zu gef\u00e4hrlichen Zusammenst\u00f6\u00dfen f\u00fchrt. So wird von einem Zwischenfall berichtet, bei dem ein chinesisches Schiff sein Zielradar auf ein japanisches Boot richtete, was als Warnsignal aufgefasst wurde und wiederum zu Protesten f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Im s\u00fcdchinesischen Meer \u00fcberlappen sich \u00fcberall Gebietsanspr\u00fcche. Diese Probleme sind nach Meinung von Herrn Stanzel nicht im bilateralen Bereich zu l\u00f6sen, sondern bed\u00fcrfen der Hilfe des Internationalen Gerichtshofs.<\/p>\n<p>Frau Wacker vertrat dagegen eine andere Sichtweise bei den Grenzstreitigkeiten im maritimen Bereich. Chinas Vorsto\u00df schon in den 1990er Jahren im s\u00fcdchinesischen Meer beweise Chinas new assertiveness (Durchsetzungsverm\u00f6gen oder auch Selbstbestimmung), welches einhergeht mit einer Nationalisierung zur Ver\u00e4nderung des Status Quo.<\/p>\n<p><em>Dabei nannte sie drei Gr\u00fcnde:<\/em><br \/>\n1. Schaffung einer nationalen Identit\u00e4t und Legitimit\u00e4t. Dieses Problem ist nur schwer l\u00f6sbar, da neue F\u00fchrungen an der Spitze der beteiligten L\u00e4nder sind, die sich erst einmal etablieren m\u00fcssen.<br \/>\n2. Ressourcenkonflikte im maritimen Bereich sind l\u00f6sbar. Mit Taiwan gibt es beispielsweise ein Fischereiabkommen.<br \/>\n3. Biostrategie. Die USA ergreift f\u00fcr keine der beteiligten Gruppen Partei, obwohl sie mitverantwortlich f\u00fcr die Situation sind. Das resultiert aus dem Wettbewerb zwischen den USA und China.<\/p>\n<p>Vorbilder f\u00fcr die L\u00f6sung territiorialer Konflikte in der Region gibt es bereits, wie z. B. Vietnam, Bangladesch und Myanmar.<\/p>\n<p>Aus wirtschaftlicher Sicht macht der Konflikt keinen Sinn, da beide Seiten voneinander abh\u00e4ngig sind. Mechanismen und Institutionen f\u00fcr Krisenmanagement fehlen aber, weswegen in der anschlie\u00dfenden Diskussion ein Vergleich zu 1913\/14 (Sarajewo) gezogen wurde. Letztlich wurde aber deutlich, dass sich die Situation doch von der vor Ausbruch des 1. Weltkrieges unterscheidet. Zwar sind die gegenseitigen Provokationen beunruhigend und k\u00f6nnten in einer Konfrontation m\u00fcnden. Doch die Kriegsbereitschaft der Bev\u00f6lkerung in China und Japan l\u00e4sst sich kaum mit der in Europa 1914 vergleichen. Auch wenn z.B. die Medien in China Krieg als Option in Erw\u00e4gung ziehen, sind die meisten Chinesen ganz anderer Meinung und f\u00fcr die Aufrechterhaltung des Friedens.<\/p>\n<p>Im Grunde ist der Streit um diese Inseln nur ein weiteres Konkurrenzspiel zwischen den USA und der Volksrepublik China, in dem Japan nur eine Mittlerrolle spielt. Die Situation gleich diplomatisch derzeit einem einem Nullsummenspiel. Jeder Erfolg der einen Seite wird mit einem Gesichtsverlust der anderen bezahlt, so dass die Verst\u00e4ndigung schwierig ist. Es gibt aktuell keine Szenarien, bei denen beide Seiten gewinnen k\u00f6nnen. Eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re es, den Internationalen Gerichtshof als Vermittler anzurufen. Laut Botschafter Stanzel verweigert sich China aber diesem L\u00f6sungsweg. Gudrun Wacker forderte am Ende die Jugend dazu auf, sich mehr politisch zu engagieren \u2013 \u201eweil uns auf dieser Welt eigentlich mehr verbindet als trennt\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag, 3. Juni, gab es an unserer Uni in der Reihe \u201eAu\u00dfenpolitik Live\u201c eine Podiumsdiskussion zum Thema \u201eTerritorialkonflikte im Chinesischen Meer\u201c, moderiert von Prof. Dr. Christian Tagsold. Rhea Handgretinger Ishizaka war dort und gibt hier Ihre Eindr\u00fccke von der Veranstaltung wieder. Nach einer Begr\u00fc\u00dfung durch den Dekan der Philosophischen Fakult\u00e4t der HHU, Prof. Bleckmann, wurden die beiden Referenten, Volker Stanzel, Deutscher Botschafter aus Tokyo, und Gudrun Wacker von der Stiftung Wissenschaft und Politik vorgestellt. Botschafter Stanzel gab zun\u00e4chst einen historischen \u00dcberblick \u00fcber die acht Riffe im ostchinesischen Meer, die immer wieder Anlass f\u00fcr Konflikte bieten: Die Inseln sind 1893 zusammen mit Taiwan mit den Pescadore-Inseln Teil Japans. Nach dem 2. Weltkrieg\u00a0 ging Taiwan zur\u00fcck an die Republik China unter der Guomindang-Regierung. Die Volksrepublik China wurde erst am 1. Oktober 1949 ausgerufen. Die anderen Inseln waren unter US-Besatzung. Ende der 1960er Jahre vermuteten UNO- Wissenschaftler Bodensch\u00e4tze im Bereich dieser Inseln. Daraufhin wurden von chinesischer und japanischer Seite Anspruch auf die Inseln erhoben. 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