{"id":10016,"date":"2012-02-17T00:43:01","date_gmt":"2012-02-16T23:43:01","guid":{"rendered":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=10016"},"modified":"2020-07-03T01:41:43","modified_gmt":"2020-07-02T23:41:43","slug":"japan-bei-der-berlinale-kazoku-no-kuni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?p=10016","title":{"rendered":"Japan bei der Berlinale: Kazoku no kuni"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/?attachment_id=10032\" rel=\"attachment wp-att-10032\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-10032 alignleft\" title=\"kazoku\" src=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/kazoku.jpg\" alt=\"\" width=\"271\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/kazoku.jpg 430w, https:\/\/moja.phil.hhu.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/kazoku-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 271px) 100vw, 271px\" \/><\/a><em>Kazoku no kuni<\/em> (internationaler Titel: &#8222;Our homeland&#8220;) ist ein Film, den eigentlich Stephanie Klasen besprechen m\u00fcsste, unsere Expertin f\u00fcr Filme mit Japankoreaner-Thematik. Da sie aber gerade in Japan weilt, springe ich gerne ein, um diesen&nbsp; gelungensten japanischen Spielfilm der Berlinale vorzustellen.<\/p>\n<p>Raffiniert ist schon der Titel Films, &#8222;Kazoku no kuni&#8220; \u2013 &#8222;das Land meiner\/unserer Familie&#8220;. Welches Land damit gemeint ist, bleibt bewusst offen, denn die Hauptfiguren stehen zwischen zwei L\u00e4ndern, Japan und Nordkorea. Es geht um eine Familie von Japankoreanern (Zainichi), die schon seit mehreren Generationen in Japan lebt. Die Mutter kann schon nicht besonders gut Koreanisch und die Tochter Rie, eine Japanischlehrerin, spricht es gar nicht (auch wenn sie es versteht). Der Vater allerdings ist ein nordkoreanischer Patriot, der sogar der \u00f6rtlichen nordkoreanischen Vereinigung vorsteht. Auf Betreiben des Vaters ist der Sohn, Sonho, \u2013 wie viele Japankoreaner, die sich davon ein besseres Leben erhofften \u2013 in den 1970er Jahren im Alter von nur 16 Jahren nach Nordkorea ausgewandert und konnte seither nicht einmal f\u00fcr einen Urlaub zur\u00fcckkehren. Nun leidet er an einem Hirntumor und hat die Erlaubnis erhalten, f\u00fcr drei Monate nach Japan einzureisen, zur Behandlung. Die Freude \u00fcber das Wiedersehen mit der Familie wird allerdings nicht nur durch die Krankheit \u00fcberschattet, sondern auch durch einen hartn\u00e4ckigen &#8222;Aufpasser&#8220;, den das Regime mitgeschickt hat.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen mit Zainichi-Thematik besch\u00e4ftigt sich &#8222;Kazoku no kuni&#8220; nicht damit, welchen Platz Japankoreaner in der japanischen Gesellschaft einnehmen. Nur einmal, ganz kurz, wird diese Problematik angesprochen, als ein homosexueller Zainichi davon spricht, dass die Diskriminierungen weniger geworden seien: &#8222;Ich muss es ja wissen, ich bin schlie\u00dflich eine doppelte Minderheit&#8220;. Der Regisseurin Yang Yonghi geht es in ihrem ruhig, aber sehr eindringlich erz\u00e4hlten Film um eine Auseinandersetzung mit dem Land Nordkorea, den dortigen politischen Verh\u00e4ltnissen und Lebensbedingungen. Diese Auseinandersetzung k\u00f6nnte pers\u00f6nlicher gar nicht sein, denn Yang Yonghis Br\u00fcder leben in Nordkorea und sie darf seit 2005 nicht mehr in das Land einreisen \u2013 zu unbequem wurde die Regisseurin, die mit ihren beiden Dokumentarfilmen &#8222;Dear Pyongyang&#8220; und &#8222;Sona, the other myself&#8220; sehr kritisch Stellung bezogen hatte. &#8222;Ich kann meine Familie nicht mehr sehen, aber ich habe mich trotzdem entschlossen, diese Filme zu machen&#8220;, erz\u00e4hlt Yang Yonghi bei der Berlinale, und jeder im Saal kann sp\u00fcren, wie gro\u00df dieses Opfer f\u00fcr sie ist und wie \u00fcberzeugt sie dennoch von ihrer Arbeit ist.<\/p>\n<p>Die Geschichte, die sie nun in ihrem ersten Spielfilm erz\u00e4hlt, dreht sich wie die beiden Dokumentationen um ihre eigene Familie. Yonghi macht sich selbst zur Protagonistin und erz\u00e4hlt vor allem aus ihrer Perspektive die Geschichte des j\u00fcngsten ihrer drei Br\u00fcder, der Ende der 1990er Jahre kurz f\u00fcr eine medizinische Behandlung in Japan war.<\/p>\n<p>Es wird sehr deutlich, wie unterschiedlich sich die beiden Geschwister entwickelt haben, die \u00fcber 20 Jahre in zwei v\u00f6llig gegens\u00e4tzlichen Welten gelebt haben. Der Bruder ist eine gebrochene Figur, deren alte Lebensfreude aber in einigen Momenten doch wieder aufkeimen kann. Wie die Familie changiert die Atmosph\u00e4re des Films immer zwischen dem Gl\u00fcck \u00fcber den Augenblick, den man zusammen hat, und tiefer Verzweilfung \u2013 denn der Aufenthalt ist begrenzt, der nordkoreanische Staat unerbittlich. Aber wie die Regisseurin selbst stellen sich die Figuren dem Unausweichlichen tapfer entgegen, und sei es mit einem neuen Anzug f\u00fcr den ungeliebten Spitzel, &#8222;damit er dort besser angezogen ankommt, als er gegangen ist&#8220;. Eine kleine Genugtuung also, wie die Anteilnahme und das Interesse der Zuschauer eine kleine Genugtuung f\u00fcr die Regisseurin sein m\u00f6gen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kazoku no kuni (internationaler Titel: &#8222;Our homeland&#8220;) ist ein Film, den eigentlich Stephanie Klasen besprechen m\u00fcsste, unsere Expertin f\u00fcr Filme mit Japankoreaner-Thematik. Da sie aber gerade in Japan weilt, springe ich gerne ein, um diesen&nbsp; gelungensten japanischen Spielfilm der Berlinale vorzustellen. Raffiniert ist schon der Titel Films, &#8222;Kazoku no kuni&#8220; \u2013 &#8222;das Land meiner\/unserer Familie&#8220;. 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